Rüeblistamm
23.07.2017 - strubgru

Führung durch das Jakob Müller Museum in Frick am 20. Juli 2017. Der Bericht von Peter Strub

  

18 Mitglieder des Rüeblistamms freuten sich im Personal-Restaurant der Jakob Müller AG über ein feines Mittagessen (zu günstigem Preis notabene) sowie Flüssigkeitsnachschub im Glas (es war teuflisch heiss). Noch wärmer wurde es ab 14.00 Uhr, als uns Herr Eduard Strebel zum Beginn einer hochinteressanten Führung in den 2. Stock des Müllerhofes bat. Herr Strebel verstand es aber, seine Zuhörer vom ersten Moment an zu interessieren. Mit 2 Filmen über die Geschichte der Jakob Müller AG und der Bandweberei tasteten wir uns langsam an das (für mich als Technobanause jedenfalls) komplexe Thema heran. Kettfäden - Webgewichte - Weberschiffchen - Jaccard-Maschinen - Schussfäden - Schusseintrag - Visiteure - Ferger - Posamenter - ... Mir brummte der Kopf! Umso mehr als ich realisieren musste, dass die meisten Besucher und Besucherinnen grosses technisches Verständnis zeigten.

1887 eröffnet Jakob Müller-Schneider in Frick eine kleine Webmaschinenschreinerei. Die Industrialisierung nimmt auch in der Schweiz Fahrt auf. Frick erlebt seit der Eröffnung der Bahnlinie Zürich - Basel 1875 einen wirtschaftlichen Aufschwung. Müller repariert Webstühle der Bandweber (Posamenter) aus der Umgebung. Er stellt Ersatzteile her, arbeitet an technischen Verbesserungen und stellt erste eigene Webstühle her. Die Bandweberei in Basel und Umgebung boomt. Tausende von Heimarbeiter arbeiten zu Hause an ihren Webstühlen. In der Stadt sitzen die Patrons , die "Bändeli-Herren" (die Gründer des Basler "Taigs"). Ferger oder Visiteure besorgen die Verbindung und die Kontrolle. Auch Kinder werden als Spuhlenwickler eingesetzt. Jakob Müller-Kistler, der Sohn, übernimmt 1912 die Firma. Er leitet die Elektrifizierung und den Wechsel von Holz zu Metall ein. Der erste Reissverschluss-Bandwebstuhl entsteht. Im Nachkriegs-Europa übernimmt 1946 Jakob Müller-Frauenfelder das väterliche Unternehmen. Neuartige Verfahren erschliessen neue Märkte z.B. Maschinen für Klettband (Welcro) oder den Sicherheitsgurt. Die Präsenz im Ausland wird ausgebaut. Christian Kuoni tritt 1992 als aktiver Teilhaber in die Holding ein und übernimmt den Vorsitz. Ab 1995 entstehen Produktionsstätten in Tschechien, Indien und China. In Japan, Hongkong, Mexiko und Brasilien werden Tochterfirmen ausgebaut.

In verschiedenen Ausstellungshallen erklärt uns Herr Strebel an funktionierenden Maschinen aus allen Epochen die verschiedenen Systeme und Abläufe. Um auch Banausen wie mir die Funktionen begreiflich zu machen, lassen sich die Webstühle zum Glück auch auf Zeitlupe einstellen.

Mir hat die rund 3-stündige Exkursion gossen Eindruck gemacht. Erstens mit dem Einblick in ein Stück Sozialgeschichte, zweitens durch einen Augenschein in technische und handwerkliche Raffinesse, drittens durch den Einblick in die grosse Produktepalette der Bandweberei. Praktisch jedermann trägt Bändchen oder Klettverschlüsse, sei es an Hosen, Jacken, Unterwäsche usw. Auf der Heimfahrt im Auto benutzen wir Sicherheitsgurten und viertens hat uns Herr Eduard Strebel mit seiner Kompetenz, dem grossen Einsatz und der herzlichen Freundlichkeit beeindruckt. Herzlichen Dank!

Hier zu weiteren Bildern

Hier der Link zum Firmenvideo

Organistion: Beatrice Strub-Grumbach
Bericht: Peter Strub
Fotos: Köbi Zimmermann

         

 

Kommentare

Vielen Dank, Peter, für den informativen Bericht. Es war wirklich ein spannendes Stück Technikgeschichte, das wir in Frick kennenlernen durften. Es eröffnet einem einen neuen Bezug zu den vielen Bändern, Gurten etc., die wir täglich benutzen. Auch, dass die schönen Bilder von Köbi separat angeclickt werden können, gefällt mir sehr gut. Ruth

Ich hatte bei der Anmeldung eigentlich gedacht, dass ich in eine Bändeli Produktionsfabrik gehen würde, war dann aber keineswegs enttäuscht, dass dies dem nicht so war. Ich kam in den Genuss einer hervorragenden Führung durchs Museum und demzufolge auch zum Wissen der ständigen Weiterentwicklung dieser Firma. Es tat mir in der Seele wohl zu sehen, wie sich Kleinfirmen in der Schweiz behaupten. Hut ab vor der dieser Firmenleitung! Ein Dank den Organisatoren und Fotografen für diesen informativen Rückblick.

Erika, die keineswegs enttäuscht nach Hause kam.

Auch ich hatte erwartet, einen Betrieb zur Produktion von verschiedenen Bändern anzutreffen und war dann ebenfalls erstaunt, dass es sich stattdessen um eine Führung der dazu notwendigen Maschinen handelte (erging wohl noch einigen unter uns so; man hätte halt genauer hinschauen müssen bei der Anmeldung!). Nun, die vielen verschiedenen Maschinen, die wir dafür genau betrachten, berühren und zum Teil sogar in Gang setzen durften, waren keine schlechte Alternative! Und auch auf unsere vielen Fragen wusste Herr Strebel geduldig immer wieder eine passende Antwort. - Nicht zu vergessen übrigens das gute und äusserst preiswerte Mittagessen in der freundlichen und hellen Kantine! - Alles in allem wieder einmal ein gelungener Rüeblistammanlass - Beatrice und Peter Strub sei hiefür ganz herzlich gedankt.

 

Liselotte. 

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