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Rüeblistamm
02.07.2017 - Ruth Vuilleumier

Zofingen - Führung durch die Altstadt. Bericht von Ruth Vuilleumier

Der Ausflug nach Zofingen fiel auf einen ausserordentlich heissen Tag, mindestens 30° im Schatten! Und so gab es verständlicherweise einige Abmeldungen, aber am Schluss verblieben doch elf Teilnehmende des Rüeblistamms. Immerhin konnten wir im Restaurant Rathaus auf dem angenehm schattigen Vorplatz zu Mittag essen. Von hier sahen wir bequem den Zofinger Helden Schultheiss Niklaus Thut, der auf einer Säule über dem Stadtbrunnen den Platz überblickt. Er soll bei der Schlacht von Sempach, 1386, für die Habsburger das Stadtbanner gerettet haben, aber den Sieg der Eidgenossen konnte er nicht verhindern.

                   

Unseren Stadtführer Peter Lüthy, ein pensionierter Lehrer, trafen wir gleich nebenan auf dem Niklaus-Thut-Platz. Als erstes zeigte er uns ein altes Coiffeur-Ladenschild. Ein Rasiermesser und drei Kugeln waren darauf zu sehen. Ja, das Messer ist klar, aber die drei Kugeln? Früher bekamen die alten zahnlosen Männer mit eingefallenen Backen offenbar drei gedrechselte Holzkugeln in den Mund gestopft, um die Rasur zu erleichtern. Dass das heute zum Glück nicht mehr nötig ist, zeigt ein modernes Schild mit Kamm und Schere. Da Zofingen noch heute auf Leuchtreklamen verzichtet, findet man zahlreiche Ladenschilder an den Häusern.

            

In der Antike war Zofingen eine Siedlung der keltischen Helvetier, später errichteten hier die Römer einen Gutshof. Die Alemannen begründeten dann im 6. Jahrhundert eine der ältesten Pfarreien im Aargau und im 11. Jahrhundert erstellten die Frohburger ein Chorherrenstift. Der Stiftsturm mit dem Glockenspiel erinnert noch an diese Zeit, allerdings ist es ein späterer Bau von 1595. 1299 gehörte Zofingen zu Habsburg, doch 1415 eroberten die Berner die Stadt und führten 1528 die Reformation ein. Mit der Helvetik endete 1798 der Untertanenstatus. Seit 1803 gehört Zofingen zum Kanton Aargau und entwickelte sich zu einem Regionalzentrum mit heute 12‘000 Einwohnern, der siebtgrössten Gemeinde des Kantons Aargau.

      

Herr Lüthy machte uns auf dem Niklaus-Thut-Platz, dem Zofinger Hauptplatz, auf die unterschiedlichen Haustypen aufmerksam. So haben die aneinandergereihten Gebäude aus dem 17. Jahrhundert kleinteiligere Fenster, die mit Sandstein eingefasst sind. Die Fassaden weisen zudem durchgehende Simse sowie Eckverstärkungen aus Sandstein auf. Der Sandstein stammt aus Zofinger Steinbrüchen. Das freistehende barocke Herrschaftshaus, das Neuhaus mit roten Fensterläden, hatte 1770 ein reicher Färbereibesitzer erbaut und beherbergt heute die UBS.

      

Wir passierten kurz einen Torbogen und gelangten zu den Grabengärten. Hier legte die Stadt anstelle des Wassergrabens Gärten an, nachdem die äussere Stadtmauer 1820 abgerissen wurde. Gegenüber zeigte uns Herr Lüthy sein altes Schulhaus, wo er selber Schüler und später Lehrer war; ein monumentales Schulgebäude im Neorenaissancestil von 1874.

         

In der alten Lateinschule von 1602, wo früher Geistliche ausgebildet wurden, ist heute die Stadtbibliothek untergebracht. Auffallend sind zwei Türen dicht nebeneinander: Ein Eingang für die Schüler und einer für die Lehrer und beide führen in den gleichen Raum. Auf der anderen Strassenseite befindet sich der Sennenhof mit einem eigenen Brunnen im rosenüberwachsenen Innenhof. Zofingen verfügt über zahlreiche Wasserquellen. Das Wasser wurde seit 1890 über Holzröhren (sogenannte Deucheln oder Dünkeln) zu den Privathäusern geführt ganz zum Ärger der Dienstmägde, die so ihren geliebten Begegnungsort am öffentlichen Brunnen verloren.

                          

Um der Hitze zu entgehen, setzten wir uns in der reformierten Stadtkirche auf die Kirchenbänke, wo uns Herr Lüthy - weit über die abgemachte Zeit hinaus - weitere spannende Geschichten über Zofingen erzählte. Wir bewunderten die sorgfältig geschnitzte frühbarocke Kanzel mit dem Baldachin, den Taufstein aus schwarzem Marmor von 1651, die Berner Wappentafel, als Zofingen noch zum bernischen Staatsgebiet gehörte, und im Chor die bunten Glasfenster, die um 1420 von oberrheinischen Glasmalern geschaffen wurden.

       

Herr Lüthy hätte in der angenehm temperierten Kirche noch lange über seine Stadt berichten dürfen, wir hörten ihm gerne zu und stellten Fragen. So lernten wir die Stadt auf profunde Weise kennen und besuchen Zofingen gerne wieder.

        

  

 

 Fotos: Köbi Zimmermann und Ruth Vuilleumier

 

Kommentare

Lieber Rüeblistamm

sehr gerne würde ich mit meiner Frau Dorit teilnehmen, doch vorher würde ich gerne wissen, wann genau das Mittagessen und wann die Führung stattfindet.

Herzliche Grüsse - Dieter vom Luzerner-Treff

Lieber Dieter

Danke für Dein Interesse. Das Mittagessen ist um 12 Uhr. Die Führung beginnt um 14 Uhr. Wir freuen uns auf Eure Teilnahme.

Liebe Grüsse Köbi

Lieber Köbi

So ein Pech, jetzt ist uns ein unverschiebbarer Termin dazwischengekommen, und das uns so vertraute Zofingen können wir leider nicht besuchen. Wir melden uns wieder, sobald es mit einem nächsten Anlass vom Rüeblistamm besser passt.

Viel Vergnügen in der Thut-Stadt wünschen Dorit und Dieter

Liebe Ruth

Herzlichen Dank für Deinen informativen Bericht über die "heisse" Stadtführung in Zofingen.

Natürlich auch für die Organisation und die zusätzlichen Bilder vielen Dank!

Liebe Grüsse Köbi

Danke vielmals für den wunderbaren Bericht samt Fotos. Ich weiss, ich bin etwas spät dran, aber diesen Tag beim Durchlesen nochmals erleben zu können, ist fantastisch. Der Stadtführer machte  seine Sache ausgezeichnet. Da wir immer Schattenplätze fanden, musste niemand allzu sehr unter der Hitze leiden. Ruth und Köbi, danke für eure Arbeit.

Mit herzlichem Gruss Erika

Danke Erika für Deinen Kommentar. Es war wirklich ein toller Nachmittag. Liebe Grüsse, Ruth

An die Organisatoren,

Schon bald ist wieder der nächste Anlass an der Reihe, aber trotzdem möchte ich jetzt im Nachhinein herzlich für die Organisation der Stadtführung Zofingen Danke sagen. Trotz der Hitze war es eine sehr interessante Führung! Der Stadtführer hat immer ein schattiges Plätzchen gefunden, um uns über Zofingen berichten zu können. Merci.

Enrico Griesser

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