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Loisirs

Die Sache mit den Leerverkäufen

Die Sache mit den Leerverkäufen

Vor rund zwei Jahren fiel mir erstmals das Wort „Leerverkäufe“ auf. Da las ich im Handelsblatt den Satz:

„Noch niemals zuvor haben Investoren so viel Geld mit Leerverkäufen am Aktienmarkt verdient wie im Juli dieses Jahres.“

Mit Leerverkäufen?

Man sollte denken, Leerverkäufe sind Verkäufe von Finanzinstrumenten oder Waren, die der Verkäufer nicht in seinem Besitz hat. Doch damit Geld verdienen? Grosses Fragezeichen.

Seit Juli 2008 begleitet mich das fremde Wort Woche für Woche bis zum heutigen Tag.

Beispiele gefällig?

„Das Verbot von Leerverkäufen durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin sorgt für Verwirrung unter zahlreichen Marktteilnehmern“ (FAZ.NET, 2008).

„Die Schweizer Bankenaufsicht EBK und die Börse SWX haben angesichts der Finanzmarktturbulenzen darauf hingewiesen, dass an der Schweizer Börse Leerverkäufe ohne Deckung verboten sind“ (REUTERS, 2008).

„Die US-Börsenaufsicht (SEC) hatte im Sog der Krise als erste Massnahme ein umfassendes Verbot für Leerverkäufe für rund 800 Finanzaktien eingeführt“ (acemaxx 2009).

„Es darf wieder gezockt werden. Anderthalb Jahre nach der Lehman-Pleite nimmt die Aufsichtsbehörde das Verbot von riskanten Wetten auf deutsche Finanztitel zurück. Hochspekulative Geschäfte… sind wieder erlaubt“ (ftd 2010)

„Die Märkte bewegen sich immer rasanter dahin zurück, wo sie vor der Krise standen … Jetzt hat die BaFin erneut einen Schritt zurück getan. Sie hat wieder Leerverkäufe zugelassen“ (optionen-investor 2010).

„Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will bestimmte Formen von Leerverkäufen verbieten“ (FAZ.NET – März 2010).

 

 Leerverkäufe: Mal verboten, mal erlaubt

In den besagten zwei Jahren habe ich immer wieder versucht, mich in Sachen „Leerverkäufe“ ‚weiterzubilden’, um möglicherweise – siehe oben – auch mit meinen Leerverkäufen Geld zu verdienen. Doch weil ich offenbar zu eselig bin, um hinter das Geheimnis dieses Finanzsystems zu kommen, bin ich um keinen Euro reicher geworden.

Wohl traue ich mir zu auszusagen, warum ein Verbot von Leerverkäufen richtig, - und  warum ein Verbot von Leerverkäufen falsch ist. Ich bilde mir sogar ein, alles und alle zu verstehen, nur verstehe ich es nicht mit meinen Leerverkäufen ins Geschäft zu kommen. Vielleicht weil ich d a s überhaupt nicht will -?

Endlich: Weihnachten 2009

In der Weihnachtsausgabe der <Süddeutschen Zeitung> wurde eine kleine Geschichte aus dem politischen Kulturmagazin <Die Gazette> zitiert, die es wert ist, weiter erzählt zu werden. Sie erklärt auf eine gewitzte Weise die „Regeln“ des Finanzmarktes. Und zwar so:

Chuck kauft für 100 Dollar einen Esel. Das Tier stirbt vor der Lieferung. Chuck will sein Geld zurück, der Farmer hat es aber angeblich schon ausgegeben.

Nun will Chuck den toten Esel haben um ihn zu verlosen. Verlosen? Ich sag den Leuten einfach nicht, sagt Chuck, dass der Esel tot ist.

Einen Monat später trifft der Farmer Chuck wieder. Was aus dem Esel geworden ist? Nun, ich habe ihn verlost. 500 Lose zu 2 Dollar verkauft und 998 Dollar Gewinn gemacht.

Hat sich denn keiner beschwert? Nur der Kerl, der den Esel gewonnen hat. Dem habe ich seine 2 Dollar zurück gegeben …

Die Geschichte endet mit der Anmerkung: „Heute arbeitet Chuck für Goldman Sachs“.

 

Fazit

Die Geschichte erklärt wie Leerverkäufe funktionieren.  Sie erklärt nicht, wie so ein Eselsmodell zu einem Weltfinanzprinzip werden konnte, und was man dagegen unternehmen soll.

 

Commentaires

Portrait de epsilon37

100 zu viel

In der Tat war der Gewinn nur 898 Dollar, weil Chuck nicht 100 Dollar zurück erhielt, nur den toten Esel. Da soll man nicht einmal Chuck glauben. Für die Geschichte spielt das keine Rolle, das Fazit bleibt so oder so gültig.

Portrait de Walter Armbruster

Die Sache mit den Leerverkäufen

Eine echt gute Erklärung, und jetzt weiss auch ich, wie gewisse Finanzinstumente funktionieren. Nun, nachdem die Finanzkriese halbwegs ausgestanden ist, und die Karten neu gemischt wurden, wird Chuck weitere Esel kaufen.
So könnte man sagen:" Es gibt Leute wie du und ich, die haben irgendwann mal etwas geklaut. Dann gibt es richtige Schweerverbrecher. Und dann gibt es noch Investmentbanker!
                                Walti