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Fastnacht - als ob nichts wäre

15 réponses [Dernière contribution]
12. mars 2011 - 19:52
Roberto Binswanger

In Japan passiert eine Riesen-Naturkatastrophe, und hierzulande wird Fastnacht gefeiert, als ob nichts wäre. Wie man unbeschwert Fastnacht feiern kann, wenn man weiss, was in Japan abläuft, ist mir absolut schleierhaft.

Answers

kaninchen

Darf ich fragen,

was sich in Japan oder für die Japaner ändern würde, wenn man die Feiern ausfallen läßt ?

Eurydike

Mitgefühl fehlt

Kaninchen,

es ändert sich nichts, zeigt aber sehr viel Gefühllosigkeit - finde ich.

sukram

Fasnacht als wäre nichts geschehen...

Eben dieselben Gedanken machen wir uns, meine Ehefrau und ich, ebenfalls. Da sterben tausend oder mehr Japaner zufolge der verehehrenden Naturkatastrophe mit unabsehbaren Folgen wegen beschädigter Atomkraftwerke und wir Schweizer und andere feiern die Fasnacht...Wo bleibt da die Solidarität und das Mitgefühl ? Aber das Ereignis ist  ja so weit weg  von unserer "Insel" Schweiz....Mich interessiert, was nun die Atom-Lobby für Ausreden auftischen wird. Etwa, dass unsere AKWs sowieso viel sicherer seien und ein solcher Fall bei uns nicht vorkommen kann. Man hat ja ohnehin alles im Griff. Ich hoffe nur, dass die laufenden Energie-Debatten wenigstens zu einem Umdenken in Richtung Alternativ-Energieen führen werden.

Kurt Engelbrecht

Es ist nicht "als wäre nichts

Es ist nicht "als wäre nichts geschehen". Wir nehmen die Ereignisse in Japan sehr wohl wahr , und jeder von uns beschäftigt sich mit ihnen auf seine Weise. Das hat mit der Fastnacht überhaupt nichts zu tun.

Kurt

 

Brigitte Poltera

Vielleicht hilft Humor, beklemmende Gefühle zu überbrücken

Ich erinnere mich, rund um den zweiten Weltkrieg Geschichten und Berichte gelesen zu haben, dass gerade in Situationen besonderer Not oder grosser Unsicherheit die Menschen am hilfreichsten waren, welchen es gelang, im Sinne eines "dennoch leben wir" mit Humor Brücken über die Alltagssorgen zu schlagen - der Clown, der die Kinder in einer auswegslosen Situation erheiterte, die jungen Leute, die getanzt haben, als ob es kein Morgen gäbe, die jungen Frauen, die sich mit sehr wenigen Mitteln hübsch kleideten und schminkten, um ihre Männer aus dumpfer Traurigkeit zu lösen ..

In diesem Sinne sehe ich auch die Fasnacht, die ich mit meinen Enkeln feiere, als absolut vertretbar an - denn tief in mir innen werde ich bestimmt an die Ereignisse in Japan denken und sie werden mich auch während der Fasnacht nicht los lassen. Zu einem "dennoch weiter leben" müssen sich in nächster Zeit wohl auch viele Japaner aufraffen ...

Andreas Kühner

Täglich sterben hunderte von Kindern ...

... und wir essen weiterhin täglich drei Mal unsere köstlichen Frühstücke mit Honig und Ei, den Mittags-Fitness-Teller in gut gekleideter und kunstvoll geschminkter Begleitung sowie ein fürstliches Abendessen mit einem besten Tropfen Bordeaux.

P.S. Vielleicht ist das  W i r  nur eine Zusammenfassung täglich möglicher Beobachtungen in den Restaurants einer ganzen Anzahl von Schweizer Städten.

... und Tausende pilgern nach Genf an den Autosalon.   

Ohren können das Gute hören, Augen das Schöne sehen, wenn das Hirn dies zulässt

Rosano Verde

Wenn man CH-TV schaut...

... kommt man zum Schluss, dass "wir" trotz Fasnacht sehr betroffen sind. Doris Leuthard, vor dem KKL vom Fernsehen interviewt, möchte in den nächsten Tagen die Dampfwolke beobachten; sie könnte radioaktiv verseucht sein, ist aber immerhin noch 9,500 km von Luzern entfernt. Heute soll in der Leuchtenstadt ein Filmpreis überreicht werden. Der rote Teppich ist ausgerollt.

Auch Angela Merkel, die Physikerin, ist sehr betroffen. denn das Erdbeben in Japan gibt der rot-grünen Opposition vor den Wahlen in Baden-Württemberg Auftrieb. Als Nuklear-Experten werden vor allem Vertreter von Greenpeace vor die Kamera gezerrt. Auch sie sind betroffen, reden von Kernschmelze und dass dies wohl auch für uns Folgen haben könnte, vor allem politische. Den Atomausstieg müsste man neu überdenken.

Und in Japan mussten 140,000 Menschen evekuiert werden. Sie sind gefasst. Ganze Küstenabschnitte sind verschwunden und mit diesen zahlreiche Dörfer und Städte. Vermutlich reden wir schon bald von 10-tausenden von Toten. Die Sachschäden wagt keiner zu schätzen, 50 Milliarden, 100 Milliarden oder mehr? Die Japaner ertragen es mit Fassung, helfen sich gegenseitig, retten, was noch zu retten ist. Respekt.

Dieweil werden heute wohl die Helfer diverser Hilfskorps, darunter auch 25 Schweizer/innen mit 9 Hunden, am Flughafen Tokio übernachten. Ob sie ins Katastrophengebiet vorrücken können, ist ungewiss; die persönliche Sicherheit geht vor. Selbst die japanischen Hilfskräfte sind noch nicht bis ins Katastrohengebiet vorgedrungen. Vermutlich muss jetzt ein japanisches Care Team die zahlreichen ausländischen Helfer am Flughafen betreuen.

Alles gut gemeint. Aber auch ein wenig peinlich. Die Fasnacht gehört nicht unbedingt dazu, selbst dann, wenn man nicht Basler ist.

wels

aa

Ich bin zwar kein Fasnächtler, aber ich gönne ihnen diese Anlässe. Wie üblich sollen wir in der Schweiz nur noch rund um die Uhr und 370 Tage pro Jahr mit verweinten Augen und offenem Portemonnaie leben. Schliesslich sind wir an allem Elend in der Welt schuld. So weigern wir uns trotz internationaler Verträge hartnäckig, den uns zugewiesenen Anteil an schweren Erdbeben stattfinden zu lassen. Mit bekannt schweizerischer Mickrigkeit lassen wir es nur mit der Stärke 2 beben. Ebenso übernehmen wir trotz diesen Verträgen keine Tsunamis in unseren Seen. 

Daher auch der Fernsehterror gegen die zahlende Bevölkerung: Jedes Mistfilmli wird endlos wiederholt auf dem das Zittern vor allem vom nervösen Handybesitzer kommt der das Geschehen mit verständlicherweise zuckender Hand filmt und nicht vom Erdbeben. Hat man das einmal angeschaut, kommen Sondersendungen und wenn die vorbei sind, wird beim laufenden Unterhaltungsfilm am untern Rand eine blöde Laufschrift eingeblendet so von der Art "Es wird befürchtet" , " es könnte sein ", "vermutlich gibt es " und was die Journalisten in solchen Zeiten so Hochinformatives auf Lager haben.

 

 

turik

Was war denn mit Ruanda?

Schon vergessen? 
Nein.
Einfach nur das bisschen Völkermord mangels Medienhype kaum zur Kenntnis genommen.

Kobold 70

Die Ereignisse in Japan ...

... lassen niemanden kalt und gehen unter die Haut. Die einen zeigen es etwas mehr, die anderen etwas weniger. Aber unser Planet dreht sich weiter. Die nächsten Naturkatastrophen werden folgen, grauenhafte Kriege werden stattfinden, jede Sekunde werden weiterhin Menschen verhungern und auch mit dem sogenannten Restrisiko müssen wir leben. Alle die sich jetzt entrüsten, dass Fasnacht gefeiert wird, sportliche Anlässe die Gemüter erhitzen, der Kauf eines neuen Wagens im Vordergrund steht oder schon die nächsten Ferien geplant werden, sollten sich vielleicht mal überlegen, dass man gleichwohl betroffen sein kann ohne gleich alles in Frage zu stellen. Beeindruckt hat mich die Stellungnahme der Physikerin a.D. Angela Merkel zu den Ereignissen in Japan. Nüchtern und ohne Effekthascherei gewisser sogenannter Nuklear Experten aus dem rot/grünen Lager.

Kobold 

Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.
wels

aa

Soeben lese ich, dass die Kernschmelze gar nicht stattgefunden hat. Alles aufgebauscht, sozusagen journalistisiert und von Wasserstoffexplosion ist auch keine Rede mehr. Wasserstoff kann sowieso nicht explodieren, da muss eine Wasserstoff-Sauerstoffmischung vorliegen die den Namen Knallgas trägt. Aber auch das ist den von keinerlei Wissen angenagten Regierungs- und anderen Lautsprechern egal. Mit solchen Meldungen werden dann z.B. Börsenkurse von Versicherungsfirmen heruntergemacht.

 

 

 

derisor (désinscrit)

wo

hast Du denn das gelesen, wels. Schau mal beim Auslandsdienst des staatlichen japanischen Fernsehens rein (NHK World). Der ist zwar auf englisch und nur über Satellit zu empfangen, aber da tönt es ganz anders. Und da bist Du direkt an der Quelle.

Andreas Kühner

Vielleicht ...

Kobold, hast Du nicht ganz mitgekriegt, was gemeint ist mit den Bemerkungen zum ganz normalen Leben, das auch neben den Natur- und Zivilisationskatastrophen in Japan, bei uns eben (richtigerweise) weiter geht. Nicht, als ob nichts geschehen wäre, sondern, obwohl Vieles geschieht, geht das Leben weiter.

Diese Naturkatastrophe, welche dann noch die vielleicht viel schlimmere Zivilisationskatastrophe auslöste, soll jetzt plötzlich Grund sein, alles mit weinenden Augen zu sehen und vor lauter Betroffenheit sich nicht mehr darüber zu freuen, dass wir davon wenigsten verschont bleiben.

Aber an die täglich zu Hunderten vor Hunger sterbenden Kinder und anderes menschliches Elend, da kann man sich daran gewöhnen, da gibt es kein Mediengeschrei. Und über die Ursachen dazu nachzudenken lohnt sich schon längst nicht mehr. Ist es nicht so?

Betroffen sein darf, ja sollte man sein und darob demütig und dankbar werden, dass es uns nicht so ergangen ist.

Wäre ich dreissig Jahre jünger, wäre ich wahrscheinlich mit einem Katastrophenhund im Rahmen der Rettungskette Schweiz in Japan.

 

 

Ohren können das Gute hören, Augen das Schöne sehen, wenn das Hirn dies zulässt

Uors

Peinlich?

Rosano Verde schrieb:

"Dieweil werden heute wohl die Helfer diverser Hilfskorps, darunter auch 25 Schweizer/innen mit 9 Hunden, am Flughafen Tokio übernachten. Ob sie ins Katastrophengebiet vorrücken können, ist ungewiss; die persönliche Sicherheit geht vor. Selbst die japanischen Hilfskräfte sind noch nicht bis ins Katastrohengebiet vorgedrungen. Vermutlich muss jetzt ein japanisches Care Team die zahlreichen ausländischen Helfer am Flughafen betreuen.

Alles gut gemeint. Aber auch ein wenig peinlich." ...

Was soll da peinlich sein, wenn auch die Schweiz HelferInnen mit Suchhunden nach Japan schickt?. Gewiss weniger als ein Tropfen auf den heissen Stein. Verschüttete, die gefunden werden, werden es aber kaum als "ein wenig peinlich" empfinden".

Rosano Verde

Verschüttete, die gefunden werden,

...das trifft zu. Verschüttete, die seit drei Tagen unter Trümmern begraben sind und bereits 30 Minuten nach dem Erdbeben von einer 10 Meter hohen Tsunamiwelle ertränkt wurden, finden es in der Tat nicht als peinlich, wenn 25 Katastrophenhelfer mit 9 Hunden am Flughafen Tokio übernachten und im Morgengrauen mit Bussen nach Norden verfrachtet werden, soweit es noch Strassen gibt. Dort gibt es aber auch keine Hilfsbedürftigen. Sie würden sich wohl 100 Kilometer weiter nördlich befinden, sollten sie noch leben. Fazit: Ein Flugzeugträger der Amis erreicht mehr als 9 Hunde aus der Schweiz. Ich habe es bereits früher vermutet, andere offenbar nicht.