7. Zürcher Alterskonferenz am 15. September 2011 im Volkshaus Zürich
Autor: Anton Schaller, der als Gastgeber zu dieser Konferenz einlädt.
Wie wohne ich im Alter? - Die Antworten kommen aus verschiedenen Perspektiven: Hauseigentümer, Architekten, Gerontologin, Beraterin, Politikerin und ein Städteplaner.
Wohnen ist so elementar, wie essen und trinken, wie atmen und bewegen, wie ruhen und schlafen. Aber wo wohne und wie wohne ich im Alter? Eines ist sicher und wird uns mit dem Älterwerden immer bewusster: der «Vorrat an Zukunft schwindet», wie es Franz Hohler so klar und unmissverständlich ausdrückt. Ja, man wird älter, ob man es wahrhaben will oder nicht. Und die Bedürfnisse verändern sich zusehends. Die Lust, einen Garten sorgsam und voller Engagement zu hegen und zu pflegen, beispielsweise nimmt ab, obwohl die Blumen erfreuen, der satte Rasen «Gärtner» und Gäste immer wieder von Neuem imponiert? Treppensteigen wird zum Problem, die schwere Einkaufstasche drückt aufs Tempo, das Atmen fällt schwerer. Was tun?
Umziehen, frühzeitig ins Altersheim ziehen, in eine spezielle Alterswohnung mit Betreuung, ganz nah am Pflegeheim, um für alles gewappnet zu sein. Oder ganz anderes: in eine so genannte Residenz umziehen, die alles bietet, in eine kleinere Wohnung ohne Betreuung wechseln, vom Einfamilienhaus in ein Mehrgenerationenhaus umziehen, gar in eine Wohngemeinschaft, wie damals in der Studentenzeit, wo man sich im Alter gegenseitig stützt, betreut und später gar pflegt?
Oder eben bleiben in den liebgewonnen eigenen vier Wänden, obwohl die Wohnung seit dem Auszug der Kinder zu gross, zu aufwendig, aber besser bezahlbar, weil schon lange nichts mehr gemacht worden ist, mit der Gefahr doch noch gekündigt zu werden. Das Badezimmer ist aber zu klein, es ist keineswegs altersgerecht ausgestattet. Und da stellen sich plötzlich Fragen: Darf ich das Badezimmer altersgerecht ausstatten, darf ich selber eine Dusche einbauen? Was sagt der Vermieter, welche Rechte habe ich als Mieter. Oder ganz anders rum: Ziehe ich aus dem Eigenheim, aus dem Einfamilienhaus aus, verkaufe das Objekt, kaufe mir eine Eigentumswohnung in der Stadt, gar am rechten Zürichseeufer mit Blick auf den See, verlasse damit das mir sozial bekannte Umfeld und passe mich neu an, an die Nachbarn, an die Gemeinde, an die neuen Einkaufsmöglichkeiten. Die Wohnung altersgerecht gestaltet, ohne Schwellen, erschlossen mit einer Tiefgarage, mit einem Rollstuhl gängigen Lift.
Oder noch ganz anders: Ich vertraue auf meine Kräfte, warte ab bis es vielleicht zu spät ist und hoffe insgeheim, dass es die eigenen Kinder dann schon richten. Und im Hintergrund, die oft alles entscheidende Frage: Was kostet denn das alles? Was kann ich mir leisten? Fragen über die Fragen.
Die 7. Alterskonferenz greift diese Fragen auf.
Ansgar Gmür, der Direktor des Schweizerischen Hauseigentümer-Verbandes nimmt zu Mieterfragen Stellung, die an Vermieter und Hausbesitzer gerichtet sind. Wann darf ein Mieter seine Wohnung altersgerecht gestalten, wer hat dafür aufzukommen. Und: Was unternimmt der Hauseigentümer-Verband zur Frage: Wie wohne ich im Alter?
Regina Walthert, diplomierte Architektin und Gerontologin, informiert über ganz neue Wohnformen, über Wohngemeinschaften, über Modelle, die erprobt werden, von älteren
Menschen, die Neues wagen. Wie der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf, der in vielen Publikationen immer wieder als das Beispiel einer aktiven Neuorientierung aufgeführt wird. Hennig Scherf, der mit anderen älteren Ehepaaren zusammen ein Haus kaufte, das Objekt umbaute, altersgerecht gestaltete und heute gemeinschaftlich bewohnt. Mehr noch. Die Gemeinschaft ist so eingerichtet, dass auch eine Pflege gewährleistet werden kann.
Die ehemalige Ständerätin und Zürcher Stadträtin Monika Weber spricht über ihre Erfahrungen, über ihre Wohnform, die sich anders gestaltete, als sie es sich vorgenommen hatte. Heute wohnt sie seit 6 Jahren zusammen mit ihrer Mutter in einer neuen Wohngemeinschaft.
Simone Gatti, hat grosse Erfahrungen als Coach in Wohnfragen. Sie kommt aus der genossenschaftlichen Bewegung, Sie weiss, wie man heute Generationen übergreifend planen und projektieren kann, wie man altersgerechtes Wohnen fördert und entwickelt.
Und schliesslich Patrick Gmür, der Direktor des Amtes für Städtebau in der Stadt Zürich referiert darüber, wie die Stadt künftig entwickelt werden muss, dass es sich auch im Alter lohnt, in der Stadt zu bleiben, in der Stadt zu wohnen. Und er beantwortet die Frage: Wie sieht das ideale Wohnen am Lebensabend aus?
Foto: Bernd Boscolo / pixelio.de