| Wolke 9 |
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| Autor: Fritz Vollenweider | ||||||
| Donnerstag, 2. Oktober 2008 | ||||||
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Eine „alte Geschichte“
„Ein Jüngling liebt ein Mädchen, .......
Es ist eine alte Geschichte, So schreibt Heinrich Heine. Hier ist es die über 60-jährige Inge, die nicht weiss, wie ihr geschieht. Seit rund dreissig Jahren glücklich verheiratet mit einem guten, vernünftigen Mann, mit Tochter und Enkeln, nebenberuflich tätig – warum fühlt sie sich so mächtig vom zufälligen Bekannten Karl, annähernd 80-jährig, in den Bann gezogen, dass sie – hilflos – einfach nicht anders kann...? Behutsam, einfühlend und konsequent erzähltBeglückendes, Beschwingtes, Aufwühlendes einer Liebe in der Jugend umschreibt man mit „Schmetterlingen im Bauch“. Was macht den Unterschied zwischen „Erster Liebe“ und „Letzter Liebe“ aus? Das ist ein Hauptthema des Films. Auch Liebe und Sexualität sind in der Aufbruchzeit nicht dasselbe wie in der mutmasslichen Endzeit des Lebens. Der Unterschied besteht darin, dass Vernunft und Furcht vor Familie und Gesellschaft die Betroffenen im Alter vielleicht daran hindern mag, diesen „Schmetterlingen...“ kompromisslos zu folgen. Inge und Karl tun es, weil es sie machtvoll packt. Für Inges Familie, vor allem für Ehemann Werner, sind die Folgen unbegreiflich – und letztlich tragisch, erschütternd. Andreas Dresen dazu:
„Denn es macht ja sehr wohl einen Unterschied, ob man mit 40 jemanden verlässt oder ob man das nach 30 Jahren Ehe mit 70 tut. In unserem Fall hat das viel drastischere Konsequenzen für die Betroffenen, weil sie viel mehr gelebtes Leben mit sich herumschleppen. Da hat man nicht mehr unbedingt das Selbstbewusstsein, sich noch einmal auf etwas einzulassen oder überhaupt noch mal jemanden zu finden – denn so viel Zeit bleibt einem ja nicht mehr.“ Enge Räume – weite Blütenfelder Die Filmsprache von Regisseur Andreas Dresen und die Darstellungskunst der Hauptdarsteller Ursula Werner (Inge), Horst Rehberg (Ehemann Werner) und Horst Westphal (Karl) vereinigen sich zu einer Leistung, zu welcher spürbar alle übrigen Mitwirkenden – bis zu Kamera, Technik, Kostüm, Requisite – einen ebenbürtigen Anteil beitragen. Ein paar filmische Höhepunkte fallen auf, die nicht zufällig sein dürften. Da ist zum einen die Wohnung Werners und Inges. Er lebt in seinem Arbeitszimmer, beschäftigt sich noch immer mit Themen aus seiner Berufszeit als Studienrat und daneben mit seinem Hobby. Sie sieht man im Gang, in ihrem Arbeitszimmer, wo sie Änderungsarbeiten an Kleidern für Kunden ausführt, und in der Küche. Da steht auch der gemeinsame Tisch für Essen und Gespräche. Die Kamera führt den Blick meistens zwischen Türpfosten in die Räume, vor allem in die Küche. Das weckt das Gefühl von Enge, von Alltäglichkeit, ein kleines Bisschen auch von Tristesse und Verlorenheit.
Die Räume von Karl, wo sich die Liebenden treffen, erscheinen filmsprachlich eher weniger bedeutend; hier füllen die Liebenden meistens das Bild. Und draussen rufen Licht und Blumen, Wasser und Bäume. Unvergesslich die beiden Radelnden hinter einem weiten blütenroten Feld; locker, verspielt und auf gewisse Art wärmend die Szene am See, die Beiden im Wasser oder am Ufer. Selbst wenn hier wieder die Hilflosigkeit gegenüber dem Brennenden dieser Beziehung aufscheint. Raum zum Atmen, Raum für die Liebe! Spontan und unverkrampft
Bilder: Mediendokumentation "Wolke 9" Filmcoopi.ch verlost unter den Seniorweb-Besucherinnen und Besuchern 10 x 2 Kinoeintritte. Links Filmcooperative Zürich Wolke 9
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| Aktualisierung ( Samstag, 2. Januar 2010 ) | ||||||
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Liebe und Sex im Alter – ein Tabuthema? Wie viel Beglückendes, aber auch welchen Aufruhr der Gefühle (sei’s bei Jung oder Alt) das auslöst, bewegt die Zuschauenden. Am 4. Oktober ist der Film am Zürich Film Festival 2008, ab 9. Oktober in den Kinos zu sehen
Geschmackvolle erotische Szenen sieht man nicht immer in modernen Filmen. Und wo sexuelle Handlungen gezeigt werden, ist die Grenze zu krudem Voyeurismus oft rasch überschritten. Hut ab vor solchen Szenen in diesem Film! Sie sind dezent, natürlich, unverkrampft und in Erzählung wie filmischer Ausdruckskraft nie Selbstzweck. Wer die Entstehungsgeschichte von „Wolke 9“ vernommen hat, weiss, dass der Regisseur mit den Darstellenden aufgrund eines strengen Handlungskonzepts frei improvisierend die Handlung, die Dialoge, die Mimik und die Bewegungen entwickelt hat. Das mag Hauptursache sein für Frische und Lebensnähe des Films einerseits, andererseits für alles Berührende und Erschütternde, das man miterlebt.
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