| ... in Wirklichkeit ist es komplizierter! |
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| Autor: Brigitte Poltera | ||||
| Donnerstag, 26. November 2009 | ||||
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Bild oben: Dr. des Caroline Moor stellt die Studie vor: Entlastungsangebote, Belastung und Lebensqualität: Resultate aus dem partizipativen Forschungsprojekt "Runder Tisch Science et Cité zum Thema Demenz".
So ganz selbstlos kommt das Symposium Entlastungsangebote mit der Frage nach Möglichkeiten zur Unterstützung von Angehörigen in der Pflege von demenzkranken Menschen nicht daher: Über 300'000 Familienangehörige leisten heute Pflegedienste. Sie geraten in Gefahr, sich zu überlasten, sich aus der Gesellschaft zurückzuziehen, selbst krank zu werden, wenn sie nicht auch zu sich selbst Sorge tragen. Das Zentrum für Gerontologie stellte am Symposium zwei Studien vor, die zusammen mit Pflegefachleuten und betroffenen Angehörigen erarbeitet wurden. 43'000 Demenzkranke werden von Angehörigen gepflegt Dr. Caroline Moor hat Entlastungsangebote, Belastung und Lebensqualität im Rahmen eines partizipativen Forschungsprojektes zum Thema Demenz untersucht. Das Projekt wird demnächst abgeschlossen. Von den 102'000 demenzkranken Menschen in der Schweiz leben 61'000 zu Hause, davon wohnen 43'000 zusammen mit Angehörigen und 18'000 alleine. Die Angehörigen leisten pro Jahr unentgeltlich ca. 66 Mio. Stunden Pflege, was umgerechnet rund 2,6 Mrd. Franken pro Jahr entspricht. Zwar gibt es eine Reihe von Helfernetzwerken, die aber nicht mehr so recht greifen, wenn pflegende Angehörige, um einfach mehr Zeit für sich selbst haben, reisen oder Hobbies pflegen möchten – Bedürfnisse, die sich über die Jahre angestaut haben. Gefragt nach Entlastungsangeboten, wünschen sich zwar 47 % der pflegenden Angehörigen Entlastung – und nutzen doch die vorhandenen Angebote nicht.
... in Wirklichkeit ist es komplizierter Hilfe anzunehmen ist nicht einfach; da sind Ängste vor finanziellen Verpflichtungen, Schuldgefühle oder fehlendes Vertrauen: Der Patient will nicht, das Angebot passt weder qualitativ, noch zeitlich, noch menschlich. Das Heim ist zu weit weg. Wer einen Patienten von 9 bis 16 Uhr in ein Tagespflegeheim abgeben könnte und dazu eine Vorbereitungs- und Wegzeit von je zwei Stunden benötigt, stellt schlicht fest, dass sich der Aufwand nicht lohnt. Sehr gut besuchte Tag/Nacht-Station in der Sonnweid in Wetzikon Dr. Sandra Oppikofer hat die Tag/Nacht-Station Sonnweid evaluiert, 2001 eröffnet und gut besucht. Hauptgrund für die Nutzung der Tag-/Nacht-Station sind körperliche und physische Erschöpfung der pflegenden Angehörigen. Durch die temporäre Entlastung leiden die Angehörigen weniger an depressiven Verstimmungen und können den Alltag besser bewältigen. Die Sonnweid übernimmt die Patienten in die Tag/Nacht-Station sehr flexibel, nach den Bedürfnissen der pflegenden Angehörigen, die ihre kostbare freie Zeit auch planen und optimal nutzen sollen – für einen Vereinsbesuch, ein Hobby oder für die Berufstätigkeit.
Betroffene erzählen Der Mann von Frau E. M. ist vor zehn Jahren erkrankt. Frau E. M. hat ihn während fünf bis sechs Jahren allein gepflegt: Die beiden wollten noch so lange wie möglich gemeinsam geniessen, was möglich war. Herr M. wehrte sich längere Zeit gegen einen temporären Heimaufenthalt, hingegen akzeptierte er einen zweiwöchigen Ferienaufenthalt auf einem Bauernhof, den er über einige Jahre beibehalten konnte. Mit der Zeit brauchte Frau E.M. regelmässige Entlastung, wurde dabei von Arzt und Psychiater unterstützt: Herr M. besuchte die Geriatrische Tages- und Nachtklinik in Dielsdorf erst einen Tag, dann zwei Tage pro Woche, später auch über Nacht. Heute lebt er stationär im Heim. Herr E. S. gibt seine Frau regelmässig in die Sonnweid: Er bringt sie werktags morgens um 7 Uhr und holt sie wieder um 19 Uhr. Die flexiblen Aufnahmezeiten erlauben ihm, weiterhin seiner Berufstätigkeit nachzugehen, die ihm viel bedeutet. Er könne sich ja pensionieren lassen und die Frau alleine pflegen, haben ihm Bekannte nahegelegt. Herr E. S. erklärt, er habe durch die Krankheit seine einst unternehmungslustige, intelligente Lebenspartnerin verloren. Und „Eheliebe“ sei nicht „Pflegeliebe“ – er sei dankbar, dass er die „Pflegeliebe“ an die Sonnmatt abtreten und sich dadurch neben der Berufstätigkeit gelassener seiner kranken Frau widmen könne. Aus der Diskussion Dr. Klara Obermüller führte das Podiumsgespräch. Wichtig sei die Frühdiagnose, die Ärzte lassen die Abklärung immer noch zu spät zu, weil sie befürchten, den Patienten durch die Diagnose zu stigmatisieren, erklärt Dr. med. Gabriela Stoppe von den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. Dadurch gehe es zu lange, bis Patient und Angehörige Hilfe bekommen. Auch Daniela Senn, Sozialberaterin der Pro Senectute, befürwortet den Wert einer frühen Beratung, die es dem Patienten und seinen Angehörigen erlaube, gemeinsam Weichen für die Zukunft zu stellen, die Wohnform zu überprüfen, die Kontakte zu Freunden zu erhalten. Wer ein Entlastungsangebot annimmt, überwindet eine erste Hemmschwelle, er akzeptiert die Krankheit und weiss, dass sie fortschreiten wird. Man müsste den Wert des Menschen neu beurteilen, erklärt Dr. Klara Obermüller. Was ist der Mensch, wenn seine intellektuellen Fähigkeiten wegfallen? Ist Hilfsbedürftigkeit ein unwürdiger Zustand? Die Pflegefachfrauen Schmieder und Hochstrasser erzählen, dass Demenzkranke ihre Angehörigen bis zum Tod durch Stimme und Geruch wahrnehmen und bei einer Begegnung erstrahlen, auch wenn sie sich nicht mehr durch Worte äussern können. Broschüre zum bestellen oder herunterladen (pdf-Datei): Temporäre Entlastung für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz Beratung: Hier können Sie das Manifest "Priorität Alzheimer" unterschreiben
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| Aktualisierung ( Mittwoch, 27. Januar 2010 ) | ||||
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Fazit aus dem Symposium „Entlastungsangebote“ des Zentrums für Gerontologie (ZfG): Eine Tag/Nacht-Station kann Angehörige in der Pflege von Demenzkranken in den letzten Jahren der Krankheit erheblich entlasten – sofern sie Patienten zeitlich flexibel aufnimmt.
Bild rechts: Dr. Sandra Oppikofer leitete die Studie "Evaluation Tag/Nacht-Station: Wie wird nach Entlastungsangeboten gesucht, wie werden sie genutzt oder was hält Angehörige davon ab, diese zu nutzen?"
Bild rechts: Freundschaftliche Beziehung zwischen Pflegepersonal und Angehörigen, im Bild Monika Schmieder (links), Pflegedienstleitung Krankenheim Sonnweid, und Gisela Hochstrasser (Mitte), Leiterin Tag/Nacht-Station Krankenheim Sonnweid, im Gespräch mit den Angehörigen eines Patienten.
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