Die Diskussion um den befristeten Führerausweis im Alter läuft heiss, im Seniorweb sind gerade zwei Artikel zur Thematik erschienen: „Die Alten am Steuer ausstoppen“ und „Ältere Autolenker/innen stigmatisieren?“
Es geht um Mobilität im Alter
In einer Zuschrift an Seniorweb weist Daniel Honegger der Firma CLASSIC - Ing. Büro M. Kyburz AG darauf hin, dass es in erster Linie um die Grundsatzfrage geht, wie im Alter die Mobilität erhalten werden kann:
„Mit dieser Fragestellung wird der ältere, erfahrene Verkehrsteilnehmer alleine gelassen. Er erlebt die Abgabe des Fahrausweises als Verlust, als eine Art emotionale Guillotine. Die effektiv gefahrene Anzahl Kilometer der Senioren ist gering. Mancher Über-70-Jährige fährt Auto aus Mangel an Alternativen. Trotz gut ausgebautem öffentlichen Verkehr sind viele Senioren aufgrund eingeschränkter Ausdauer beim Gehen oder infolge der geografischen Lage ihres Wohnorts auf ein individuelles Transportmittel angewiesen.
50 JAHRE UNFALLFREIE FAHRPRAXIS SIND EINE LEISTUNG!
Der Senior muss in seiner umsichtigen Fahrweise während seines Lebens bestärkt werden. Es ist ein Zeichen von positiver Altersweisheit, wenn ein Betagter seinen Fahrausweis freiwillig abgibt. Dies kann man aber nur erwarten, wenn eine sinnvolle Mobilitätsalternative aufgezeigt wird.
ES GIBT EINE ALTERNATIVE FÜR SENIOREN!
Massgeschneidert für ältere Mitmenschen sind verschiedene auf dem Markt erhältliche Fahrzeuge, wie der CLASSIC. Senioren können mit seiner Hilfe die individuelle Mobilität erhalten oder sogar ausbauen. Seniorenfahrzeuge sind übersichtlicher, wendiger und in der Bedienung einfacher als Autos. Sie dürfen auch auf Velowegen gefahren werden, wo meist nur eine geringe Verkehrsdichte herrscht. Dies verleiht dem Fahrer Sicherheit und ermöglicht es, die vollständige Aufmerksamkeit dem Verkehrsgeschehen zu widmen.“
Seniorenfahrzeuge: Wenig Tempo, wenig Reichweite, wenig Komfort
Seniorenfahrzeuge werden von verschiedenen Herstellern angeboten. Die CLASSIC-Fahrzeuge sind In der Regel dreirädrig, haben keinen Witterungsschutz und sind elektrisch angetrieben. Nutzer mit Rückenproblemen beanstanden die fehlende Federung am Vorderrad. Einzig das Modell CLASSIC PLUS ist vierrädrig, verfügt über eine Mini-Karosserie und kann sogar beheizt werden. Alle Fahrzeuge sind Einplätzer, haben eine beschränkte und vom Batterietyp abhängige Reichweite (max. 100 km) und fahren auch nicht besonders schnell. Für Fahrzeuge bis 10 km/h ist kein Führerausweis nötig, für höhere Geschwindigkeiten (20 – 30 km/h) braucht es einen Mofa-Ausweis, den man ohne Prüfung gegen seinen bisherigen Auto-Führerausweis eintauschen kann. Andere Hersteller bieten ausschliesslich vierrädrige Seniorenfahrzeuge an.
Kurz-Interview mit Daniel Honegger, Mobilitätsberater bei der Firma CLASSIC – Ing. Büro M. Kyburz AG:
Seniorweb: Ob Ferrari oder CLASSIC – beide Fahrzeuge bringen Mann oder Frau von A nach B. Dennoch: Ist ein Dreiradfahrzeug ohne Witterungsschutz, mit wenig Komfort, geringer Reichweite und niedrigem Tempo wirklich ein echter Ersatz für ein „ausgewachsenes“ Auto?
Daniel Honegger: Jedes Fahrzeug hat seine Vor- und Nachteile: Sind Sie schon mal aus einem tiefliegenden Sportwagen ausgestiegen? Dies ist alles andere als einfach und praktisch. Die Erfahrung in der Beratung und im Verkauf von Seniorenfahrzeugen zeigt, dass einfache Fahrzeuge mit wenig Schickschnack am meisten gefragt sind. Ein Seniorenfahrzeug ist ein Werkzeug, das einfach und sicher sein muss, denn es soll dem Fahrer oder der Fahrerin dienen.
Senioren-Fahrzeuge sind Einplätzer. Sie sind wohl nur für zerstrittene Paare ideal...?
Im Gegenteil: Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen! Geschichten machen das Leben spannend. Ein Paar hingegen, das nur gemeinsam zuhause sitzt, wird sich schnell auf die Nerven gehen – und auf einem Park-/Garagenplatz haben mehrere Seniorenfahrzeuge Platz. Mit zwei Fahrzeugen sind gemeinsame Fahrten oder individuelle Verrichtungen möglich.
Werden Seniorenfahrzeuge nicht wie Behindertenfahrzeuge als diskriminierend empfunden, weil dann jeder sieht, dass ein Senior oder eine Seniorin am Steuer sitzt?
Muss sich eine Seniorin schämen Seniorin zu sein? Ein Seniorenfahrzeug zu lenken ist doch eine Auszeichnung und beweist: Da fährt ein Mensch, dem die selbständige Mobilität wichtig ist und der für seine Unabhängigkeit einsteht.
Je nach individuellem Geschmack sehen Senioren-Fahrzeuge niedlich oder bieder aus. Weshalb entwickelt Ihre Firma nicht trendige Fahrzeuge, die von den Jungen als „affengeil“ bezeichnet werden?
Funktionalität steht im Zentrum. Die Lebenserfahrung hat Seniorinnen und Senioren gelehrt, sich nicht von kurzlebigem, trendigem Design blenden zu lassen. Das Leben bringt immer Veränderungen: Wie die Fahrzeuge in Zukunft aussehen? Auch da wird es Veränderungen geben!
Sie testen eine Serie mit recht bequem anmutenden Fahrzeugen für die Post. Könnte sich daraus nicht auch ein seniorentaugliches Fahrzeug entwickeln?
Die Geschichte läuft umgekehrt! Die innovative und moderne Technik, die wir Senioren seit Jahren anbieten, haben wir nun auch in ein Zustellfahrzeug eingebaut. In Sachen Elektromobilität sind Senioren den Jungen voraus!
Ob ein tonnenschwerer benzinfressender Offroader oder ob ein simpler, leiser und mit Elektroantrieb fahrender CLASSIC: Mit beidem kann man pendeln, also zur Arbeit fahren. Der Offroader wirkt allerdings als Pendlerfahrzeug ziemlich exotisch. Hat Ihre Firma nie daran gedacht, aufgrund Ihrer Erfahrungen mit Kleinfahrzeugen ein total trendiges Pendlerfahrzeug, das vielleicht max. 45 km/h fährt, zu entwickeln?
Daran denken wir sehr wohl! Elektrofahrzeuge sind als Pendlerfahrzeuge prädestiniert. Für Pendlerstrecken bis 40 km, die eine Person alleine ohne Gepäck fährt, ist ein Offroader kein geeignetes Fahrzeug. Als unabhängige Schweizer Firma ohne grossen Konzern im Hintergrund, dürfen wir jedoch finanziell keine zu grossen Risiken eingehen. Die Betreuung unserer bisherigen Kunden darf unter keinen Umständen gefährdet werden!
Differenzierte Mobilitätsbedürfnisse
Kleinfahrzeuge, wie sie u.a. die Firma CLASSIC Ing. Büro M. Kyburz AG herstellt, sollte man eigentlich weder als Behinderten- und auch nicht als Seniorenfahrzeuge bezeichnen. Sie erfüllen generell die Mobilitätsbedürfnisse von Menschen, die weder Auto, Mofa, Motorrad oder Velo fahren können oder wollen, aus welchen Gründen auch immer und unabhängig vom Alter. Sie sind aber sicher für ältere Menschen, welche nicht mehr mit „normalen“ Fahrzeugen und auch nicht mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs sein können oder wollen, aber dennoch mobil sein wollen, sicher eine prüfenswerte Variante. Der Vorteil dieser in Kleinstserien hergestellten Fahrzeuge liegt darin, dass sie sehr stark auf die individuellen konkreten Mobilitätsbedürfnisse der Käuferinnen und Käufer abgestimmt, d.h. fast à la carte konfiguriert und konstruiert werden können. Wenn es den Herstellerfirmen gelingt, den Fahrzeugen noch ein etwas schöneres Design zu verpassen, könnte das deren Akzeptanz durchaus noch erhöhen. Auch bei den Seniorinnen und Senioren.
Langsamfahrzeuge: Enormes Zukunftspotential
Schon jetzt lässt sich sagen, dass in solchen „verlangsamten“ Fahrzeugen (vor allem in der Version mit Karosserie) ein enormes Zukunftspotential schlummert. Und zwar für den Pendlerverkehr. Für viele Pendler, die keine grossen Distanzen zurücklegen müssen und meistens allein unterwegs sind, wäre es sehr viel sinnvoller, in einem solchen, wenn möglich futuristisch gestyltem, Kleingefährt zur Arbeit zu fahren als in einem grossen benzinfressenden Offroader.
Seniorinnen und Senioren als Pioniere
Tempo 45 genügt völlig, wenn man bedenkt, dass man im Stau oder Schleichverkehr sehr häufig Tempo null oder höchstens Tempo 20 fährt. Diese Pendlerfahrzeuge könnten die enormen Verkehrsprobleme rund um die Städte und in den Innenstädten auf einen Schlag elegant lösen und einen sehr gewichtigen ökologischen Beitrag leisten. Die Vision wäre eigentlich, dass in absehbarer Zukunft nur noch solche Kleinfahrzeuge (auch in zweiplätziger Version) in den Städten zugelassen werden. So betrachtet könnten die jetzt noch als Seniorenfahrzeuge bezeichneten und vielleicht belächelten Vehikel durchaus Pionierfunktion haben. Die Pioniere wären dann die Seniorinnen und Senioren…!
Links:
http://www.seniorweb.ch/type/magazine-story/2010-07-09-aeltere-autolenkerinnen-stigmatisieren
http://www.seniorweb.ch/type/magazine-story/2010-06-24-die-alten-am-steuer-ausstoppen
Bild: CLASSIC Ing. Büro M. Kyburz AG
Mitarbeit: Almut Papkalla
Publizität ist wichtig
Man müsste diese Vehikel wirklich etwas pushen und sie vom Bild des Invalidenfahrzeuges befreien. Ich bin jetzt oft in Diskussion mit Leuten, die etwas abseits wohnen und die sich überlegen, was sie tun können, um sich die eigene Mobilität zu bewahren, nachdem sie den Autoführerschein abgegeben haben.
Ich habe gestern gehört, dass auch der Flyer ein gutes Fahrzeug ist für ältere, leicht gehbehinderte Leute, sofern sie sich damit in den Strassenverkehr wagen, d.h. sofern die Strassen, die sie benützen wollen, nicht allzu verkehrsreich und mit den vielen, für die Velofahrer manchmal etwas schwierig zu handhabenden Kreiseln gespickt sind.