Manchmal, wenn Heilung nicht mehr möglich scheint, ist die Linderung der Beschwerden das einzige mögliche Ziel. Palliative Care umfasst nicht nur die medizinischen Massnahmen der Schmerzlinderung, von denen hier nicht die Rede ist, sondern vielmehr auch alle therapeutischen und betreuenden Massnahmen, besonders in der Altenpflege. Gerade für die Pflege von bettlägerigen Patienten, aber auch für die Betreuung von demenzkranken Menschen ist Palliative Care von grösster Wichtigkeit. Allen Menschen, auch den Schwerstkranken, den Verwirrten und den Hochbetagten einen lebenswerten Alltag zu bieten, nicht nur ihre körperlichen Leiden zu lindern, sondern auch ihren emotionalen und spirituellen Bedürfnissen gerecht zu werden und sie am Lebensende respektvoll und fürsorglich zu begleiten, das alles gehört zu Palliative Care.
Die gerade erschienene TERTIANUM-Zeitschrift Nr. 52 widmet sich diesem Themenkreis unter verschiedenen Gesichtspunkten.
Zur Bedeutung von Palliative Care in der Altenhilfe
Das Institut für Gerontologie und demografische Entwicklung an der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, medizinische Informatik und Technik (Hall in Tirol) widmet sich diesem Problemkreis. Der Leiter dieses Instituts Prof. Dr. Bernd Seeberger erläutert zusammen mit Martin Pallauf die Grundlagen und Themenbereiche. Er weist darauf hin, dass sich alte Menschen wünschen, wenn immer möglich, bis an ihr Lebensende zu Hause zu leben und dort gepflegt zu werden. Darauf haben die Konzepte von Palliative Care Rücksicht zu nehmen, fordert Seeberger und verweist auf internationale Statistiken, laut derer "nur 1,7 % der Sterbenden in Altenhilfe-Institutionen palliativ versorgt werden." Das sei vor allem damit zu begründen, dass "der Ausbildungsstand der Mitarbeitenden keine bessere Versorgung zulässt." Mit Blick auf diese prekäre Ausgangslage zeigen die beiden Autoren die Grundzüge für die Entwicklung einer palliativen Kultur in der Altenpflege auf. Dieses Konzept kann selbstverständlich auch für die Betreuung von Menschen jeglichen Alters dienen, die an chronischen oder unheilbaren Krankheiten dienen.
Ethische Aspekte einer Palliativen Care
"Die ethische Forderung von Palliative Care besteht darin, menschliches Leben in seiner Verletzlichkeit und Endlichkeit zu bejahen", dies der Untertitel des Beitrags von Dr. theol. Heinz Rüegger, wissenschaftlichem Mitarbeiter am Institut Neumünster, der sich seit langem intensiv mit ethischen Fragen rund ums Alter befasst. Er schreibt: "Gerade angesichts von Menschen, deren Leiden nicht mehr heilbar ist und die weitgehend auf Pflege und Betreuung angewiesen sind, hängt alles daran, dass sich die Unterstützung, die ihnen gewährt wird, an der unverlierbaren Würde jedes Menschen orientiert." Weiter lesen wir: "Im Zentrum von Palliative Care steht der leidende Mensch als Subjekt, nicht bloss eine bestimmte Krankheit als Objekt." Dabei darf sich die Betreuung nicht nur auf Lebenserleichterung beschränken, sondern es müssen auch Entscheidungen über Ziele gefällt werden, z.B. lebensverlängernde Massnahmen oder Schmerzlinderung auf dem Weg zum Tod oder die angemessene Verwirklichung des Willens des Patienten u. a. Diese Fragen bedürfen einer sorgfältigen Abwägung aller Umstände im intensiven Gespräch mit allen Beteiligten.
Golf und Demenz
Einen spannenden Beitrag liefert Michael Schmieder, Leiter des innovativen Pflegeheims Sonnweid in Wetzikon. Der Autor beschäftigt sich seit Jahren mit den Voraussetzungen würdevoller Betreuung von sehr alten und demenzkranken Menschen. Schmieder beschreibt ganz konkret, worauf bei einem Menschen mit zunehmender Alzheimer-Krankheit zu achten ist, wie wichtig es ist, ihn nicht blosszustellen, wenn er etwas scheinbar Selbstverständliches vergessen hat. Denn "niemand zeigt freiwillig, was er nicht mehr kann." Nicht nur Vergesslichkeit, auch reduzierte Vorstellungskraft und Erkennensstörungen gehören zum Erscheinungsbild dieser Krankheit, der man nur mit viel Einfühlungsvermögen und Toleranz gerecht wird.
Das Golfspiel nimmt Schmieder als Beispiel für mögliche Gefahren, denn es scheint sehr wahrscheinlich, dass mit der wachsenden Beliebtheit dieses Spiels bei Senioren auch Menschen auf dem Green zu finden sind, die an den Anfangssymptomen einer Demenz leiden. Wie man diese Menschen in das Spiel einbeziehen kann, erklärt Schmieder im Einzelnen. Und was für Golf gilt, kann sicher auch auf andere Arten von Spielen übertragen werden.
Tiere als Partner
"Die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier ist seit der Frühgeschichte und durch Mythen und Erzählungen belegt." Prof. Dr. Helmut Bachmaier, Wissenschaftlicher Direktor der TERTIANUM AG und Herausgeber der Zeitschrift, führt uns anhand anschaulicher Beispiele und Anekdoten mit Mensch und Tier durch die Kulturgeschichte und erläutert das Verhältnis des Menschen zum Tier in der Geschichte der Philosophie. "Besonders wird in ethischen Diskursen der Philosophie die Verantwortung und die Schutz- und Fürsorgepflicht des Menschen gegenüber den Tieren begründet, so dass Tierethik unmittelbar zu einer Ethik des Tierhalters wird." Später sagt Bachmaier: "Unser Umgang mit Tieren lässt auch Rückschlüsse auf unseren Umgang mit Menschen zu."
Bemerkenswert ist die Bindung, die sich zwischen Mensch und Tier entwickelt. Tiere können Vereinsamung verhindern, tragen zur Strukturierung des Alltags bei und geben dem Menschen eine verantwortungsvolle Aufgabe, nämlich für das Tier artgerecht zu sorgen. Zahlreiche Untersuchungen haben festgestellt, dass Tiere dadurch zur Förderung der Lebensqualität alter Menschen beitragen.
"Therapie-Hunde", in der Betreuung von alten oder kranken Menschen eingesetzt, sind seit ca. 15 Jahren in der Schweiz immer bekannter geworden. Diese Hunde begleiten die Therapeutin, den Therapeuten bei ihren Krankenbesuchen. Im Streichelkontakt mit solchen speziell trainierten Hunden können sich u. a. Verkrampfungen lösen, die Atmung regelmässiger und tiefer werden, sogar depressive Stimmungen können sich aufhellen. "Das Ziel dieser wedelnden Hilfstherapeuten ist, die Lebensfreude bei den Patienten zu steigern."
Sonntagsüberraschung
Wann haben Sie zum letzten Mal einen Brief von Hand geschrieben? Kurt Aeschbacher erzählt uns in heiteren Worten, wie gern er selbst Briefe schreibt und warum. Diesmal wird er dabei aber unterbrochen durch den unerwarteten Besuch seiner fast 90-jährigen Mutter und ihrer Freundin, 97 Jahre alt. Der unbeschwerte Schwung der beiden alten Damen regt Aeschbacher an, darüber nachzudenken, wie wichtig es ist, den Alltag selbst zu gestalten und nicht darauf zu warten, dass die anderen die Initiative ergreifen. "Wenn die Jahre ins Land ziehen, wird die Zeit wertvoll. Und wertvolle Zeit ist gemeinsame Zeit. Gemeinsam geschieht aber nie, wenn man einfach bloss wartet, sondern dazu muss man sich auch immer wieder anstrengen." Ein solcher Anstoss kann zu weiteren vergnüglichen Taten führen. Alles Weitere lesen Sie in Kurt Aeschbachers Kolumne.
Die besprochenen Beiträge finden Sie unten im Anhang.
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