21.04.2016 - Eva Caflisch

Alte helfen Alten - eine Wachstumsbranche

Der Verein Senioren für Senioren in Zollikon ist das Schaltzentrum für Dienstleistungen aller Art

Senioren für Senioren SfS vermittelt Freiwillige für Dienstleistungen aller Art. Sehr beliebt sind Fahrdienste, aber auch Kleinreparaturen wie Lampen aufhängen, Gartenarbeiten, E-Mail-Adresse einrichten, aber auch Hilfe beim Einkaufen oder beim Erstellen der Steuererklärung. Senioren für Senioren gibt es in immer mehr Gemeinden in der Schweiz, meist als Verein organisiert, d.h. Mitglieder helfen Mitgliedern. SfS-Vereine  im Fricktal, im Baselbiet, in und um Zürich sind besonders gut vernetzt.

Mehr als zwanzig Jahre sind vergangen, seit ältere Einwohner von Zollikon und dem Zollikerberg einen Verein Senioren für Senioren gründeten. Bei der letzten Mitgliederversammlung erschienen mit knapp hundert Mitgliedern immerhin rund zwanzig Prozent, verglichen mit der Gemeindeversammlung eine dort nie erreichbare Quote.

 versammlungMusik von Cellist Peter Grümmer zur Einstimmung der Versammlung 2016 im Zolliker Gemeindesaal

Im vergangenen Jahr kamen rund 4000 Stunden zusammen, dazu haben zwanzig Seniorinnen und Senioren bei Generationen im Klassenzimmer insgesamt 1770 Lektionen mitgemacht. Mit dem gigantischen Aufwand der Freiwilligen im Vorstand und der vier Frauen in der Vermittlung kommen im ganzen 8000 Stunden zusammen. Ganz gratis arbeiten Freiwillige bei SfS nicht, für jeden Einsatz gibt es ein bescheidenes Honorar. Das wertet die Dienstleistung auf, aber sie bleibt weit unter dem Tarif jeder professionellen Organisation. Selbstverständlich sind alle Beteiligten, Geberinnen und Nehmer, Vereinsmitglieder. SfS will keine Konkurrenz für Spitex oder andere Dienste in der Gemeinde sein, die Abgrenzung klappt meist problemlos: Wenn jemand regelmässig Pflege und Betreuung nach einer Operation braucht, ist das Sache der Spitex, den Fahrdienst für Arztbesuche dagegen übernimmt SfS in Kooperation mit der Spitex. Nebst den vermittelten Dienstleistungen gibt es auch gesellschaftliche Anlässe, nämlich einen regelmässigen Mittagstisch in der Residenz Neumünsterpark und das beliebte offene Singen mit Musiklehrerin Betti Hildebrandt im Pflegeheim Magnolia, beide auf dem Zollikerberg.SfSZo DienstePowerpoint-Folie zeigt mit Humor die Statistik der freiwillig geleisteten Stunden im Vorjahr

Aber zurück zur Mitgliederversammlung. Zunächst kommt es zu vielfacher freundlicher Begrüssung – manche kennen sich gut, manche sehen sich alljährlich einmal bei der Versammlung, dann bekommen alle ein Namenstäfelchen, was die Kommunikation entschieden erleichtert. Nach kurzer Begrüssung durch Präsident Peter Ewert wird die Versammlung musikalisch eingestimmt.

Die statutarischen Geschäfte samt Neuwahlen werden rasch durchgewinkt, teils mit Akklamation, wie es sich für einen Verein gehört, auf den eine Plauderstunde mit Apéro wartet, und der mit der Arbeit seines Vorstands grundsätzlich zufrieden ist.

danke folieSenioren für Senioren ist Geben und Nehmen: Wer geholfen hat, wird irgendwann selbst Hilfe brauchen

Die Rechnung schliesst nach Rückstellungen für neue EDV-Aufgaben bei einer Bilanzsumme von über 40'000 Franken mit einem winzigen Minus von 45 Franken, was unter anderem auf grosszügige Spenden zurückgeht, die vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig sind.

Wie immer hat der Präsident eine Powerpoint-Präsentation mit liebevollen und informativen Bildern gestaltet, unter anderen zur Neuordnung im Fahrdienst: Ein verwegener Fahrer mit Schiebermütze sitzt da am Steuer. Neu endet die Fahrerei mit dem 80. Geburtstag, sofern der Ausweis nicht schon vorher abgegeben werden muss, wer will, kann alle zwei Jahre mit einem Fahrlehrer einen Test auf der Strasse absolvieren, aber mit 85 muss endgültig Schluss sein. Auch da sind alle Anwesenden einverstanden, schliesslich will man sich nicht unnötig gefährden, wenn man ein Fährtchen zum Arzt oder eine Fahrt zum Hauptbahnhof braucht.

autosenior Gebrechliche alte Menschen zu ihren Zielen zu fahren, ist ein verantwortungsvoller Dienst

Eine vom Vorstand manipulierte Herde ist der Verein SfS in Zollikon allerdings beileibe nicht! Bei der vorgeschlagenen Statutenrevision regt sich massive Opposition, juristisch formuliert geht es um Einschränkungen von Mitgliederrechten, konkret soll der Vorstand die Kompetenz bekommen, Mitglieder unwiderruflich ausschliessen können. Da hilft es nicht, dass Vizepräsident und Jurist Dieter Grauer versichert, man werde ganz gewiss „Augenmass halten“. Bislang kam es ab und zu vor, dass der Mitgliederbeitrag nicht mehr gezahlt worden war, beispielsweise weil die Finanzen von Nachkommen verwaltet wurden, oder jemand ins Pflegeheim eintrat. Wenn dann doch eine Autofahrt nötig wurde, handelten die Vermittlerinnen eben mit Augenmass, forderten Zahlung des Jahresbeitrags und schickten einen Fahrer mit Auto vorbei. Das wäre nach einem juristisch niet- und nagelfesten Ausschluss nicht möglich, fürchteten diverse Rednerinnen und Redner. Der Vorstand trug's mit Fassung, dass die Statuten auch kommendes Jahr auf den Tisch kommen.

vermittlerinnen Heidi Wuhrmann, Jeannette Brumann, Lilo Weber, Ruth Aeschbacher (v.l.n.r.)Herz oder Schaltzentrale der Organisation: Heidi Wuhrmann, Jeannette Brumann, Lilo Weber, Ruth Aeschbacher (v.l.n.r.) wechseln sich als Vermittlerinnen wöchentlich ab

Bis dann sollte das neue IT-Projekt die Vermittlung massiv erleichtern. Bis 2008 gab es noch regelrechte Karteikarten – rote für Nehmer, blaue für Geber, danach eine elektronische Lösung mit einer Tabelle, wobei der Stick mit den Daten jeweils von Vermittlerin zu Vermittlerin gebracht wurde. Heute ist alles auf einem Server, aber die Kapazitätsgrenzen sind erreicht, eine neue Software wird getestet. Vorstandsmitglied und IT-Profi Hans von Mandach schwebt auch Ersatz für die Computeria-Kurse vor: „Ich ziehe Sprechstunden und einen regelmässigen IT-Stamm zu einem bestimmten Thema vor.“ Darauf freuen sich beim Apéro einige, denn in Kursen bestimmten die Erfahrenen das Tempo, so dass man selber am Ende nichts davon habe.

In der ganzen Schweiz gibt es zahlreiche ähnlich funktionierende Organisationen, meist weiss die regionale Pro Senectute Bescheid. Auch die Suchmaschine im Internet hilft weiter.

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