12.08.2017 - Josef Ritler

Besuch in der Festung San Gottardo

Jahrzehntelang war die Festung San Gottardo geheim. Heute kann man das geschichtsträchtige Bollwerk auf dem Gotthardpass besuchen.

Kein Pulverdampf und Kanonendonner empfängt den Besucher. Seit 1945 wird nicht mehr geschossen. In der historischen Festung auf der Wegscheide in den Süden hängt das Bild von General Henri Guisan und erinnert daran, dass sich die Schweiz im Zweiten Weltkrieg gegen mögliche Feinde gerüstet hat und zum Glück vom Krieg verschont geblieben ist.

Die Besucher werden von Laura Merki durch die kilometerlangen Stollen geführt

Das Artilleriewerk «Sasso da Pigna» wurde zwischen 1941 und 1945 gebaut. Es war Teil des Réduit-Plans von 1940. Bis zu 420 Mann fanden in der Festung Platz. 2001 wurde sie vom Bundesrat aus der Geheimhaltung entlassen. Seither strömen Besucher aus aller Welt auf den Gotthard und wollen die Festung sehen.

Die Kasse steht vor dem imposanten Granitberg, der Eintritt kostet 35 Franken. Der Eingang verrät nichts, was im Innern des Berges schlummert. „Gehen sie 300 Meter hinein, dann werden sie empfangen und können sich ein Getränk kaufen“, sagt die Kassierin.

Die unterirdische Anlage der Festung San Gottardo

Auf dem schnurgeraden Weg durch den Stollen hat man genug Zeit, über die früheren Zeiten nachzudenken. Während des Zweiten Weltkrieges kontrollierten und schützten die Truppen in der STRENG GEHEIMEN Gotthardfestung die Verkehrswege und Landesgrenzen, unterdessen kämpfte die Tessiner Bevölkerung mit den Folgen der Lebensmittelknappheit. Die Rationierung von Nahrungsmitteln liess einen grossen Schwarzmarkt entstehen, der mit Schmuggelgut aus Italien gefördert wurde.

Im Café wird man von Laura Merki mit einem Funkgerät ausgerüstet und für einen geführten Rundgang empfangen. Sie ist eine von einem Dutzend Mitarbeitenden.

Bei einem nachgebildeten Soldaten erfährt man über die Schwierigkeiten der Bauarbeiten, die zwei Tote und sechs Verletzte gefordert hatten. 1940 habe man entschieden, die Festung zu bauen. Am 12. Dezember 1944 war die gesamte Anlagen fertig und schussbereit.

Weiter geht es zur unterirdischen „Metro del Sasso“, die zur oberen Etage führt. Dort hat man unter anderem Einblick in die Schlafräume, die Waschanlage, das Munitionsmagazin und die Feuerleitstelle. Hier hingen hochgeheime Pläne und von hier aus wurden die Einsätze koordiniert.

Laura Merki erklärt die 15-cm-Kanone, die Richtung Süden gerichtet ist

Imposant ist die Richtung Süden gerichtete 15-cm-Kanone, die auch von aussen besichtigt werden kann. Von einer durch einen Stollen erreichbaren Plattform hat man eine überraschende Aussicht auf den Gotthardpass.

Gezeigt wird auch das Urteil des Militärstrafgerichts, das im Jahre 1944 Kurt Johann Roos aus Zug zum Tode durch Erschiessen verurteilt hat. Der Spion hatte Geheimnisse verraten.

Rückfahrt mit der Metro und im unteren Bereich die grosse Ueberraschung.

Franz von Arx und Elio Müller hatten im Jahre 2008 in einer Kluft, 60 Meter im Innern eines Berges auf der Göscheneralp im Kanton Uri, einen 3 auf 3 Meter grossen und 1.5 Tonnen schweren Einzelkristall gefunden. In den letzten 400 Jahren wurde in den Alpen nichts Vergleichbares gefunden. Die Kristallgruppe steht nun tief im Innern der Festung in einer raffiniert ausgeleuchteten Kaverne. Hier war früher der Krankenraum.

Der 1.5 Tonnen schwere Bergkristall in der Festung

In einem zweiten Teil der neuen Ausstellung wird ein wiederentdecktes Kunsthandwerk gezeigt: das Schleifen und Bearbeiten von Kristallen zu edlem Schmuck. Ringe und Schmuckketten werden aus erstklassigen Bergkristallen aus dem Kanton Uri geschliffen. Die neuen Werke werden in der Wunderkammer ausgestellt.

Fotos: Josef Ritler

Bildergalerie

 Eingang

 General Henri Guisan

 
 
Gewehrständer
 
Metro
  
Kanonenrohr
  
Gotthardpass
  
 Südseite
  
 Laura Merki zeigt Geheimkarte
 
Feuerleitstelle
  
Frühere Telefone
  
 Spion-Urteil
   
   Der Autor Josef Ritler im Stollen
  
 Der Eingang zur Wunderwelt
 
Austellung Kristallverarbeitung

Link zur Festung:

https://www.sasso-sangottardo.ch

Links zu Filmen über die Festung San Gottardo und die damalige Zeit

https://www.youtube.com/watch?v=cpDIrU1IM7w

https://www.youtube.com/watch?v=ODkF1tdUR6w

https://www.youtube.com/watch?v=MyKp5m86_X4

 

 

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