18.06.2017 - Fritz Vollenweider

Die Freimaurer

Die Begegnung mit den Freimaurern als Geheimbund weckte immer wieder Misstrauen. Die Ausstellung im Historischen Museum Bern will Irrtümer aufklären. 

Wie manchen anderen mehr oder weniger geheimen Verbindungen haftet auch an der Bruderschaft der Freimaurer ein fragwürdiger Geruch von Geheimnis. Es ist allerdings immer wieder so: Je grösser der Umfang eines Geheimnisses und die Bedeutung, die man ihm zumisst, umso stärker wachsen die Spekulationen um alles, was dahinter stehen könnte, um ihre wahren Absichten und ihre heimlichen Zwecke. Damit hatte die Freimaurerei immer wieder zu kämpfen, stärker oder schwächer, je nach den Wechselwirkungen mit der offenen Gesellschaft, in welchen die Bruderschaften sich, historisch bedingt, gerade befanden.

Wie alle Handwerker-Innungen und ähnliche berufsbezogene Zusammenschlüsse, die in den Zeiten der ständischen Gesellschaften entstanden, haben auch die Freimaurer ihren Ursprung in der Einrichtung der sogenannten Bauhütten, zum Beispiel und vorwiegend der Münsterbauhütten im Mittelalter. Anfänglich waren sie noch am ehesten mit den noch heute uniformiert auf der Walz sich befindenden Zimmerleuten zu vergleichen. War es die Nähe zur katholischen Kirche, war es der Eindruck der aufstrebenden Gotik, welche die Grundlagen schufen, dass im Zeitalter der Aufklärung die Innungen der Münsterbauhütten, von der Sache her auch religiös und geistig bestimmt, aus dem rein Berufsständigen herauswuchsen? Die Ideale der Aufklärung entwickelten sich zur Hauptsache, während das Handwerkliche bald nur noch in den maurerischen Symbolen weiter gepflegt wird: Sichel, Winkelschiene, Lot und andere.

    Freimaurerteppich (Tapis), 19. Jahrhundert, Bern, Loge zur Hoffnung. Rechts: Interviews mit Freimaurern aus Bern. © Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto Christine Moor

Bedeutend wurden mit der Zeit der Aufklärung die humanistischen Ideale. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit werden hochgehalten. Gekrönte und wissenschaftlich oder als Künstler anerkannte Häupter, die sich für diese Sache einsetzten, wurden Mitglieder und bestimmten den Gang der Logen, wie sowohl Orte wie die Gemeinschaft der Versammelten genannt werden.

Dass, wie bereits erwähnt, aufgrund der hochgehaltenen Geheimnisse bald auch Misstrauen gegenüber dem Geheimbund einsetzte, ist nicht weiter verwunderlich. Was noch bei Mozart (auch Logenmitglied) „Sei standhaft, duldsam und verschwiegen“ tönt, wurde neben anderem des Drängens nach Weltherrschaft und nach persönlicher Bereicherung verdächtigt.

Es ist ein Glücksfall, dass die Freimaurerloge zur Hoffnung in Bern und das Bernische Historische Museum sich als Partner für die Ausstellung gefunden haben. Gleichgültig, von welcher Seite der Impuls zu dieser Zusammenarbeit erfolgt ist, es ist offenbar vor allem der Loge ein Anliegen, heute die meisten Vorurteile und Irrtümer auszuräumen. Zwar – was man durchaus teilweise auch bedauern mag – ist keine Rede davon, alle Schleier über den Geheimnissen zu lüften. Doch immerhin werden Strukturen überschaubar; das Verständnis für die die Geschichte und die Anliegen der Freimaurerei wird erleichtert; der negative Anruch vom Ganzen wird verflüchtigt. In vier Interviews mit Logenangehörigen vernimmt man wertvolle Informationen über die Berner und alle Freimaurer.

Die Ausstellung trägt den Titel „Top Secret – Die Freimaurer“ Deren Gliederung folgt den hauptsächlichsten Vorurteilen und vermag sie weitgehend zu entkräften. Immer wieder sind interaktive Elemente einer auflockernden Begegnung mit dem Stoff dienlich. Verschiedene Variationen der geschichtlichen Entwicklung, so etwa die anfänglich abgelehnte Mitgliedschaft der Frauen, die heute in Frauenlogen ihren anerkannten Platz finden, werden offenbart.

Blick in die Ausstellung «Top Secret – Die Freimaurer» im Bernischen Historischen Museum; vom 15. Juni bis 3. September 2017 bietet sie ungewohnte Einblicke in eine fremde Welt. © Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto Christine Moor

Die Ausstattung des Tempels der Berner Freimaurerloge zur Hoffnung © Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto Christine Moor

Die Ausstellung ist offen bis 3. September 2017

Zur Ausstellung

Loge zur Hoffnung Bern

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