15.06.2017 - Redaktion Seniorweb

Erst ab 75 zum Fahrtüchtigkeits-Test

Der Zürcher Senioren und Rentnerverband ZRV spricht sich für die Erhöhung des Alters für die Fahrtüchtigkeits-Prüfung von 70 auf 75 Jahre aus.

Von Dr. med. H.U.Kull, Küsnacht, Vorstandsmitglied ZRV

Der ZRV ist aber der Ansicht, dass die Überprüfung weit effektiver und umfassender sein sollte. Gefälligkeitsprüfungen, wie sie immer noch vorkommen, sollen der Vergangenheit angehören. Dem Verband gehören 1000 Einzel-und rund 10`000 Kollektivmitglieder an.

In seiner Mitteilung erinnert der ZRV daran, dass alles zwei Seiten hat – so auch die Frage, ob die Fahrtauglichkeitsprüfung alle 2 Jahre wie bisher ab dem 70. Altersjahr oder erst ab Alter 75 vorgeschrieben sein sollte. Der Nationalrat hat sich am 13. Juni als erste Kammer dafür entschieden, das Limit um 5 Jahre hinaufzusetzen. Auch der Ständerat hat einer entsprechenden parlamentarischen Initiative von NR Maximilian Reimann zugestimmt, der endgültige Entscheid dieser Kammer steht noch aus.

Geteilte Meinungen der Fachleute

Die Meinungen der Fachleute sind geteilt, ab wann der medizinische Fahrtest verlangt werden soll. Verkehrsmediziner (vor allem auch der Experte Rolf Seeger) kritisieren eine Neuregelung und begründen dies mit einer deutlichen Zunahme von Demenzerkrankungen und Beeinträchtigungen des Sehvermögens bereits ab dem 70.Altersjahr. Auf die Selbstverantwortung der Autofahrer könne man nicht zählen, und deshalb sei die Sicherheit auf der Strasse gefährdet.

Die Befürworter einer Neuregelung (Fahrtauglichkeit erst ab dem 75.Lebensjahr) weisen hingegen auf die verbesserte Gesundheit und die höhere Lebenserwartung der Frühpensionierten hin. Sie machen auch geltend, dass in allen umliegenden Ländern überhaupt keine entsprechende Fahrtauglichkeitsprüfung verlangt werde. Eine medizinische Untersuchung durch den Hausarzt ab dem 70. Altersjahr bringe wenig, auch wenn diese seit Juli 2016 optimiert wurde. So werden Hirnleistungsstörungen früher entdeckt (z.B. mittels „Uhrentest“), und chronische Gesundheitsbeeinträchtigungen (z.B. Diabetes, Blutdruck- und Herzrhythmusstörungen) werden genauer erfasst.

Die verkehrsmedizinischen Abklärungen dürfen neu nur von Hausärzten durchgeführt werden, die dazu eine behördliche Anerkennung erhalten haben (nach speziellem Kursbesuch oder nachgewiesenem Selbststudium). Diese behördliche Anerkennung gilt dann nicht mehr nur kantonal, sondern gesamtschweizerisch. Zudem hat der untersuchende Arzt in fraglichen Fällen die Möglichkeit, die definitive Beurteilung an Spezialinstitutionen oder an die Strassenverkehrsämter zu delegieren (z.B. praktischer Fahrtest). Schliesslich gibt es auch die Möglichkeit, die attestierte Fahrtauglichkeit wenn nötig örtlich und zeitlich einzuschränken. Durch alle diese Massnahmen sollten auch „Gefälligkeitsbescheinigungen“ durch den Hausarzt vermieden werden können.

Bei 70 lohnt sich Aufwand nicht

Trotz all dieser Verbesserungen wird der Nutzen einer früheren Fahrtauglichkeitsprüfung alle 2 Jahre von der Mehrheit der Ärzteschaft angezweifelt, denn bei 70-Jährigen lohne sich der Aufwand zeitlich und aus Kostengründen noch nicht. Es handle sich zudem um eine reine „Momentaufnahme“, und für spezielle Fragestellungen (Linsentrübung, Augendruck, spezielle Herzprobleme) sei der Spezialarzt zuständig. Die Alterslimite sei deshalb richtigerweise auf 75 Jahre hinaufzusetzen, die Sicherheit auf der Strasse würde dadurch nicht beeinträchtigt werden. Dies ist die offizielle Meinung des „Verbandes Hausärzte Schweiz“. Der Zürcher Senioren- und Rentnerverband ZRV schliesst sich dieser Meinung an.

 

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