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16.06.2017 - Bernadette Reichlin

Gartenarbeit – Lust statt Last

Der Garten im Juni. Jetzt ist es Zeit, es sich im Liegestuhl mit etwas Lesestoff oder mit gar nichts gemütlich zu machen. Giessen, aufbinden, abschneiden und jäten kann warten.

"Der Garten macht uns jedes Jahr etwas mehr zu schaffen!" Solche Stossseufzer von Personen, die zwar mit Begeisterung gärtnern, denen aber die Arbeit doch langsam etwas zu viel wird, sind gar nicht so selten. Wer älter wird, der muss vieles etwas langsamer angehen. Sonst wird aus der Lust am Garten eine Last.

Flockenblumen sind dekorativ, pflegeleicht und kommen jedes Jahr wieder.

Die "faulen" Gärtner

Und weil es nichts Neues unter der Sonne gibt, haben das jetzt auch die grünen Trendsetter entdeckt und propagieren das Lazy Gardening. In der Ausgabe der Sonntagszeitung vom 11.Juni wird auf einer ganzen Seite für ein entspanntes Gärtnern geworben. Das heisst, vor allem wachsen lassen und geniessen.

Wer jetzt den Kopf schüttelt und an all die anstehenden Gartenarbeiten denkt, der ist einfach noch etwas zu wenig lazy, sprich faul. Und riskiert, dass ihm der Garten über den Kopf wächst. Nicht bildlich natürlich, denn mit jäten, schneiden, zurückbinden und vielem mehr kann das ja gar nicht passieren. Aber kräftemässig. Damit das nicht geschieht, hier ein paar wenige Gedankenanstösse:

1. Wer sagt denn, dass ein Garten über all die Jahre immer gleich aussehen muss? Hier das Rosenbeet, dort die Dahlien und Gladiolen. Die Sträucher ordentlich geschnitten, der Rasen ebenfalls.

Wer sich auf möglichst unserem Klima angepasste Stauden wie Phlox, Strauchmargeriten, Sonnenbraut, Mohn oder Salbei beschränkt, kann sich das mühsame Setzen von Knollen und Zwiebeln im Frühling, das Aufbinden der schweren Blütenköpfe und das Ausgraben im Herbst sparen. Viele Stauden sind winterhart, brauchen im Herbst nicht mal geschnitten zu werden und treiben jedes Frühjahr willig wieder aus.

Abschneiden, einstellen, verschenken

Sträucher können lustvoll dann geschnitten werden, dann wenn sie blühen. Man freut sich am Blühen in der Vase und verschenkt ganze Arme voller Blütenzweige. Später muss dann nur noch etwas nachgeschnitten werden.

2. Moderne Technik erleichtert vieles. Einen Rasenroboter installieren zu lassen, fällt vielleicht nicht ganz leicht – Bewegung ist doch so gesund! – aber wenn dann das Ding zuverlässig Tag für Tag über den Rasen wieselt, bleibt doch viel Zeit für andere, vielleicht lustvollere Gartenarbeiten. Um die Rasenkanten zu schneiden, gibt es übrigens handliche Elektrogeräte, die sogar das Bücken überflüssig machen.

Eine Blumenwiese gibt viel weniger Arbeit als ein Rasen.

Und überhaupt: Wenn keine Kinder mehr barfuss herumrspringen, kann ein Rasen auch mal etwas verwildern. Gänseblümchen, Scharbockskraut, Steinklee und Kriechender Günsel verwandeln den Rasen im Nu in eine Blumenwiese. Und wenn im Frühjahr noch Schlüsselblumen dazu kommen, wird dem sterilen "optischen Grün" vielleicht gar nicht mehr so nachgetrauert.

Effizienz im Gemüsegarten

3. Den Gemüsegarten aufgeben? Nie und nimmer! Diese Ansicht vertreten viele, ich auch. Denn auf erntefrische Salate, sonnenwarme Tomaten, Gurken, die nach Gurken schmecken und duftende Kräuter möchte man nicht verzichten. Aber reduziert werden könnte die Gemüseauswahl ohne Weiteres, besonders wenn das Bücken zunehmend schwer fällt.

Sellerie, Lauch und Kohl, also alles, was unter den Begriff Lagergemüse fällt, muss doch nicht zwingend selber angebaut und später gelagert werden. Da bestückt man die leer werdenden Beete doch lieber mit einige Kürbispflanzen. Die breiten sich schnell aus und für Kürbis findet man im Herbst überall Abnehmer.

Wer Kürbis wachsen lässt, hat keine Problem mit leeren Flächen im Gemüsegarten.

4. Auf die herkömmliche Bodenpflege wie umgraben und tief hacken im Gemüsegarten kann getrost verzichtet werden. Eigentlich liegt es ja auf der Hand: Die Humusschicht ist ein lebendiges, artenreiches Biotop. Da gibt es Kleinstlebewesen an der Oberfläche, die Luft und Licht lieben, andere dagegen fühlen sich in den tieferen Schichten wohl. Wer umgräbt, kehrt das Unterste zuoberst und umgekehrt und bringt damit all die gewachsenen Strukturen durcheinander.

Schutz und Nährstoffnachschub

Wer den Boden aber sich selbst überlässt, ihn nur vor zuviel Hitze, Kälte, Nässe oder Trockenheit schützt, erhält eine wunderbar krümelige Humusschicht. Wie das geht? Mit Mulchen. Das heisst, jede freie Fläche wird mit organischem Material wie Grasschnitt, Häckselgut oder abgeschnittenem Laub von Stauden und Sträuchern bedeckt. Das sieht nicht so ordentlich aus wie ein sauber gejätetes Beet, ist aber viel natürlicher – man denke nur an einen Waldboden.

Kleine Helfer

5. Wer auf Rosen nicht verzichten mag, sollte nicht bei der ersten Blattlaus schon zum Spritzmittel greifen. So sind nämlich bald einmal Marienkäfer zur Stelle und rücken den saugenden Biestern zu Leibe. Wer dann etwas komisch ausehende Viecher mit Beinchen und einem orangefarbenen Gürtel findet, kann erleichtert aufatmen: Das sind Marienkäfer-Larven und die sind fast noch hungriger als ihre gepunkteten Verwandten.

Gartenarbeit kann beglückend sein, Spass machen und zur körperlichen Fitness beitragen. Eine Last aber sollte sie nie sein. Gerade an heissen Sommertagen sollte der Liegestuhl oder der Gartentisch unter einem Baum der bevorzugte Aufenthaltsort sein. Ein Garten ist doch zum Geniessen da. Das sollte man sich immer wieder vor Augen halten.

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