05.12.2017 - Bernadette Reichlin

Haaaaatschi! – Gesundheit!

Frieren und kalte Füsse sind schuld an einer Erkältung. Das wussten schon unsere Mütter und Grossmütter. Stimmt das wirklich? Hausmittelchen und Ammenmärchen.

Zuerst die Fakten: Schnupfen kann auch bei schönstem Sommerwetter auftreten. Denn das Rhinovirus – der häufigste Erreger – wandert nicht über die nassen Schuhe in den Körper, es wird durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Also durch die Luft in Räumen mit vielen Menschen, durch Niesen oder durch kontaminierte Türfallen, Fernbedienungen oder Haltegriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder durch die Klimaanlage im Flugzeug.

Kalt allein macht keine Erkältung

Und weshalb heisst es dann "Erkältung"? Fest steht, dass Kälte allein keinen Schnupfen auslöst. In der Arktis und der Antarktis können die Forschenden noch so sehr frieren, wenn niemand das Rhinovirus einschleppt, erkälten sie sich nicht. Zumal die meisten Viren bei arktischen Temperaturen selber eine Schnupfen und mehr bekommen.

Mit Lindenblüten- oder Holundertee geht es den Schnupfenviren an den Kragen. Thymiantee wirkt zudem schleimlösend und Ingwertee stäkt ganz allgemein die Abwehrkräfte. Da haben die bösen Viren (unten) gar nichts mehr zu lachen.

Und doch ist der Rat, den Mütter ihren Kindern seit Generation erteilen – "Zieh dich warm an, sonst kriegst du einen Schnupfen" – nicht falsch. Denn Frieren bedeutet Stress für das menschliche Immunsystem. Bei Kälte sind auch die Schleimhäute in der Nase weniger gut durchblutet. In der warmen Wohnung trocknen sie zudem aus und werden damit anfälliger für eine Virenattacke.

Nasen warm halten!

Forscher haben auch festgestellt, dass sich Erkältungsviren in durch die Umgebungstemperatur abgekühlten Nasen leichter vermehren, respektive bei knapp 37 Grad (normaler) Körpertemperatur mehr zu kämpfen haben gegen die menschliche Immunabwehr. Stellt sich nur die Frage, weshalb man zu Kappe und Schal nicht schon längst einen Nasenwärmer trägt.

Wer Schnupfen hat, der bekommt bald von überall her gute Ratschläge. Nicht alle sind medizinisch belegbar:

Abwarten und Tee trinken

Bei Schnupfen sollte man im Bett bleiben und Tee trinken. Viel trinken hilft tatsächlich, werden dadurch doch auch die Schleimhäute befeuchtet. Schleimlösende Zusätze wie Holunderblüten, Thymian oder Lindenblüten helfen zusätzlich und wer mit Honig süsst, tut sich etwas Gutes. Allerdings sollte der Honig nicht in den siedend heissen Tee eingerührt werden, sonst verliert er seine entzündungshemmende Wirkung. Aber Bettruhe ist bei einem normalen Schnupfen nicht nötig. Ein Spaziergang an der frischen – auch kalten – Luft regt die körpereigenen Heilungskräfte an.

Alkohol killt alle Viren

Ein steifer Grog oder ein "gehaltvoller" Punsch macht jedem Schnupfen den Garaus, sagt sich manch harter Mann. Stimmt so leider nicht. Alkohol belastet den Körper und schwächt das Immunsystem zusätzlich. Warmes Bier wird zwar als altes Hausmittel empfohlen, weil Hopfen heilende ätherische Öle enthält. Nur eben auch Alkohol. Wer allerdings nach einem "Glühbier" oder Glühwein die ganze Nacht selig schlafen kann, senkt damit seinen Stresspegel und trägt so zur Gesundung bei. Und ausreichend Schlaf stärkt die Abwehrkräfte.

Ausschwitzen oder einnehmen

Eine Erkältung in der Sauna oder beim Sport "rausschwitzen" ist gar nicht zu empfehlen. Wer erkältet ist, sollte seinen Körper nicht zusätzlich belasten. Als Präventivmassnahmen aber sind Sauna und Sport natürlich erlaubt.

Auch wenn neuste Forschungen das Vitamin C als Mittel gegen Erkältung ins Reich der Ammenmärchen verweisen, steht dennoch fest: Gesundes Essen mit viel Früchten und Gemüse stärkt die Immunabwehr.

Dass viel Vitamin C jede Erkältung vertreibt, wird seit Neustem ins Reich der Ammenmärchen verwiesen. Vitamin D soll der neue Gesundmacher sein, weil damit die natürlichen Abwehrkräfte gestärkt und Viren, Pilze und Bakterien abgewehrt werden. Eindeutig belegt ist diese Methode allerdings nicht, gehört also vielleicht auch ins Reich der omnipotenten Vitaminmythen. Aber falsch machen kann man trotzdem nicht viel: Im Alter sollte die regelmässige Einnahme eines Vitamin-D-Präparates ohnehin fast schon Pflicht sein, auch ohne Erkältungsgefahr.

Alt bewährt, neu entdeckt

Ein vielfach etwas belächeltes, aber uraltes Hausmittel ist die Hühnersuppe. Weshalb sie wirklich hilft, ist noch nicht abschliessend geklärt. Soviel aber haben Forscher der Universität Nebraska festgestellt: Eine Suppe aus einem Huhn, Zwiebeln, Knoblauch, Sellerie, Karotten und Petersilie, ergänzt durch Reis oder Kartoffeln blockiert im Körper die für die Entzündungsprozesse mitverantwortlichen weissen Blutkörperchen, die Neutrophilen. Diese Biester werden bei Virusinfektionen in grossen Mengen freigesetzt und lösen viele der unangenehmen Begleiterscheinungen eines Schnupfens aus.

Weiter wurde festgestellt, dass das im Hühnerfleisch enthaltene Carnosin die Immunabwehr stärkt und die heisse Suppe bekämpft die Rhinoviren und befeuchtet mit ihrem Dampf die Atemwege. Und gut schmeckt so eine Suppe auch noch, was wiederum dem Wohlbefinden zugute kommt. Leider ist ein Hühnerbouillon-Würfel kein Ersatz, die Suppe sollte schon frisch aufgebrüht sein.

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