22.07.2014 - Linus Baur

Vielfältige Skulpturenschau

Noch bis 7. September zeigt der Kulturort Weiertal bei Winterthur dreidimensionale Werke von rund 60 Kunstschaffenden.

Als spezieller Kulturort zwischen Stadt und Land präsentiert sich das Weiertal. Das Besitzerehepaar Richard und Maja von Meiss haben einen sehenswerten Kunstgarten geschaffen, in dem seit 2009 plastische Kunstwerke gezeigt werden. Ziel des Kunstgartens sei es, „zeitgenössisches dreidimensionales Kunstschaffen in seinen vielseitigen Dimensionen zu fördern und zum Verständnis aktuellen skulpturalen Schaffens beizutragen“, schreibt die Galerie Weiertal auf ihrer Homepage.

Ein Ort mit Kulturtradition

Das Weiertal, einst ein landwirtschaftliches Gehöft der Gerichtsherrschaft Wülflingen, ist ein beliebtes Ausflugsziel der Stadt Winterthur. Der Gasthof Weiertal lockte an Wochenenden viele Familien mit ihren Kindern an, dessen Apfelmost und Speckplättli sowie die jährliche Metzgete sind heute noch legendär. Es fanden traditionelle Theateraufführungen und wöchentliche Männerchorproben statt. 1982 erwarb das Ehepaar von Meiss das Landgut samt Weinberg und verwandelte diesen in den Folgejahren in einen zauberhaften Garten mit Obstbäumen und zwei kleinen Teichen. Maja von Meiss brachte die ehemalige Kulturtradition ins Weiertal zurück, unterhält im ehemaligen Gasthof eine Galerie mit zeitgenössischen Kunstwerken, organisiert Lesungen, Konzerte und künstlerische Performances an diesem idyllischen Kulturort. Seit 2009 wird regelmässig im Park plastisches Kunstschaffen gezeigt.

Die marmorne Riesenkrake "Otto" von Jérémie Crettol.

Die Ende Mai eröffnete und noch bis 7. September dauernde aktuelle Ausstellung steht unter dem Motto „Yesterday – Tomorrow“ und ist ein Beitrag zum Winterthurer 750-Jahr-Stadtjubiläum. Rund sechzig Kunstschaffende der Zürcher Sektion Visarte zeigen im Park und in der Galerie ihre plastischen Werke und Bilder. Zu sehen sind Skulpturen, Objekte und Installationen unterschiedlichster Art, schön verteilt auf dem prachtvoll gestalteten Naturgarten. Nicht immer erschliesst sich das vorgegebene Motto beim Betrachten der einzelnen Kunstwerke auf Anhieb, doch anregend und inspirierend sind die gezeigten Werke alleweil.

Vielfältige Kunst in der Natur

Die harmonisch in die Gartenlandschaft platzierten Kunstwerke vermitteln einen guten Einblick in das heutige vielfältige Kunstschaffen. Zu sehen sind zahlreiche raumgreifende Skulpturen aus Metall, Stein und Kunststoff; verspielte Objekte wie das Spielhaus aus Brot oder vergoldete Kuhfladen im Gras oder aufgeschichtetes Heu, enthoben aller Zweckmässigkeit, oder ein rotes, langes Fernrohr, das nicht in den Himmel, sondern in den Seerosenteich ragt; kritische Werke wie die singenden Hors-sol-Kartoffeln im Drahtkäfig oder drei gebückte Schwarze im Unterstand, die auf bessere Zeiten warten; Werke, die in den Bäumen hängen, wie die filmreife Kulisse einer alten Villa oder bunte Schaumstoffkugeln, die den Zyklus der Jahreszeiten konterkarieren sollen, oder liegende Figuren, die in einer Prozession einen Baumstamm himmelwärts erklettern.

Links: "yesterday spinnen - tomorrow fliegen" - Acrylskulpturen "Processione" von Nina Staehli; rechts: "Unterwasserfernrohr" von Hans Knuchel.

Die Künstlerinnen und Künstler waren eingeladen, der Geschichte des Ortes und deren Umgebung nachzugehen und künstlerisch zu verarbeiten. Entstanden ist eine gelungene Skulpturenschau in einem lauschigen Park, die zum Träumen und Phantasieren, zum Schmunzeln und Nachdenken anregt. Die Ausstellung mit Bistro ist Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Nähere Angaben unter Kulturort Galerie Weitertal

Die Kulisse eines nie gedrehtem Films im Baum hängend: "Katarakt" von Haruko.

Vorleben sichtbar gemacht: Jutteplastik "Bogengruppe" von Ursula Baur. Warten auf bessere Zeiten: Skulpturengruppe "Avenir" von Sieglinde Wittwer. Titelbild: Kolossales Ohr in der Wiese: Kunststoffplastik "am_ohr" von Karin Hurni. (Bilder: Linus Baur)

Kommentare

Ich habe mir die Ausstellung inzwischen angesehen. Es gibt wirklich ein paar Rosinen darunter. Sehr witzig ist der oben gezeigte der Krake «Otto». Aber auch die «Heinzis» aus Heu (über einem Holzgestell) von Mara Mars sind ein Verweilen wert. Sie erinnern an Figuren von Barlach. Bei näherer Betrachtung haben sie ein Gesicht und eine Persönlichkeit. Aber auch die Arbeiten aus Metall, Glas oder anderen Materialien sind keine Fremdkörper am Seerosenteich und unter Apfelbäumen in dieser üppigen Natur. Es ist ein Ort der Harmonie.

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