Besuch der Schneckenfarm im Landstädtchen Elgg
Samstag, 21. Juni 2008
Nach einem guten Mittagessen und bei strahlendem Wetter werden wir von Armin Bähler, dem Leiter der grössten Schneckenfarm der Schweiz, herzlich begrüsst. Er erzählte uns kurz die Geschichte dieser Schneckenzucht, die 2004 von seinen Eltern als erste dieser Art aufgebaut wurde. 2006 wurde die Anlage wesentlich vergrössert, so dass sie heute ca. 1 Hektare (10.000 m2) umfasst. Inzwischen gibt es in der Schweiz ca. 4 fast gleich grosse Schneckenbetriebe.
In Elgg werden jährlich ca. 8 Tonnen Schnecken geerntet, das Fleisch eines Tieres wiegt ca. 5 Gramm. Die Schnecken werden nach der Ernte in eine 4-tägige Hungerkur geschickt, anschliessend sterilisiert, dann „ausgenommen“ (nur das Fussfleisch wird verwendet) und in Gläser verpackt. Ab November bis April halten die Schnecken den Winterschlaf und der Betrieb wird stillgelegt.
Schnecken (es handelt sich hier ausschliesslich um die auch in der Schweiz verbreitete Weinbergschnecke [Helix pomatia]) werden in Gourmet-Restaurants als besondere Delikatesse als Vorspeise angeboten; 6 Stück kosten je nach Restaurant von Fr. 13.-- bis Fr. 25.--. Sie sind auch in der Schweizer Küche noch nicht aus der Mode gekommen. Sie sind – wie in vielen andern Ländern – gesetzlich geschützt (man darf sie nicht sammeln oder töten). Die meisten Schnecken werden in Italien oder Frankreich gezüchtet.
Während wir durch die Farm gehen erzählt uns Armin in munterer Stimmung was Schnecken gerne essen (das was wir auch wissen: Salat, Gemüse aber auch vermodernde Gartenabfälle) und was sie gerne haben (feuchtes Wetter). Schnecken sind hochinteressante Tiere. Sie werden im Gehege 20 bis 25 Jahre alt. Ab dem 4. Lebensjahr an gelten sie als ausgewachsen, ihr Schneckenhäuschen bleibt dann gleich gross. Das mutmassliche Alter kann dann nur am Rand der Häuschenöffnung abgelesen werden. Weitere Eigenheiten die besprochen wurden (z.B. Lebensraum, Fortpflanzung, Eiablage, Jungtiere, Überlebenschancen, Womit „isst“ eine Schnecke, Überwinterung) können unter http://de.wikipedia.org/wiki/Weinbergschnecke nachgelesen werden.
In der Farm in Elgg leben ca. 70.000 ausgewachsene, sogenannte Mutterschnecken sowie rund 700.000 Jungtiere in mehreren Gehegen. Diese werden täglich über Nacht durch Vernebelungsdüsen befeuchtet, was die Schnecken zum Fressen animiert. Bei anhaltender Trockenheit zieht sich eine Schnecke nämlich zurück und wartet bis die Witterung kommende Feuchte anzeigt. Auch bei lange fortdauernder Trockenheit bewegt sich eine Schnecke nicht und stirbt schlussendlich.
Im eigenen Garten schützt man Pflanzen vor Schnecken am besten mit Schneckennetzen oder –blechen, auch eine Umrandung mit Sägemehl hält Schnecken fern. Achtung: Schneckenkörner töten auch die geschützten Weinbergschnecken!
Zum Schluss der Führung offerierte uns Armin im ‚Schnäggehüsli’ eine Kostprobe von einer Weinbergschnecke in Kräuterbutter und ein Glas Weisswein. Nicht alle haben diese Kostprobe ausprobiert. Denjenigen, die es versucht haben, schmeckte es sehr. Bei angeregten Gesprächen verbrachten wir einen gemütlichen Nachmittag in einer nicht alltäglichen Umgebung. ‚Schneckengeschichten’ von früheren Zeiten wurden ausgetauscht. So erzählte eine Teilnehmerin, dass ihre Tochter jeweils ein Schneckenrennen absolvierte. Daran wäre ja nichts auszusetzen. Doch als die Tochter diese Rennen in der Wohnstube veranstaltete, wurde es dann doch zu viel!
Zur Abrundung des Tages machten wir noch einen Spaziergang durch das Landstädtchen Elgg. Allen 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat diese hervorragend organisierte Safari sehr gut gefallen.
Marianne Loser