Freizeit

Der B@sler St@mmtisch lässt musizieren

Der B@sler St@mmtisch lässt musizieren

Musik hören, ohne dass Musikanten anwesend sind: für uns selbstverständlich, in früheren Zeiten unvorstellbare Zauberei. Das weckte natürlich die Neugier und den Tüftlertrieb der Erfinder. Was ab etwa 1800 bis 1935 entwickelt und brauchbar auf den Markt kam, lässt sich heute im Schweizer Musikautomaten-Museum in Seewen (bei Liestal) staunenswert nachvollziehen. Klar, dass wir Seniorwebler/innen vom B@sler St@mmtisch uns das genau zeigen lassen.

In der Museums-Vorhalle stehen drei grosse Orgeln, man nennt sie auch Chilbi-Orgeln. Eine davon kann man sich zum Geburtstag, zur goldenen Hochzeit oder zur reinen Freude ausleihen, die anderen offerieren im Museum abwechselnd jede Stunde ein Ständchen.

In der ersten Halle sehen wir die Werkstätten und erfahren viel über die Technik und die Herstellung von Musikautomaten. Auf Platten und Rollen werden entsprechend den verlangten Tönen Löcher gebohrt und  in diese Löcher werden Stifte gesetzt. Das Stiftesetzen war damals eine typische Frauenarbeit; wäre es heute wohl noch immer, weil Frauen einfach eine höhere Fingerfertigkeit besitzen. Die Platten mit den Stiften rotieren, die Stifte berühren einen Klangkörper, und schon läuft die Musik. In der Theorie ganz einfach, aber viele Beispiele zeigen, dass einerseits enorm viel Arbeit dahinter steckt und sich anderseits viele Tüftler nicht mit den einfachsten Lösungen zufrieden gaben. Bald wurden deshalb Lochbänder entwickelt und die Töne durch Luftdurchlass bei den Löchern erzeugt.

Im Blauen Salon setzen wir uns auf Biedermeier-Möbel; die Musik aus den Automaten lässt uns die alte Zeit fühlen, als die bessere Gesellschaft ihren Gästen solche Töne vorsetzte. Eingepackt in wunderschöne Möbel sind diese Automaten richtige Prunkstücke; doch auch in allerlei andere Geräte wurde Musik eingebaut, vom „Potschamber“ bis zur Jesus-Statue. Scheinbar wollte die Gesellschaft schon damals überall mit Tönen berieselt werden, ohne teure Musikanten zu bezahlen.

Im grossen Saal finden sich auch die grössten Schätze des Museums. Hier darf ich ausnahmsweise  einige Bilder ohne Blitz schiessen. So wird mein Bericht farbiger, wenn auch das Seniorweb, bzw. meine knappen Computer-Künste noch keine Begleitmusik erlauben.

Das Hauptschaustück ist die grosse Orgel aus der Britannic, dem Schwesterschiff der Titanic. Eigentlich sollte sie Gigantic heissen, nach dem Untergang der Titanic wurde die White Star Line aber bescheidener und nannte das Schiff Britannic. Es sollte wie die Titanic mit einer selbstspielenden Philharmonie-Orgel ausgestattet werden. Wegen des Kriegsausbruchs 1914 wurde die Britannic zum Lazarettschiff. Die Orgel hingegen war gebaut und kam nach einigem Hin und Herr zum Glück nach Seewen, wo wir sie heute bestaunen können.

Diese Orgel, wie auch ein automatischer Flügel, kann hier auch live gespielt werden, öfters treten bekannte Musiker auf.  www.musikautomaten.ch weiss darüber Bescheid.

Nicht nur viele Arten sog. elektrischer Klaviere sind hier zu sehen, auch richtige Geigen lassen sich automatisch spielen, wie wir staunend feststellen. Dem Erfindergeist, möglichst viele Instrumente zu einem Automaten-Orchester zu verpacken, scheinen kaum Grenzen gesetzt. So hören wir zum Schluss aus einem Automaten von 1935 noch ganz fägigen Jazz.

Natürlich gibt es zu vielen Objekten besondere Geschichten, wo diese gefunden wurden und wie sie hierher kamen. Die Sammlung ist zum grössten Teil Herrn Dr. h.c. Heinrich Weiss-Stauffacher zu verdanken, der sie dann der Eidgenossenschaft geschenkt hat. Und  weil der Sammler heute noch in Seewen wohnt, ist auch das Museum in der wunderschönen Landschaft im Grenzgebiet des Solothurner zum Basellandschäftler Jura entstanden. 

‚When the Saints go Marching in‘, trällert die grosse Mortier-Orgel, etwa 90 Minuten zu spät, denn unsere Zeit ist um und wir verlassen jetzt das Museum, geladen mit vielen neuen Eindrücken.

 

Alois Wirth

 

Die nächsten Anlässe des B@sler St@mmtisches:

- Montag, 19. April, traditioneller Stammtisch im Café Merian

- Donnerstag, 22. April, Höhlenbesuch in Hasel zusammen mit feierabend.de/Regionalgruppe Basel (Details im Seniorweb)

 

Text und Fotos:  Alois Wirth, alle Fotos wurden im grossen Saal ohne Blitz aufgenommen, aber mit freundlicher Bewilligung für Seniorweb

 

Danke Alois

 

Diashow

Kommentare

Bild des Benutzers muba

Musikautomaten-Besuch in Seewen

Hallo und guten Abend Alois,

Zuerst mein "Danke" s'war wieder mal schön wie immer dich mit Text und Foto zu lesen " Grossartig"

Betr.spez. Fotos hast du wiedermal deinen Charme spielen lassen ..(Bewilligung)

sicher alles für's neue Senweb ??? ciao bis zum nächsten Stammtisch

Bild des Benutzers Elsbeth Plüss

Musik-Automaten-Museum

Bravo Alois, das hast Du wieder einmal super hingekriegt. Der Text sowie die Fotos sind wunderbar.

Ganz herzlichen Dank, Silberli