Freizeit

Winterliche Karfreitagswanderung 2010

Winterliche Karfreitagswanderung 2010


Karfreitagswanderung "Der April macht, was er will"! Die alte Wetterregel bewahrheitet sich einmal mehr. Am 1. April - Gründonnerstag - sind Schnee und Sturm das prägende Element. Ich glaube, es hat den ganzen Winter nie in so kurzer Zeit, soviel geschneit. Karfreitag, ein Bilderbuchtag. Das Theromometer zeigt minus 7°. Herrlicher Sonnenschein, ein tiefblauer Himmer und die frisch verschneite Landschaft sind ein Muss für eine geruhsame Schneeschuhwanderung.

files/2002_01_01_0508.JPG Der Rücksack ist gepackt. Die Schneeschuhe aufgeschnallt und die Wanderstöcke verkürzt. In der Heizung hole ich mir die Winterwanderschuhe. Beim anziehen vom rechten Schuh, stelle ich fest, dass mich an der Verse etwas drückt. "Habe doch die Isoliereinlage herausgenommen", denke ich. Beim genauen Hinschauen entdecke ich eine kleine, tote Maus. Mein Schreck ist gross. "Wie ist nur diese Maus in unsere Heizung gelangt", frage ich mich und " ist sie eventuell verhungert oder verdurstet und musste leiden?" Beides trifft nicht zu. Das Material vom Innenschuh besteht aus Filz und Wasser war auch vorhanden. Zum überleben genug. Das Mäuschen hat ein ganz natürlichen Tot erlitten.Das beruhigt mich. Kuschelig zusammengerollt lag es da. Irgendwann zwischen Palmsonntag und Karfreitag in den "Mäusehimmel" eingegangen. Ich bin unverhofft - am Karfreitag - mit der Vergänglichkeit der Kreatur konfrontiert. Ein gutes Thema für meine vorgesehene Schneeschuhwanderung, abseits von jeglichem Rummel. Mit dem Skibus fahre ich zum Bahnhof, mitten in den wintersportlichen Trubel. Die Züge vom Oberengadin und Klosters sind sobeben eingefahren. Die Postautobusse bringen ebenfalls viele Wintersportler. Aus-, ein- und umsteigen erzeugen eine ameisenartige Situation. Andere rennen zum Kiosk. Am Bancomat hat es eine Schlange von wartenden Kunden, die ihr Bankkonto noch schnell erleichtern wollen. Das freut natürlich das einheimische Gewerbe, denn was in der Hosentasche der Gäste landet, findet man meistens wieder in den Kassen von Dienstleistungsbetrieben. Bei diesem herrlichen Wetter ist die Konsumfreudigkeit sowieso erhöht. Mir soll's egal sein. Ich verlasse das babylonische Wirrwarr mit dem Bus nach Tarasp. Dort herrscht Karfreitagsruhe. Ob mein Bedürfnis nach Ruhe wohl etwas mit dem Alter zu tun hat? Gemütlich mache ich mich auf ins Val Plavna. Der neuverschneite Wald präsentiert sich märchenhaft. Die Ruhe einmalig. Die Nordlage sorgt dafür, dass meine Spur durch schönsten Pulverschee führt. Der Alpweg breit. Keine grossen Steigungen fordern meinen Atem heraus. So ein richtig schöner Weg, um die Seele baumeln zu lassen

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Das ändert sich nach der Ueberquerung des Plavnabaches. Eine erste Steigung ist zu bewältigen. Als Belohnung erblicke ich kunstvolle Gebilde von Schneekristallen. Ich betrachte die filigranen Kunstwerke intensiv im Bewusstsein, auf dem Rückweg werden sie verschwunden sein. Den Augenblick geniessen.

 

 

 

 

 

 

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Die Kobolde vom Val Plavna sind gutmütiger Natur, auch wenn sie ab und zu den Wanderern einen schelmischen Streich spielen. Noch schlafen sie und warten sicher auch sehnlichst auf den Frühling, wie wir Menschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ich verlasse die Abfahrtsroute der zwei Skitourenfahrer. Ab hier ziehe ich eine neue Spur durch die jungfräuliche Winterlandschaft. Die Unterlage ist hart. Trotz vielen Tierspuren von Gämsen, Hirschen und Rehen, bekomme ich keines vor die Fotolinse. Sehr wahrscheinlich halten sie zur Zeit ihr Mittagsschläfchen.

 

 

 

 

 

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Meine alljährliche Winterwanderung im Val Plavna führt mich immer zu dieser idyllischen Jägerhütte. Sie liegt windgeschützt an einer sonnigen Stelle. Der einzige Ruhestörer ist die Flugstrasse. Weit oben fliegen die Jet's vorbei, doch hören tut man sie gut, hier an diesem stillen Fleck. In Dübendorf - wo mein Sohn in einer Anflugschneise wohnt - nehme ich sie kaum wahr. Da gibt es soviele Lärmquellen, dass ich die Flieger schon gar nicht wahrnehme. Offenbar kommt es auf den jeweiligen Standort an, ob man etwas als Lärm empfindet oder nicht. Lärm bedeutet für viele Menschen auch Schmerz, sogar Karfreitagsschmerz.

 

 

 

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Auch so eine Art "Dornenkrone". Dieser Gedankensprung sei erlaubt. Schliesslich ist es ja Karfreitag. Natürlich habe ich in dieser herrlichen Naturlandschaft Mühe mit dem Thema Schmerz und Vergänglichkeit. Gerade jetzt, wo ein Freund von mir ernsthaft erkrankt ist. Näheres verrate ich nicht, öffentliche Seelenstriptease ist nicht meine Stärke.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das schlichte Kreuz an der Haustüre zeugt vom Auferstehungsglauben der Menschen, die hier im Sommer und Herbst ihre Wochenenden und Ferien verbringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

files/Hufeisen.JPG Das Aufhängen von Hufeisen scheint nicht gerade die Stärke des Hausbesitzers zu sein. Aber vielleicht hat er es ja über den Winter extra so aufgehängt, damit im Frühling, wenn er es dann kehrt, neues Glück darin platz findet. Es schadet nichts, ab und zu auch mal beim Glück etwas aufzuräumen. Man könnte sonst vom Glück erdrückt oder sogar "erschlagen" werden

 

 

 

 

 

 

 

 

files/Panorama_Alp_Laisch.JPG.Meine Karfreitagswanderung geht zu Ende. Ein letzter Blick auf das Unterengadin. Von der Stille des Plavnatales geht es zurück in das bunte Treiben eines Winterkurortes. Ich werd's überleben! Das wünsch ich Euch allen auch. Kraft tanken an stillen Orten für die täglichen Mühe, damit aus dem Karfreitag österliche Freude werde.

Kommentare

Bild des Benutzers enziane

Schneeschuhwanderung

Wunderschön diese Wanderung,