Kultur

Artlink - Kulturkooperation

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Der Andere Literaturclub

Hervorgegangen aus einer Initiative der Erklärung von Bern (EvB), fördert dieser alternative Buchclub Literatur von Autorinnen und Autoren, die ihre Erfahrungen in unterschiedlichen kulturellen Sprachen und Welten in ihrem Werk umsetzen, und setzt sich für ihre Verbreitung in der Schweiz ein.

Ziel von artlink ist es, Kunstformen, Künstlern und Künstlerinnen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa bekannt zu machen sowie die Arbeit der in die Schweiz eingewanderten Kulturschaffenden zu unterstützen. Dies als Ausdruck einer weltoffenen Schweiz, die in der interkulturellen Zusammenarbeit eine Chance wahrnimmt, eurozentristische Haltungen zu relativieren, den Respekt vor anderen Formen, Traditionen und Wertesystemen zu fördern und die Welt auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten.

files/Samson_Kambalu_0.JPGDas neueste Buch: Samson Kambalu, Jive Talker

Dieser biographische Roman handelt sowohl vom Vater des Autors, dem "Jive Talker", als auch von ihm selbst, der sich im Buch ebenfalls als brillanter "Jive Talker" erweist, von der gesamten Familie und den Menschen in Malawi, einem der ärmsten Länder Afrikas.

"Den Kindern ein bisschen 'jive' beibringen" - seit Vater Kambalu begonnen hatte, seinen Kindern in langen geschwätzigen Erzählungen Gott und die Welt zu erklären, hing der Spitzname "Jive Talker" an ihm fest.

Der Ausdruck 'jive' stammt aus dem afroamerikanischen Slang, kann sinnloses, grossspuriges Gerede, auch Blödsinn oder einfach ausuferndes Erzählen bedeuten. In Südafrika entstand während der Apartheid 'township jive', ein populärer Tanzstil. Im Jahr von Samson Kambalus Geburt 1975 sang die Pop-Gruppe Bee Gees den Song "Jive talking".

Malawi, am Ostufer des gleichnamigen, fast 600 km langen Sees im südlichen Ostafrika gelegen, war damals wie heute eines der ärmsten Länder Afrikas und wurde bis 1993 von einer äusserst diktatorischen Clique beherrscht.

Zeigt dieser Roman das heutige Afrika?

Samson Kambalu, ein virtuoser Erzähler, spielt mit allen Klischees und führt sie ad absurdum. Das Leben in Afrika ist so hart, geprägt von bitterer Armut, dass es einen Wortkünstler braucht, um daraus Literatur zu machen. Beim Lesen wird klar, dass die englische Herrschaft zwar die alte afrikanische Kultur zerstört hat, die "Zivilisation" der Kolonialherren diese aber nicht ersetzen konnte. Die alte afrikanische Tradition des Erzählens lebt im Roman fort, aber auch das atemberaubende Tempo von modernem Rap bestimmt den Ton. Dem Autor gelingt es, komische Szenen aus dem Alltag mit klugen Bemerkungen der europäischen Philosophen zu verbinden, woraus eine faszinierende Mischung von Witz, Tragikomik und Schwermut entsteht. Die englische Bedeutung seines Namens Samson "Don't worry, be happy!" ("Sorge dich nicht, sei glücklich") nennt der Autor mehrmals sein Lebensmotto.

Symbolisch für das afrikanische Talent steht sein "Holy Ball": Die Kinder konnten sich keinen richtigen Fussball leisten, Samson fertigte sich also einen Stoffball an. So wurde er bei den fussballverrückten Kindern ein begehrter Mitspieler. Später entstand daraus sein erstes Kunstwerk: Der Ball wurde aussen mit Seiten aus der "Holy Bible" beklebt. Damit wurde er auch in vielen nicht-afrikanischen Ländern bekannt. (s. Titelbild)

Der Künstler Samson Kambalu wurde 1975 als 5. Kind einer zehnköpfigen Familie in Malawi geboren. Er erhielt ein Stipendium für die renommierte Kamuzu Academy und organisierte die erste Konzeptkunstausstellung in Malawi.
Von da an ging es in mehrerer Hinsicht steil nach "oben": geographisch nach London, wo er heute lebt, und mit seiner Karriere: Sein "Holy Ball", Kambalus bekanntestes Kunstwerk, hüpfte von einem Erdteil zum andern. Der Roman "Jive Talker" ist seine erste Veröffentlichung. Er ist all denen zu empfehlen, die Afrika aus eigener Erfahrung kennen und lieben gelernt haben.

Hier finden Sie eine Leseprobe.

In der kommenden Woche ist Samson Kambalu in der Schweiz  bei artlink zu Gast:

17. Mai, 19 Uhr Freihandbibliothek, St. Gallen
www.freihandbibliothek.ch

18. Mai, 20 Uhr Cabaret Voltaire, Zürich
www.cabaretvoltaire.ch

19. Mai, 20 Uhr Ono Bühne, Bern
www.onobern.ch
,
20. Mai, 19 Uhr Literaturhaus Basel
www.literaturhaus-basel.ch

Samson Kambalu ist im Juli noch einmal in Zürich. Informieren Sie sich: info@artlink.ch

Angaben zum Buch:

Samson Kambalu, Jive Talker
Aus dem Englischen von Marlies Ruß
352 Seiten, gebunden  (CHF 33.90)
Unionsverlag
Zürich; ISBN 3-293-00411-3