Kultur

Die Entwicklung eines Schulbankdrückers

Die Entwicklung eines Schulbankdrückers

Motivation gleich Null, Aufwand gleich Null, Noten im Keller

Ich erinnere mich an meine Primarschulzeit. Eine Zeit, in der man die Lehrer und ihre Aufträge noch nicht zu hinterfragen dachte, eine Zeit, in der die Schule noch ein Spielplatz war. Frisch vom Kindergarten wurde man durch "spielerisches Lernen" an die neuen Umstände gewöhnt. Es galt jetzt Mathematik, Deutsch - und wie hiess das noch gleich: "Mensch und Umwelt", zu lernen. Doch bewusst tat man dies nicht, es wurde einem ja in Form von Spielen beigebracht. Unbeschwert ging man Tag für Tag zur Schule, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wieso überhaupt.

Ich erinnere mich, dass die Schule für mich in einem durchaus guten Licht stand. Schliesslich konnte ich ja in jeder Pause Fussball spielen, meine Freunde sehen und (damals noch) interessante Dinge lernen. War mir der Unterricht einmal zu streng, konnte ich mich einfach mit dem Ausmalen eines Mandalas entspannen. Prüfungen waren auch kein Problem, es war ja nichts anderes, als ein etwas schwierigeres Arbeitsblatt auszufüllen. Hausaufgaben hatte man sowieso auch keine, da man bereits in der Stunde damit fertig war. Es blieb also genügend Zeit, noch ganz vielen anderen Dingen zu frönen.

Ich erinnere mich an den Übertritt ins Gymnasium. Vom ersten Schultag an hatte man nur noch die Schule vor Augen, wobei man noch nicht wusste, dass dieses Gefühl nach zwei Jahren abklingen würde. Fleiss und Disziplin wurden zum allgemeinen Leitfaden erklärt, ein Wettstreit um gute Noten war die Folge. Wenn ich so zurückblicke, frage ich mich, ob dies auch so gekommen wäre, hätte man uns nicht schon in der vorgymnasialen Zeit eine solche Denkweise eingetrichtert. Doch dies sei dahingestellt. Schliesslich machten gute Noten einen auch tatsächlich glücklich, sofern man sie denn hatte. Tag für Tag ging man motiviert ans Werk und ahnte noch nicht, dass dies sich einmal komplett ändern würde.

Ich erinnere mich an die dritte Klasse, als sich meine Motivation für die Schule so langsam zu verabschieden begann. Immer häufiger hatte ich andere Dinge im Kopf, und die Schule genoss nicht mehr meine primäre Aufmerksamkeit. Natürlich sah ich, dass diese Entwicklung nicht gut ist, dennoch vermochte ich nicht wirklich etwas gegen den schleichenden Motivationsverlust zu unternehmen. Ich beschloss, den Dingen ihren Lauf zu lassen und fuhr eigentlich auch nicht schlecht damit.

Ich erinnere mich an die vierte Klasse, als ich mir zum ersten Mal ernsthaft die Frage stellte: "Was mach ich eigentlich hier?" Ich begann die Schule zu hinterfragen. Ich fragte mich, ob ich dies eigentlich wollte: in die Schule gehen und die Matura machen. Die Folge davon war, dass ich den Aufwand auf ein Minimum reduzierte und schaute, wie es sich auswirken würde. Das Fazit lautete erneut: Ich fuhr eigentlich recht gut damit.

Ich erinnere mich, dass in der fünften Klasse eine Leidenszeit begann. Motivation gleich Null, Aufwand gleich Null, Noten im Keller. Die Matura und damit das Ziel zwar vor Augen, - dennoch oder vielleicht genau deshalb begann ein endlos scheinender Kampf ums Überleben in der Schule.

Autor: Ariel Littmann (19)

Bild: Margaretha Hubler

Ein Beitrag im Projekt "Generationen schreiben"