Kultur

Peperoni in der Schule

Peperoni in der Schule

Was mir aus meiner Schulzeit bleibt

                                                                            

Autorin: Ursina (19)

Eines Tages, als ich in die Schule ging, geschah etwas sehr Peinliches. Ich nannte meinen Lehrer "Mami".

Wir sassen alle im "Adventskränzli" im Foyer unseres Schulhauses und sangen Adventslieder, als mir einfiel, dass wir das Läuten der grossen Kuhglocke, unser morgendliches Ritual, vergessen hatten. Ich wollte es dem Lehrer natürlich sofort mitteilen. In meinen Übereifer rutschte mir ein lautes "Mamiii...." aus meinem offen stehengeblieben Mund. Alle wurden ruhig und starrten mich an. Ich konnte mich mit einer spontan erfundenen Geschichte über "miis Mami" retten.

Eines Tages, als ich in die Schule ging, geschah etwas sehr Lustiges. Ich warf Frau Kaiser* eine orangene Peperoni an den Kopf.

Meine Freundin und ich waren die einzigen, die ihre Mittagspause im Schulzimmer verbrachten. Wir hatten uns im Coop Salat und Gemüse gekauft, um uns endlich einmal gesund zu ernähren. Tanja* stand beim Wasserhahn direkt neben der Tür des Zimmers, ich sass in der hintersten Reihe. „Wirf mir mal `ne Peperoni zu!“, rief Tanja. Ich, nichts ahnend von der bevorstehenden Katastrophe, warf ihr die orangene Peperoni zu. In dem Moment sprang die Tür auf und unsere Handarbeitslehrerin, Frau Kaiser, trat ins Zimmer. "Tack" – die Peperoni lag in zwei Teilen am Boden. Frau Kaiser stand völlig verwirrt im Türrahmen.

Ich konnte mich mit  vielen Entschuldigungs- und Unabsichtlichkeitsbeteuerungen retten. Wir lachen noch heute darüber.

Eines Tages, als ich in die Schule ging, geschah etwas sehr Lehrreiches.
Ich wurde ins Rektorat gerufen.

Meine Probezeit lief noch, als wir mit der Klasse für eine Woche nach Tenero in ein Lager fuhren. Thema der ganzen Woche: Sport und Gesundheit. Bald war der letzte Abend da. Wir planten etwas Spezielles; wir wollten alle zusammen an den See gehen und dort die ganze Nacht verbringen. Einige Jungs hatten verbotenerweise Bier und Wein dabei. Natürlich wollte auch ich einen Schluck probieren. Wie sollte es anders kommen – die Lehrer erwischten uns, wir wurden bestraft und mussten vor den Rektor treten.
Ich konnte mich mit Einsicht und Verständnis vor dem drohenden Disziplinverfahren retten.

Eines Tages, als ich in die Schule ging, geschah etwas sehr Trauriges. Ich merkte, dass alles bald vorbei sein würde.
Schluss, aus, vorbei die Schulzeit.
Nie mehr genervte Lehrer, nie mehr Fächer, die man nicht mag, nie mehr müssen.

Ich wusste, dies war eine Illusion, doch ich konnte mich nicht retten.

* Name geändert.

Bild:  Margaretha Hubler

Ein Beitrag im Projekt "Generationen schreiben".