Kultur

Gelesen: Erfolgsgeschichte als Comic

Gelesen: Erfolgsgeschichte als Comic

Gelesen: Erfolgsgeschichte als Comic

Im Jahr 1460 wurde die Universität Basel gegründet


Ein Comic als Festschrift zum 550-Jahre-Jubiläum

Man stelle sich vor: Heute erklären die Eidgenössischen Räte einen politischen Vorstoss für erheblich, welcher die Gründung einer Universität in einer grösseren Schweizer Stadt verlangt. Alle politischen Instanzen bis zur Regierung sind einverstanden. Wann wohl wird die Universität eingeweiht? Ich tippe auf 2032…

Natürlich ist das Beispiel an den Haaren herbeigezogen. Zufällige Übereinstimmungen mit echten Beispielen der Gegenwart sind jedoch durchaus möglich.

Im Mittelalter waren die Verhältnisse etwas anders. Eine Universität wurde meistens von einem Kaiser, König oder Papst gegründet. Eine Gründergeschichte ist oft schwer zu belegen.

Im Falle von Basel verstrichen vom Gründungsbeschluss bis zur Einweihung gerade mal zwei Jahre. Die beteiligten Personen und das historische Umfeld sind bekannt Allerdings mussten schon einige nicht ganz alltägliche Umstände zusammenfallen, damit die Idee entstand und auch verwirklicht werden konnte.

Statt Historischer Roman: Historischer Comic

Vom Historischen Roman war ja hier kürzlich die Rede. Nicht verstaubte Fakten und Zahlen, 550 Jahre lang fein säuberlich von der Zeit und des Verdämmerns Druck gepresst, treffen wir hier an. Es sind Menschen mit Gesichtern und Eigenheiten, die uns aus den gerade für eine universitäre Publikation eher ungewöhnlichen Blättern entgegenkommen. Zum grossen Teil sind es historische Persönlichkeiten, zu einem kleineren Teil hinzu komponierte, erfundene Figuren.

Es darf als Glücksfall bezeichnet werden, dass der Historiker Dr. Claudius Sieber-Lehmann als Initiator, die Illustratorin Elena S. Pini und der Texter Andreas K. Heyne nicht eine Festschrift wie üblich herausgeben wollten, sondern die verblüffendste Möglichkeit umsetzten: Erzählen wir die Geschichte der Gründung unserer Universität doch als Comic!

Kein Kinderbuch

Ach, wie war ich doch noch vor Jahren beschränkt, als ich beim Aufkommen von Asterix-Heften die Comics mit Kinderbüchern verwechselte und mit ihnen verknüpfte! Verständlich, waren doch meine „Globi-Bücher“ die ersten Ansätze zu dieser heute geläufigen Literatursparte. Sie ist längst in doppeltem Sinne ihren Kinderschuhen entwachsen. Comic-Festivals sind gut besuchte Anlässe.

„Unsere Universität“ knüpft aus Tatsachen und Erfundenem einen Bildteppich, der den Schwung der Gründerzeit noch einmal aufleben lässt und mit einem Blick in die Zukunft aus historischer Zeit verbindet.

Dabei gehört es zum Genre, dass die knappen Texte einfach und eingänglich sind, aber die Geschehnisse notgedrungen auch etwas vereinfachen und verkürzen. Die Sprache wirkt direkt, verständlich und unmittelbar. Kein gelehrtes Werk liegt vor uns, aber ein unterhaltendes, mit viel historischer Genauigkeit und menschlich alltäglichem Gehalt. Die Informationen sind verbunden mit heutiger Sicht der Dinge, transponiert ins Mittelalter.

Schon vor 550 Jahren: Die Bedeutung des Standortmarketings

Am 19. August 1458 wurde Enea Silvio Piccolomini, ein europaweit bekannter Intellektueller, als Pius II. zum Papst gewählt. Während des Basler Konzils (1431-1449) hatte er meistens in Basel gelebt und gewirkt. Er schätzte die Stadt sehr. Mit seiner Hilfe packten weitere Basler Persönlichkeiten die Gründung der Universität energisch an. Die vorliegende Publikation zeigt auf, wer handelte und wie das Werk in zwei Jahren realisiert werden konnte. Man fragt sich, ob auch jemand auf die Idee gekommen wäre, eine Hochschule zu gründen, wenn nicht während 18 Jahren wegen des Konzils so viele europäische Wissenschaftler und Kleriker sich in Basel mindestens zeitweise begegnet wären.

Weit reichhaltiger als auf Anhieb vermutet

„Der Comic zur Gründung der Universität Basel 1460“ ist ein grossformatiger Band, wie es die meisten Comics sind. Wichtig sind die Innenseiten des Einbands, die auf dem Hintergrund eines Merian-Stadtplans aus dem 17. Jahrhundert (aus dem 15. Jahrhundert sind keine Stadtpläne bekannt) die Personen des Comics vorstellen, historische wie erfundene – selbst die erfundene Katze und der tatsächlich historische Hund fehlen nicht. Beigelegt ist eine doppelt gefaltete grafische Tafel im Format A2. Sie enthält, ebenso klar und in dezenten Farben wie die 48 Buchseiten gezeichnet, zahlreiche historische Details aus dem Universitätsleben. Auf der Rückseite dieser Beilage zeigt eine Zeittafel markante Daten aus der Geschichte der Welt und Basels von 1400, dem Todesjahr von Geoffrey Chaucer, (Autor der „Canterbury Tales“) bis 1501, dem Jahr des Beitritts Basels zur Eidgenossenschaft.

So wird mit dem schmalen, aber reichhaltigen Buch denn doch neben dem Anspruch auf Unterhaltung auch dem Wissensdurst von Lesenden Genüge getan. Auch mir „Nichtbasler“ und Nichtakademiker bereitet diese Jubiläumspublikation grosse Freude.

 

files/Cover.jpgDas Buch

Universität Basel (Hrsg.)
Unsere Universität
Der Comic zur Gründung der Universität Basel 1460
48 Seiten, Hardcover
Friedrich Reinhardt Verlag Basel 2009

ISBN 978-3-7245-1611-8

www.reinhardt.ch

www.unibas.ch