George Bizets Oper „Carmen“ spielt in Sevilla. Demnächst aber auch im aargauischen Schinznach-Dorf.
Hier, am Ausgangsort des hochromantischen Schenkenbergertales, kurz vor Brugg, entsteht derzeit die fast echte Kopie der Stierkampfarena von Sevilla. Sie bildet gleichzeitig, wie eine richtige Arena das ja auch tut, sowohl den Ort des Geschehens als auch den Raum für sage und schreibe 1'600 Zuschauer. In diesem Rund sollen aber keine Stiere gequält werden, sondern die liebenden Seelen des jungen Soldaten Don José und, am Rande, auch von dessen Jugendfreundin Micaëla. Am meisten von Liebe und Hass hin- und hergerissen werden wird aber, dem Opernverlauf folgend, Körper und Seele einer feurigen und in Liebesdingen kompromisslosen Zigeunerin, einer der berühmtesten Opernfiguren überhaupt: Carmen, deren Liebe, laut Libretto, niemals lange währt.
Dieser „Kriminalstoff um Liebe, Eifersucht und Mord“, wie ihn die Regisseurin Annette Leistenschneider beschreibt, wurde gewählt, um die erste Open-Air-Opernaufführung der neuen Vereinigung „Oper Schenkenberg“ zu realisieren. Ein Unterfangen, das durch den spektakulären Aufbau der Stierkampfarena in der idyllischen, grünen Aargauer Landschaft die Spannung langsam, aber sicher ansteigen lässt. Nicht weniger als elf Sattelschlepper lieferten die 44 Tonnen der Arenaverkleidung und -ausstattung an, und zwar nicht etwa aus der Schweiz oder gar aus Spanien: Nein, im weissrussischen Minsk wurden die Teile gefertigt. Ausgedacht hat sich das alles der niederländische Bühnenbildner Karel Spanhak. Vor wenigen Tagen wurde der Aufbau erfolgreich beendet.
Premiere ist am 11. August. Bis 22. August wird in acht weiteren Aufführungen praktisch en suite gespielt Obwohl die Hauptrollen alle doppelt besetzt sind, können wir trotzdem allen Beteiligten nur eiserne Stimmbänder und eine hervorragende Technik wünschen! Und gutes Wetter, notabene. Das Solistenteam wird international professionell besetzt sein, die Choristen jedoch setzen sich aus Amateuren der Region und hinzugezogenen Chor-Profis zusammen. Das speziell für die Oper Schenkenberg gegründete Aargauer „Opera Artists Orchestra“ wird vom amerikanischen Dirigenten Marc Tardue geleitet werden. In Szene gesetzt wird das Ereignis von einem deutsch-niederländischen Regieteam. Ob das Wagnis glücken wird? Bis jetzt sind immerhin bereits mehr als 12'000 Tickets verkauft worden. Wir werden über die Premiere berichten.
Ticketvorverkauf: www.operschenkenberg.ch (Hotline 0848 112208) oder bei www.kulturticket.ch
Foto Ingo Höhn / Oper Schenkenberg: Die Arena von Schinznach-Dorf erwartet Carmen