Arbeit

Erfahrung bringt mehr als jede Theorie

Erfahrung bringt mehr als jede Theorie

Benedikt Weibels Erkenntnisse —  auch für Laien gut nachvollziehbar                                                 

 

Buchbesprechung von  Bernhard Schindler

Benedikt Weibel ist eines der glänzendsten Beispiele dafür, dass auch wir Rentner noch etwas zu sagen haben: Die Jungen können von unserer Erfahrung, von unserer leidvollen Erlebniskette von Erfolgen und Misserfolgen vieles dazu lernen. Auch wenn jede Generation ihre Fehler selber machen muss, ist der Blick in den brillanten, heute 64 jährigen, Unternehmerkopf des einstigen Eisenbahn-Chefs ein Abenteuer, das einen bis zur letzten Seite fesselt.

Unverblümt, leidenschaftlich und praxisnah spricht Benedikt Weibel über Pannen und Schwierigkeiten aus seiner eigenen Tätigkeit und über die daraus gezogenen Lehren. Mit einfliessen lässt Weibel seine Tätigkeit als Mister Euro 2009, als er die Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz souverän betreute. Seine Beispiele und seine Checklisten dienen der Reduktion komplexer und oft schlecht voraus zu beurteilender Probleme und helfen Managern in hohen Stellungen im Beruf genauso wie Hobby-Managern in Vereinen, Verbänden und Gemeinschaften.

„Lehrbücher in Bücherregalen und Schubladen sind gut, vor allem, wenn sie gelesen sind. Noch besser ist es, wenn die wesentlichsten Strukturen dieses Wissens im Gehirn eingeprägt oder zumindest in konzentrierter Form greifbar sind“, schreibt Benedikt Weibel in seinem Vorwort. Im  Nachwort dankt er dem Verlagsleiter Hans-Peter Thür vom NZZ-Verlag Libro, „der mich schon vom ersten Gespräch vom akademischen  Konzept weg und hin zu einem wesentlich praxisnäheren Ansatz gesteuert hat“.

Von der Strategie bis zum „Selbstmanagement“

Weibel geht bei seinen Überlegungen von einem bereits fertigen, aber noch verbesserungsbedürftigen Produkt aus, für das möglichst klare Strategie-Ziele formuliert werden müssen.

Dabei warnt Benedikt Weibel vor allzu grosser Euphorie beim Planen der Strategie: Zu oft sind zu viele Faktoren Unbekannte. Er zitiert Clausewitz: „Je genauer und klüger man plant, desto wahrscheinlicher scheitert man!“

Keine Illusionen!

Dem angehenden Strategen empfiehlt Clausewitz, sich von allen Illusionen zu verabschieden: „Wer in den gestaltungsraum der Strategie eintreten möchte, wird gemahnt, alle Hoffnung aufzugeben, je Gewissheit und Wirkungshebel zu finden, an die er sich bei anderen Tätigkeiten gewöhnt hat. Er muss den Verzicht auf diese Hoffnung als einen Initiationsritus betrachten, um in den Raum des strategischen Denkens zu gelangen.“ – und: „Im Herzen der Strategie muss ein Herz schlagen, das weiss, wie man mit Strategie umgehen muss.“

Auch der Stratege geht, wie der Journalist, von den elementaren Fragen: Wer? Wo? Wann? Womit? Mit wem? Und Wie? aus, die er möglichst genau zu beantworten sucht. Mit zum Planen gehören Menschenkenntnis, die Fähigkeiten der Mitarbeiter einschätzen zu können und die definierten und eingehaltenen finanziellen Ressourcen. Wichtig ist letztlich die genaue Kommunikation innerhalb der Unternehmung, die Information der Geldgeber, des Gesetzgebers und der Öffentlichkeit.

Im Kapitel „Die Kommunikation ist alles“ geht Weibel speziell auch auf die Medien ein, denn Kommunikation  ist von zentraler Bedeutung. Was Weibel hier aufgrund seiner Erfahrungen bei der SBB und den Europameisterschafts-Vorbereitungen schreibt, gehört eigentlich ins Pflichtenheft jeder Unternehmensleitung, zum mindesten des für die Öffentlichkeitsarbeit der Unternehmung zuständigen Vorstandsmitglieds.

Sich selber managen

Das letzte Kapitel des amüsant zu lesenden und intelligenten Lehrbuches von Benedikt Weibel ist dem Selbstmanagement des Managers gewidmet. Nicht jeder Wirtschaftsmanager ist fähig, mit den ihm auflauernden Turbulenzen fertig zu werden. Die Belastung der Arbeitswelt nimmt laufend zu. Aber der Mensch hält viel mehr aus als er annimmt. Der Umgang mit Belastung ist lernbar. Lernen heisst Ziele setzen, reflektieren, korrigieren.

Man könne sich das Leben erleichtern, schreibt Weibel zum Schluss seines Buches, „wenn man unveränderliche Randbedingungen klaglos akzeptiert und verpassten Chancen nicht nachtrauert!“

 

Benedikt Weibel „Von der Schublade ins Hirn“ Checklisten für wirkungsvolles Management, Verlag Neue Zürcher Zeitung, ISBN 978-3-03823-598-9NZZ-