Freizeit

Besichtigung Flusskraftwerk Bremgarten-Zufikon

Wassernutzung und Naturschutz
Passen diese beiden Begriffe wirklich zusammen? Genau um diese Frage zu beantworten, organisierte das Rüeblistamm-Team eine nachmittägliche Besichtung des Flusskraftwerkes Bremgarten-Zufikon.

Es war um die Mittagszeit am Montag, 23. August 2010, als sich eine kleine Gruppe von 9 Personen zum gemeinsamen Essen im Restaurant JoJo (St. Josef-Stiftung) in Bremgarten traf. Das „JoJo“ ist auf Selbstbedienung ausgerichtet, und so konnte jeder sein eigenes Menu nach Lust und Laune zusammenstellen. Da unser Teamchef Mambo aus medizinischen Gründen leider fehlte, war es Rita Staubli, welche für den Ablauf dieses Rüeblistamm-Nachmittages verantwortlich zeichnete.

Kommandoraum: kein Mensch anwesend!
Und schon gings in zügigen Schritten los zum nahe gelegenen Flusskraftwerk, wo wir im Info-Center von Pius Schüepp willkommen geheissen wurden. Nach ein paar allgemeinen Erläuterungen über Stromproduktion und Stromverbrauch betraten wir den Kommandoraum, in welchem, zu unserem grossen Erstaunen, kein Mensch anwesend war. Erklärung von Herrn Schüepp: Das Kraftwerk arbeitet vollautomatisch, und die Zu- oder Abschaltung erfolgt je nach Wasserangebot.

Modellfall für den Interessenausgleich

Nun aber auf zum Rundgang: Dieser dauerte eine gute Stunde, und die interessierte Rüeblistamm-Familie konnte sich über die folgenden Fakten informieren lassen:

Das Flusskraftwerk Bremgarten-Zufikon ist ein Modellfall für den Interessenausgleich zwischen Landschafts- und Naturschutz einerseits sowie Hochwasserschutz und Wassernutzung anderseits. Und noch etwas deutlicher ausgedrückt: Das Flusskraftwerk ist Bestandteil der Reusstalsanierung, bei welcher vor über 30 Jahren, nebst dem notwendigen Hochwasserschutz, der wunderbare Flachsee entstand, auf den heute eigentlich niemand mehr verzichten möchte.

Gelungene architektonische Einpassung

Kurz noch etwas Technologie: Die Reuss wird auf 11 m über ihren mittleren Wasserstand auf eine Stauhöhe von 380 m über Meer aufgestaut. Der Rückstau des Wassers reicht bis zur Brücke Werd (9 km flussaufwärts). Das Kraftwerk ist vollständig in den Flusslauf integriert. Moderne Schützen- und Turbinentypen (zwei sogenannte Kaplanturbinen) ermöglichten die architektonische Einpassung in die Umgebung. Zur Erinnerung: Als vor bald 40 Jahren die Pläne für den Kraftwerkbau bekannt wurden, gab es in der Bevölkerung von Bremgarten und Umgebung einen grossen „Sturm“. Man meinte, die Reussgegend werde durch eine öde Betonmauer verschandelt. Dem war aber überhaupt nicht so, und heute ist das Flusskraftwerk ein fester Bestandteil des Reusslaufes.

Weitere Fakten: Die Inbetriebnahme des Werkes erfolgt 1975. Die Gesamtleistung beträgt 20 MW und die Jahresproduktion ca. 106 Mio. kWh, was ungefähr dem Jahresbedarf von 23'500 Haushalten entspricht. So könnten zum Beispiel die beiden Gemeinden Wohlen und Bremgarten vom Flusskraftwerk ein Jahr lang genügend mit Strom versorgt werden.

Rücksichtnahme auf die Fische

Auf zwei beachtenswerte Details wurden wir noch speziell hingewiesen: die Rücksichtnahme auf die Fische und die freie Fahrt für den Bootsverkehr. Über die Fischaufstiegtreppe, auch Fischpass genannt, können Fische die Stauanlage in beiden Richtungen passieren. Für den Schiffs- und Bootsverkehr stehen zwei Bootstreppen und ein Kahntransportwagen zur Verfügung. Diese können von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang benützt werden.

Flusskraft- und Speicherkraftwerk: Wo liegt der Unterschied?

Stellt sich zum Schluss noch die Frage, was denn eigentlich der Unterschied ist zwischen einem Flusskraftwerk und einem Speicherkraftwerk. Im Grunde genommen ganz einfach. Die Turbinen eines Laufkraftwerkes werden vom Wasser eines Flusses angetrieben. Das Gefälle zwischen Ober- und Unterwasser ist im Vergleich zu Speicherkraftwerken gering. Deswegen müssen keine hohen, nicht in die Landschaft passenden, Staumauern gebaut werden. Laufkraftwerke sind ununterbrochen in Betrieb. Bei Speicherkraftwerken muss zuerst Wasser zu einem See gestaut werden. Um dies zu erreichen, sind in der Regel hohe Mauern notwendig. Das so gestaute Wasser wird dann in Druckrohren nach unten auf die Turbinen geleitet.

Zum Schluss

Nachdem doch recht anstrengenden Rundgang, Treppen hinauf, Treppen hinunter und dem spektakulären „Wasservorhang“ (Herr Schüepp liess dafür extra eine Klappe öffnen – es war fast etwas unheimlich!), bedankte sich Rita Staubli für die interessante und informative Besichtigung. Überraschenderweise wurden wir dann von Herr Schüepp noch mit einem Schlusstrunk verwöhnt.

Den definitiven Schlusspunkt bildete dann aber die gemeinsame Kaffeerunde im nahe gelegenen Restaurant JoJo, wo man das Erlebte (und vieles andere!) nochmals Revue passieren liess. Ein wiederum schöner und von Freundschaften geprägter Nachmittag fand so sein gutes Ende.

 

Duri Danuser, 5610 Wohlen

 

  

Kommentare

Bild des Benutzers Friedrich Kühnold

Der Teamchef

sagt ganz herzlichen Dank für die gute Organisation und diesen sehr gut verfassten Bericht. Ich sehe, es geht auch ohne mich und das ist beruhigend. Bin nur kurz zu Hause, denn vom 09. bis 16. September bin ich nochmals abwesend.

Ich bedaure sehr, dass ich an dieser Besichtigung nicht dabei sein konnte.

Mambo

Mambo (Friedrich Kühnold)