Frischer Witz und Übermut bei Barbara Frischmuth
In ihrem neuen Buch "Die Kuh, der Bock, seine Geiß und ihr Liebhaber"nimmt die österreichische Schriftstellerin Barbara Frischmuth die Tierwelt aufs Korn – oder doch eher die Menschen, die "auf den Hund gekommen" sind? Denn es sind die unzähligen sympathischen und lästigen menschlichen Eigenschaften, die sich hinter Ausdrücken wie "Katzenjammer" oder "Affenliebe", Redewendungen wie "jemanden zur Sau machen" oder Sprichwörtern verbergen. Von diesen läßt sich die Autorin inspirieren. Sie jongliert virtuos mit unserer "tierischen" Sprache und läßt daraus absurde Tier-, pardon, Menschengeschichten entstehen.
Die Titelgeschichte schildert Szenen einer Aussteiger-Kommune auf dem Land, die sich mit den Konflikten zwischen den Idealen autarker Lebensführung und den Tücken der Realität auseinandersetzen muß: "Was soll's", sagte die Kuh, die am Herd stand, "von einem Ochsen kann man nicht mehr verlangen als ein gutes Stück Rindfleisch." (S.7)
Das Kapitel "Ganz Fuchs und ganz Gans" handelt von einem ungleichen Paar, dessen Schwierigkeiten Frischmuth mit umwerfender Komik beschreibt: "Es fuchst die Gans, daß der Fuchs wieder einmal seinen Schwanz nicht bergen kann, und der Fuchs kriegt eine Gänsehaut, weil die Gans einem anderen Fuchs beichtet." (S.29) Dieses prickelnde Liebesverhältnis nimmt schließlich ein dramatisches Ende.
Auch der Hahn kriegt sein Fett ab in "Du lieber Gockel"; und jeder kann sich dazu ein Beispiel aus seiner Bekanntschaft vorstellen. – In all diesen Geschichten ist nicht alles ganz ernst zu nehmen! Zu Komik gehört eben auch ein Schuß Nonsense!
Eher liebevoll-ironisch zeichnet Frischmuth das Kamel "Der Trampel" und seine Lebensumstände. Wie der Titel vermuten läßt, trampelt da einer ganz kräftig auf den Nerven seiner Mitmenschen herum.
Ein Buch für Tierliebhaber und Menschenfreunde, ganz in der literarischen Tradition österreichischer Ironie geschrieben; die 18 nicht sehr umfangreichen Kapitel sind mit Genuß zu lesen. Die witzigen Graphiken von Wouter Dolk passen perfekt zu den Geschichten.
Barbara Frischmuth ist vielleicht in der deutschen Schweiz etwas weniger bekannt als in Österreich oder Deutschland. 1941 in Altaussee (Steiermark) geboren, wo sie seit einigen Jahren wieder lebt, studierte sie Türkisch, Ungarisch und Orientalistik, bevor sie sich zur unabhängigen Existenz einer Schriftstellerin entschloß und begann, Romane zu schreiben ("Die Entschlüsselung", "Der Sommer, in dem Anna verschwunden war" u.a.). Daneben hat sie drei literarische Gartenbücher geschrieben, die ebenfalls viel Beachtung gefunden haben. Für ihr literarisches Werk und ihre Übersetzungen hat sie zahlreiche Preise erhalten.
Barbara Frischmuth
Die Kuh, der Bock, seine Geiß und ihr Liebhaber
mit 19 Graphiken von Wouter Dolk
Aufbau Verlag Berlin 2010
ISBN 978-3-351-03297-5
Foto: © Herbert Pirker
Hier können Sie sich über die Autorin informieren.
Die Universität Graz hat 2007 ein Spezialdossier mit Beiträgen renommierter Literaturwissenschaftler über Barbara Frischmuth veröffentlicht (im Droschl-Verlag erschienen).