Gesundheit

Die Kunst des Lebens

Die Kunst des Lebens

 

Eine Erzählung von

Marlen Piccirillo

 

 

Sabine Dürst spaziert durch den Spitalkorridor. Vorbei am Reinigungswagen und dem jungen Mann, der sich mühsam an Krücken vorwärts bewegt. Sie ist total deprimiert und setzt sich ins Aufenthaltszimmer. Zum Glück ist sie alleine. Sie blättert in einer Zeitschrift, hängt aber ihren Gedanken nach. Nach der Matura vor zwei Jahren der mühsame Kampf mit ihren Eltern wegen des Studiums. Für sie kam nur die Malerei in Frage. Sie hatte sich über lange Zeit damit befasst. „Brotlose Kunst“, meinten ihre Eltern und plädierten für etwas Vernünftiges wie Jura oder Betriebswissenschaften.

Eine schwierige Zeit, bis nach endlosen Bewerbungen, Kopien und Anträgen der Bescheid für ein Stipendium kam: dabei eine Unterkunft im grossen Studentenwohnheim in der Cité–Universitaire. Da kapitulierten auch ihre Eltern. Start am ersten April in dieser aufregenden Stadt ihrer Träume, den Gedanken an eine grosse Karriere und der Hoffnung, dass die Muse sie küssen würde. 

Der Alltag sah leider nicht so rosig aus. Viele Stunden straffer Schulung, Hochs, aber auch Tiefs lernte sie kennen, tolle Kameradschaft, aber auch Neid, wenig Geld und triste Stunden im kleinen, muffigen Zimmer. Daneben die Höhepunkte mit Besuchen im Louvre mit den einzigartigen Gemälden, der Venus von Milo, dem Lächeln der Mona Lisa, Van Goghs Landschaften und Monets zarten Farben in den berühmten Seerosengemälden. Da kann man nur bewundern und staunen und sie alle geben wieder Mut für die Zukunft.

Sie erinnert sich an die romantischen Ausflüge mit Pierre, dem Kunststudenten, an die Seine, auf den Montmartre, zum kleinen Cafe, die Menschen beobachten und diskutieren über Gott und die Welt. Über die Champs-Elysées bummeln und sich eine Louis Vuitton–Tasche am Arm vorstellen.....

Sie denkt an Toulouse-Lautrec, den kleinwüchsigen, traurigen Maler und genau so fühlt sie sich. Alle Träume, Hoffnungen und Wünsche sind durch  diesen schlimmen Unfall zunichte gemacht. Die zerquetschte Hand, die nie mehr einen Pinsel führen kann, ein tragischer, endgültiger Einschnitt in ihrem Leben.

Und doch, die grösste Kunst ist es, mit einer Krankheit oder Behinderung zu leben und all die Schönheiten, die das Leben bietet, trotzdem zu sehen und zu lieben.

Kommentare

Bild des Benutzers Feschtbrueder

Köpfen

Irgendwo habe ich die Mona Lisa etwas "aufgebrezelt" gesehen. Jetzt frage ich mich, warum man ihr auch noch den halben Kopf abschneiden muss? :-((

Die Geschichte gibt mir zu denken.

Bis Bald!-Smilie Humor ist, wenn man trotzdem lacht!