Leben

No Happy Ending

No Happy Ending

 

Das Leben hat kein Happy End. Ein Happy End ist für uns nicht vorgesehen – für niemanden von uns. Aber spielt das eine Rolle? Würde ein Happy End denn Sinn machen? No Happy Ending – das ist eine anthropologische Grundvoraussetzung, verschleiert von ein wenig Hoffnung. Tausende von Jahren der Geschichte zeigen diese Offensichtlichkeit. Wir müssen lernen – und wir müssen leiden, damit wir lernen. Auch wenn wir scheitern – und wir werden letztlich scheitern, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche –, so müssen wir dennoch versuchen, das Richtige zu tun. Was aber ist das Richtige? Unmöglich, es zu wissen. Das Authentische vielleicht – oder, um ein altmodisches Wort zu gebrauchen, das Wahrhaftige. Es hat etwas mit Ehrlichkeit zu tun (auch ein altmodisches Wort) – aber nicht mit Ehrlichkeit anderen gegenüber (das wäre Rücksichtslosigkeit), sondern mit Ehrlichkeit zu sich selbst. Mehr kann man im Leben wohl kaum erreichen, und es ist jämmerlich wenig. Aber mit dieser Einsicht fängt diese Art von Ehrlichkeit wohl an. Wenn ich nun noch die Eitelkeit, die selbst in dieser Ehrlichkeit steckt, ausräumen könnte, hätte ich wahrscheinlich einen ersten Schritt getan – einen bescheidenen ersten kleinen Schritt.
 

Kommentare

No Happy Ending

 

 

Wie wahr! Ein herrlicher Beitrag.

Bild des Benutzers agathepetignat

Ehrlichkeit

 

Diesen Artikel habe ich nun mehrmals gelesen, da ich ihn nicht auf Anhieb verstehen und nachvollziehen konnte.

 

Dass wir hier eine Rolle spielen, ja, so sehe ich das auch.

 

Aber mit der Ehrlichkeit, das ist jetzt für mich eine Erweiterung. Dass Ehrlichkeit andern gegenüber Rücksichtslosigkeit sein könnte, auf das wäre ich nicht gekommen. Aber das könnte stimmen. Da muss ich  noch etwas darüber nachdenken.

Die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber nimmt einen anderen Stellenwert ein. Ist das Ergebnis Vertrauen? Selbstvertrauen? Ja, das könnte wohl sein. Ein schöner Gedanke!

 

Vielen Dank für den Anstoss.

Bild des Benutzers Hanspeter Zgraggen

Aufgabe zu Erfüllen - das ist das Ziel

Vermutlich hast Du Recht mit Deinen Gedanken - und je älter wir werden kommen solche Gedanken wohl immer öfter und stärker.

Ich habe in meiner frühester Jugend 2-3x mit meiner Mutter das Einsiedler Welttheater ansehen - damals müssen; War für mich als kleiner Knirps eher langweilig. Später dann wurde ich ein Fan von dem Stück.

Es hat mich gelernt, dass der Reiche nicht zwingend in den Himmel und der Arme in die Hölle kommt - aber auch nicht zwingend umgekehrt.

Was ich dort für mein ganzes Leben (und ich hoffe auch für den Rest) mitgenommen habe, ist das Bild, dass wir alle eine Rolle bekommen - die wir nun nach bestem Wissen und Gewissen in diesem Welttheater zu spielen haben. Gerichtet wird dann, wie ich/Du diese Rolle gespielt hast.

Vor diesem Hintergrund konnte ich oft Bitterkeiten besser schlucken, Unrecht Unrecht sein lassen und Unerreichte Ziele weniger negativ empfinden. Ich musste und muss nicht mehr werten: Ich weiss nun - auch der Verbrecher, der Polizist, der König und der Bischof, der Kranke, der Sieger und der Besiegte haben eine Rolle zu spielen - und kann sie in aus meiner Sicht als gute oder weniger gute Rollenspieler einordnen.

Bild des Benutzers ulla

No happy end

Gute Gedanken! Doch weil wir schwache kleine Wesen sind, spielen wir wohl so gerne mit dem Gedanken an ein "happy ending" - wohlwissend, dass die Tage der Märchen endgültig vorbei sind.
Gruss Ulla