Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland gelten die Grünen als Partei, welche die nachhaltigste Politik betreibt, während SVP bzw. FDP auf diesem Feld ganz schlechte Noten erhalten. Insgesamt bestehen in beiden Ländern starke Defizite in Sachen nachhaltiger Politik, wobei die SchweizerInnen etwas genügsamer erscheinen.
Das sind die Ergebnisse einer Online-Befragung, welche die gemeinnützige Stiftung spirit.ch – Für Nachhaltige Lebensqualität, im September 2011 durchgeführt hat. Teilgenommen haben rund 250 Personen, je etwa zur Hälfte aus Deutschland und der Schweiz. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, wohl aber für den am Thema Nachhaltigkeit besonders interessierten Sauerteig der Gesellschaft.
Gefragt wurde unter anderem, als wie nachhaltig man die Politik der einzelnen Parteien empfände. Die Ergebnisse – in den beiden Ländern getrennt erhoben, sind eindeutig:
Fazit: Die Grünen gelten in beiden Ländern als Spitzenreiter, die Sozialdemokraten wirken in der Schweiz viel nachhaltiger als in Deutschland, und in beiden Ländern gibt es mit SVP bzw. FDP ein klares Schlusslicht.
Nachhaltige Politik zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit besteht eine große Diskrepanz, wenn es um eine nachhaltige Politik in den beiden Ländern geht. Danach wurde in drei Fragen gefragt:
Wie wichtig wäre es Ihnen persönlich, dass die Politik in Ihrem Land nachhaltige Ziele und Werte verfolgt? / Und wie nachhaltig ist die Politik in Ihrem Land – verglichen mit einem Idealzustand – tatsächlich, wenn Sie alles in allem nehmen? /Welchen Wert für die Politik in Ihrem Land werden Sie wohl in zehn Jahren wählen?
Die Notwendigkeit einer nachhaltigen Politik ist völlig unbestritten, wobei der Wert in Deutschland deutlich höher liegt als in der Schweiz. Umgekehrt ist die tatsächliche Zufriedenheit (Ist-Zustand) in Deutschland deutlich tiefer. Verstehen wir Unzufriedenheit als Differenz wischen Soll- und Ist-Einschätzung, so beträgt diese Unzufriedenheit in Deutschland 4.9 Punkte, in der Schweiz dagegen „nur“ 3.5 – ein beträchtlicher Unterschied, über dessen Ursachen vorläufig nur spekuliert werden kann: Hat man in Deutschland generell höhere Ansprüche als in der Schweiz? Herrscht in der Schweiz ein Klima der Genügsamkeit? Oder liegt es am kulturellen Unterschied, wonach sich Deutsche immer etwas direkter ausdrücken als Schweizer und deshalb auch bei einer Skala zu stärkeren Ausschlägen neigen? Wir bleiben dran.
Völlig einig sind sich beide Länder dagegen bei der Zukunftsprognose: In zehn Jahren wird die Politik deutlich nachhaltiger sein als heute – noch nicht wirklich auf einem befriedigenden Niveau, doch unterwegs in die richtige Richtung...
Mehr dazu finden Sie auf www.spirit.ch