Kultur

Das Lächeln am Fusse der Tonleiter

Das Lächeln am Fusse der Tonleiter

Was Musik für die Gesellschaft bedeutet –Daniel Fueters cantus firmus!

 

 

 

Daniel Fueter

Komponist von Bühnenmusik, Musiktheater, konzertanter Vokal- und Instrumentalwerke; gesuchter Liedbegleiter, seit 1973 musikpädagogisch und administrativ in verschiedenen Funktionen tätig – das und viel mehr ist Daniel Fueter.

Er ist auch ein weit herum bekannter Referent. Er spricht an Anlässen und vor Fachpublikum wie vor musikalischen Laien über die Unentbehrlichkeit der Musik, über das mannigfach akzentuierte Verhältnis von Musik und Gesellschaft.

Die Texte in seinen Büchern sind fast ausschliesslich solche Referate. Schon vor „Das Lächeln am Fusse der Tonleiter“ ist 2007, auch bei rüffer & rub in Zürich, „Kontrapunkte und Koloraturen“ herausgekommen.

„Immer nur lächeln“ - ?

Der Titel stützt sich auf die Überschrift einer Erzählung von Henry Miller, „Das Lächeln am Fusse der Leiter“. Doch Daniel Fueter als hoch gebildeter Musiker und Zeitgenosse nimmt die Welt nicht ausschliesslich mit einem milden, verständnisvollen Lächeln auf den Lippen wahr. So wie er den Titel seines Buchs mit einem Zitat verknüpft, erfährt man ihn, seine Texte lesend, als Meister des Verknüpfens. Die verschiedensten Fakten und Gedanken, die von Grossen des Geistes unserer Welt formuliert worden sind, bieten ihm Eckpfeiler, Widerlager für die Brücken seiner Überlegungen. Diese sind messerscharf intelligent, sie sind aber auch tief lotend im Reich von Emotionen und Intuition. Sie öffnen ihr Visier unerschrocken, auch wenn sie die bekannten heutigen Utilitaristen treffen, für die Bildung ohne Musik auskommen soll. Doch sie zeugen nicht nur von philosophischer, literarischer Allgemeinbildung, sondern immer wieder auch von Bildung des Herzens. Eines starken Herzens, das für seine Überzeugung einsteht und sie nicht in gescheiten Floskeln oder eben hinter einem Lächeln verbirgt.

Lesen statt zuhören

Die Referate Daniel Fueters anzuhören – was für ein besonderes Vergnügen muss das jeweils gewesen sein! Doch kann ich mir nicht vorstellen, dass seine Verknüpfungen und Schlussfolgerungen spontaner zu Herzen gehen könnten, als wenn man hinter den Zeilen, die man liest, der Worte lebendige, anschauliche Kraft spürt. Vielleicht wird sogar der Reichtum des vernetzten Denkens und auch Beurteilens durch den geschriebenen Text noch fassbarer, verständlicher.

Ein Lesebuch

„Übrigens: wir mussten uns bei der Herausgabe für eine Reihenfolge der Texte entscheiden. Verbindlich für die Chronologie der Lektüre aber ist allein die individuelle Lust und Laune der geneigten Leserinnen und Leser.“
So endet das Vorwort. Daran habe ich mich gehalten und es ist die beste Methode des Lesens mit wachem Interesse, ja mit Lust – so wie seinerzeit und auch heutzutage in Lesebüchern.

Herausgegriffen: einzelne Kostbarkeiten

Fueters Texte, keine Frage mehr, regen zum Nachdenken an. Wer auch ein wenig an Musik, Literatur, Philosophie und Kultur im Allgemeinen geschnuppert hat, wird sich bestätigt finden – oder auch nicht. Wo nicht, bieten die Überlegungen des Autors genügend Argumente, um die eigene Haltung oder Meinung neu zu definieren oder sie daneben zu bewahren.
Im Text mit dem gleichen Titel wie der des Buchs unterscheidet Daniel Fueter vier Kategorien von Musik. Eigenwillig! Doch höchst herausfordernd. Mit dem Finden eigener Beispiele werden diese Kategorien jedoch einsichtig; man gibt dem Autor Recht. (1. höfliche Musik, 2. unbeschwerte Musik, 3. Musik des Helldunkels und der Wehmut, 4. Musik des Abschieds.)
Beifällig nimmt man auch, in einem anderen Text, die Formulierungen über Augenhöhe, Boni und das Auslichten von „Human Resources”auf. Oder über Körpersprache, Körperkult, vernachlässigter Körper und die Körpererfahrung beim Musizieren.

Und vieles mehr...

Ich gestehe, viele der Texte haben mich näher berührt, angerührt, als ich es geahnt hätte. Viel Neuem bin ich begegnet. Das Lesen – in jedem Fall ein Gewinn.

Das Buch

Daniel Fueter:

Das Lächeln am Fusse der Tonleiter

Betrachtungen zu Musik und Gesellschaft

rüffer & rub Sachbuchverlag
Zürich 2011

ISBN 978-3-907625-55-2

www.ruefferundrub.ch