Kultur

Der "Taubenvergifter" Georg Kreisler ist tot.

Der "Taubenvergifter" Georg Kreisler ist tot.

Der österreichische Kabarettist Georg Kreisler, der Meister des bissigen, schwarzen Humors ist tot. Der Texter, Musiker und Satiriker starb am letzten Dienstag im Alter von 89 Jahren in einem Spital in Salzburg. Er lebte lange in Basel. Hier nochmal einen seiner Klassiker: "Bidla Bu" oder "Schöne Frauen". Auf youtube gibt's noch mehr!

Kommentare

Bild des Benutzers Bernhard Schindler

Maniriert statt mariniert

Da ist mir ein Lapsus passiert - vermutlich weil ich gerade an einer Rezension eines Kochbuches war - Kreisler war natürlich "nie maniriert", nicht "mariniert"...

 

Bild des Benutzers Bernhard Schindler

Ein tiefgründiger und tief auslotender Mensch

Ich hatte mehrmals Gelegenheit, Georg Kreisler auftreten zu sehen. Es war immer wieder ein neues Erlebnis. Selbst wenn er nach vierzig Jahren noch einmal - auf Wunsch des Publikums - Tauben vergiften ging im Park, schien es, als ob er eine neue Fassung geschrieben habe.

Kreisler war der "Makaber-etist" par excellence. Dabei war er nie mariniert: Er sang seine Gruselgeschichten nicht um des Gruselns willen, er lotete in die Seelen seiner Zuhörer, und da kam, Gott sein Dank merkte er es nicht (oder merkte er es doch, und ging umso zufriedener nach Hause?) einiges über mich selber zu Tage, was ich gern unter den Teppich gewischt hätte.

Wenn er von Gelsenkirchen sang oder vom Wien ohne Weaner, dann sah man die Städte vor sich: die Ruhr-Stadt in ihrem ganzen Dreck und Wien in der Zuckerbäckerarchitektur, die so echt ist wie die Zuvorkommenheit der Österreicher.

Bezeichnend, dass Kreisler, dem die Nazis die Staatsbürgerschaft stahlen, auch n ch dem Krieg nie wieder Österreicher wurde. Vielleicht wollte er nicht. Aber wenigstens eine Art Ehren-Staatsbürgerschaft hätten ihm ein Kreisky oder jemand anders verleihen können.

Seine Stimme ist verstummt, sein brillantes Klavierspiel soll ihm erst einer mal nachmachen. Aber ich bin überzeugt, dass ihn Kurt Tuholsky im Himmel oben zu einer Galavorstelung vor allen himmlischen Heerscharen einladen wird.

Und dann singt er, selber auf einem improvisierten Piano begleitet, von den Tauben, von den schönen Frauen, von den Wienern, vom Schimpfwort "General", von den Polli-tickern und den Musik-Kritikern.

Der Herrgott, ist in der Himmelspost zu lesen, soll Tränen gelacht haben, obwohl er ein schlimmes Würgen im Hals verspürte. Waren die von ihm "nach seinem Bild" geschaffenen Menschen tatsächlich so schlimm?

Georg Kreisler wird sich dann aber bereits wieder auf Tournee befinden und vielleicht sogar das Inferno besuchen, das die Machtbesessenen zu Lebzeiten dieser Welt  beschieden haben. Möglich, dass sie sich wiedererkennen. Aber wahrscheinlich empfinden sie Kreislernur als störenden Schmutzfleck, der so gar nicht zu der Götterwelt der Rechten und Superrechten und Unge-Rechten passt.

 

VIP, Georg Kreisler