Kultur

Venedig-Buch mit „added value“

Venedig-Buch mit „added value“

François Loebs 31 Short Stories aus der Lagunenstadt.                           

Der 1940 geborene Berner François Loeb war lange Zeit Chef des gleichnamigen Kaufhauses, das sein Urgrossvater gegründet hatte, und er sass für die FDP im Nationalrat. Dass er neben Politik und Unternehmertum auch eine künstlerische und insbesondere eine literarische Ader hat, war seinen Bekannten und Verwandten wohl präsent, doch seine jeweils 24 „Geschichten, die der Zirkus, der Bahnhof oder der Fussball geschrieben hat“ waren wohl Kennern, aber keinem grösseren Publikum bekannt. Seine nun 31 Geschichten aus Venedig unter dem Titel „Der Organist von San Marco“ könnten jetzt den Durchbruch zu einer grösseren Leserschaft bedeuten, denn sie sind gleichermassen spannend und hintergründig, teils deftig, teils liebevoll und immer humoristisch in einer beinahe wehmütigen Abart der Satire.

Zudem weisen sie einen Mehrwert, einen „added value“ auf, der zu verdanken ist.

Das Wunder von San Marco

Die Titelgeschichte handelt von einem Buben der Lagunenstadt im 16. Jahrhundert, der nicht wie sein Vater Bootsbauer werden möchte, sondern das hohe Ziel der Ausbildung zum Organisten vor Augen hat. Jeden Tag beobachtet er, wie der Organist von San Marco mit seinen vier Schülern exakt zur Zeit der Türöffnung des Gotteshauses den Dom betritt. Einmal ist er mutig genug, sich der Gruppe anzuschliessen und so auf die Empore zu gelangen, wo die Orgel von den Schülern geputzt und die Tastatur gepflegt werden. Bevor der dazu vorgesehene Schüler seine Arbeit beginnen kann, ist der Junge bereits dabei, die Tasten zu wischen. Da erwischt ihn der rechtmässige Tastenpfleger und beschimpft ihn, was den Buben auf die Idee bringt, nichts zu verstehen, sich stumm und taub zu stellen. Von seinem Gegner zum Lehrer geschleift, erkennt dieser, dass der Bub offensichtlich Spass hat an dieser Arbeit und lässt ihn fortan die Tasten putzen. Zusammen nehmen sie in der Kirche ihr Mittagsmahl ein und bald gehört der Taubstumme zum Team.

Dem von seiner Jugend erzählenden Jungen fällt die Rolle nicht leicht, zwar kann er sich stumm verhalten und die Worte seiner Kameraden ignorieren, doch die Musik zieht ihn in Bann und oft verrät er sich beinahe. Und dann ist seine Zeit geklommen. An einer Messe speziell für das Dom-Personal am 6. Dezember erzählt der Priester vom Heiligen Nikolaus, der Wunder habe vollbringen können. Da sinkt der Junge in sich zusammen und ein gewaltiger Schrei löst sich aus seiner Brust – ein Wunder, wie alle meinen, mit einem Mal kann der Junge hören und auch langsam zu reden beginnen. Der Knabe, der sich verhält wie ein eben sprechen lernendes Baby, wird nun in die Schar der Schüler aufgenommen und darf seine Organistenlehre antreten.

Geschichten der Lagunenstadt

Die Geschichten, die François Loeb aus den Gassen, den Kanälen und den Palazzi Venedigs heraushörte und aufschrieb, spielen teilweise in der Vergangenheit der Dogenstadt, teilweise in der Jetztzeit. Loeb spielt virtuos auf der Skala der kurzen und bündigen Literatur. Er verfasst Kurzgeschichten, Short Stories und Short Novels, wie wir sie im deutschsprachigen Raum kaum mehr finden. François Loeb kennt Venedig wie seine Westentasche. Wer die Donna-Leon-Krimis und ihre Verfilmungen liebt, findet bei Loeb Plätze und Kanäle wieder, die er schon kennt, die aber von ihm mit einem ganz anderen Lebensodem gefüllt sind.

Mehrwert auf der letzten Buchseite

Der Organist von San Marco„Der Organist von San Marco“ ist ein lesenswertes Buch, ein Kleinod verschmitzter Liebe zu einer in der Lagune beinahe absaufenden Grossstadt. Überraschend hat das Buch aber auch für den Käufer einen Mehrwert: François Loeb, der Schriftsteller und perfekte Marketingmann schenkt auf der letzten Seite des Buches einen Gutschein im Wert von 100 Franken „bei Buchung eines Venedig-Arrangements im 4*-Hotel Al Mori d’Oriente inkl. Bahnreise“. Zum Selber-Kennenlernen der Reize Venedigs, gültig ab sofort bis zum 31. Dezember 2012. Beratung und Buchung direkt bei railtour oder im SBB-Reisebüro.

François Loeb, „Der Organist von San Marco“, Prospero-Verlag, ISBN 978-3-941688-19-3

Teaserbild: Schattenriss über Venedig auf Railtour-Gutschein. Umschlaggestaltung Thorsten Hartmann.

Kommentare

Bild des Benutzers SchubertG

Venedig La Bella

Fritz Vollenweider schrieb:

Lieber Bernhard, Dank und Gratulation für diese Würdigung. Das Buch habe ich bis jetzt noch nicht lesen können. Vor allem auch, weil ich Elke Heidenreichs Venedig-Buch seit dem 26.12. kaum aus der Hand legen kann.

Im Sinne der angestrebten Interaktivität werde ich den Text, weil ich ihn hier nicht anfügen kann, separat in meinem Blog veröffentlichen.

Herzlichen Dank, Herr Vollenweider, für die Gedanken, an denen ich teilnemen durfte und für die damit verbundenen Leseanstöße.

Ich werde beide Bücher lesen, auch das von der Elke Heidenreich, - als Vergleich zu meinen eigenen vielgestaltigen Erlebnissen in der Lagunenstadt. Denn ich habe selbst viele Jahre meines Lebens in einem Palazzo am Canale Grande verbracht, habe in dieses Venedig hineingehört und hineingefühlt und bin mit ihm verwachsen. Seit dieser Zeit trage ich selbst ein Päckchen Venedig-Schicksal mit mir herum. Dieses aufzuschreiben bin ich gerade dabei.

Nochmals herzlichen Dank, Rose Marie Schubert

Bild des Benutzers Fritz Vollenweider

Venezia la Bella

Lieber Bernhard, Dank und Gratulation für diese Würdigung. Das Buch habe ich bis jetzt noch nicht lesen können. Vor allem auch, weil ich Elke Heidenreichs Venedig-Buch seit dem 26.12. kaum aus der Hand legen kann.

Im Sinne der angestrebten Interaktivität werde ich den Text, weil ich ihn hier nicht anfügen kann, separat in meinem Blog veröffentlichen.