Geschichten begleiten uns durch das ganze Leben. Fremde und eigene, wahre und erfundene, wunderbar schöne und grauslig erschreckende ..... Solche die unserem Herz gut tun, oder unserem Kopf, oder auch nur für eine gewisse Zeit unsere Aufmerksamkeit umgarnen.
Die Gruppe 'Mit Freude eigene Texte schreiben' hier im SW hat eine Leserschaft und gut drei Dutzend Mitglieder, ein vorwiegend wohlmeinendes Publikum ist also da. Die SchreiberInnen sind leider noch etwas 'dünn gesäht', obschon es mit Sicherheit viele ErzählerInnen und gute, schöne, spannende, herzergreifende, dramatische .... Geschichten gibt, die hier Platz finden könnten.
Ein Fixpunkt für das Jahr
2012 sind nun Kurzgeschichten. Wie kurz ist eine Kurzgeschichte? Experimentell gerafft: 4-6 Sätze --- detalliert und minuziös beschrieben: 1 bis 2 Seiten A4. Kurze Geschichten die mehr Platz beanspruchen können als Anhang (pdf, doc) an den Blog angefügt werden. Das Thema ist absolut frei wählbar.
Machst Du mit? (Den Mutigen gebührt der Erfolg)
Ein Infoblatt dazu im Anhang, zum ausdrucken und weitergeben !
Kurzgeschichten sind im deutschsprachigen Raum leider völlig ausser Mode gekommen. Es gibt, glaube ich, keine Zeitung mehr, die Kurzgeschichten veröffentlicht. Das war früher ganz anders.
Ich erinnere mich an Kurzgeschichten von Tschechow, von E.A. Poe, von O'Henry, N.O.Scarpi (unter diesem Pseudonym schrieb François Bondi während des Krieges, weil er als politischer Flüchtling keine Arbeitserlaubnis in der Schweiz hatte). Noch wird die Kunst der Short Story im angelsächsischen Raum gepflegt. Die besten erschienen früher im Playboy und im New Yorker.
Kurzgeschichten können sehr kurz sein, wie die hier folgende. Aber auch bis zu drei Schreibmaschinenseiten lang. Sie sollten amusant sein oder tragisch, einen kurzen Einblick in ein Leben geben oder eine Geschichte erzählen.
Ich wills hier einmal versuchen
Kürzestgeschichte
Ein Mann starb und kam in den Himmel. Dort verlangte er, Gott zu sprechen. Dieser gewährte ihm eine Audienz.
Der Mann fragte: "Lieber Herrgott, war das alles? Ich wurde geboren, hatte eine mässig gute Jugend, und dann krampfte ich gemäss Deinem Befehl: Im Schweisse Deines Angesichts sollst Du... Und an meiner Arbeit ist meine Ehe gescheitert. Meine Kinder vermissten den fürsorglichen Vater, der Zeit für sie hatte. Und jetzt bin ich da. Und frage noch einmal: War das wirklich alles?"
Gott sah gnädig zu dem Mann und sagte: "Ja, das war alles. Aber um meinetwillen, warum hast Du daraus n icht mehr gemacht?"
"Was hätte ich denn machen können?" fragte der Mann.
"Du hättest wenigstens Freude haben können an Deinem Beruf, an Deinem Stress, an Deiner Frau und an Deinen Kindern."
"Das einzige, woran ich Freude hatte, war mein Kegelverein, den ich wöchentlich einmal aufsuchte. Dort haben wir Bier gesoffen und Kegel geschoben. Und wenn ich nach Hause kam, war meine Frau bereits eingeschlafen. Und die Kinder schliefen. Und ich schlief. Und am andren Morgen hatte ich Kopfweh."
"Ja, dann..." sinnierte Gott. "Sag mal, lebt Deine Frau noch?"
"Nein, sie ist letztes Jahr gestorben -"
"Das ist gut," lächelte der Herr. "Dann ist sie auch da und Du kannst mit ihr ganz von vorne nochmals anfangen."
"Mein Gott" stöhnte der Mann. "Ich meinte ich sei im Himmel?"
"Bist Du ja auch, mein Freund" schmunzelte Gott.
Da führte ein Engel den Mann zu seiner Frau. Die weinte bitterlich. "Oh Mann", sagte sie. "Ich habe Dich betrogen und die Kinder schlecht erzogen. Ich wusste, dass ich in die Hölle kommen würde. Aber dass Du mein Obertzeufel werden sollst - ist das nicht eine gar zu harte Strafe?"
Der Herr lächelte und wandte sich anderen Geschöften zu.
Amen
Eine kurze Januar-Rätsel-Geschichte
Für die Einen ist es rabenschwarz und regelmässig wieder da, und klar, natürlich unerwünscht. Dazu kann es gross sein und echt lebenswidrig, bei allem alltäglichen Tun stehts im Weg, manchmal gar unumgehbar.
Für Andere ist es kaum ein Schatten, oder überhaupt gar nicht da, nicht eine Spur davon macht denen das Leben verdriesslich.
Trotzdem, alle reden davon --- es wird zitiert, kommentiert, als althergebracht erachtet und auch herbeigeredet. Und, es geistert in vielen Köpfen herum, als böse Voraussicht, als schlechtes Schicksal ... sollte es denn eintreffen.
Es wird aber auch gezielt benutzt, als verführerische Aufforderung zum Beispiel, für alle diejenigen die davon wenig oder gar nichts spüren ...“ jetzt ist dein Moment, pack ihn, er kommt vielleicht nie mehr wieder ... !“
Von was ist hier die Rede - weisst du's ?