Liebe Kashya Hildebrand,
Ihre „an das Schweizer Volk“ gerichtete Entschuldigung auf SF1 hat mich genervt.
Wofür müssen Sie sich entschuldigen? Dafür dass Sie über eine ausgezeichnete Ausbildung verfügen, sich in der Finanzbranche auskennen und ihr Wissen angewendet haben in einem Rahmen, der im Arbeitsbereich ihres Mannes bis vor kurzem nicht klar definiert war? Gewiss, die SNB soll ein Reglement erstellen, um Missbräuche zu verhindern.
Der finanzielle Gewinn, den Sie erzielt (und an die Berghilfe weitergegeben) haben, deckt wohl für all die Grübels, Ospels und Blochers kaum die Anschaffung eines neuen Autos, und diese Familien können sich krumm lachen bei Gedanken, wie ein Knochen mit so wenig Fleisch dran auf dem Schweizer Medienparkett und auf der politischen Bühne so viel Aufruhr in eine Meute sensationslüsterner Hunde gebracht hat.
Dass wir dabei ihren Mann als Nationalbankpräsidenten verloren haben, das ist ein unschätzbarer Verlust.
Mit den Anklagen und den Informationen über Ihr Steueraufkommen, Ihre Pensionskassenrücklagen und andere private Daten scheinen wir zu einem Staat zu mutieren, wo denunzieren zu einem löblichen Verhalten stilisiert wird.
Dazu kommt die abwertende Haltung gegenüber Frauen. „Hildebrand hat seine Frau nicht im Griff“, erklärte der Glarner Politiker This Jenny in der Sendung Arena vom letzten Freitag.
Für diese Feststellung möchte ich bei Ihnen, Frau Hildebrand, im Namen von mir und von allen Schweizer Frauen entschuldigen: Es ist nicht so, dass wir Schweizerinnen die eigene Meinung aufgeben, wenn wir heiraten. Und uns den Männern unterordnen und akzeptieren, dass sie uns in den Griff nehmen und uns den Tarif dazu erklären, was wir zu tun und wie wir uns zu verhalten haben.
Das ist nicht so, trotzdem viele Frauen gerade von Männern in höheren Positionen ein Recht auf eigene Berufsausübung verlieren, auch das Recht auf den eigenen Handel mit Aktien und Devisen. Und viele Frauen ihren Beruf aufgeben müssen, weil sich in der Schweiz Berufsausübung und Kinderbetreuung immer noch schlecht vereinbaren lassen.
„Du hättest doch deinen Mann informiert über eine grössere finanzielle Transaktion?“, wurde ich gefragt. „Vermutlich“, gebe ich zu, „andererseits wäre es ohne weiteres möglich, dass mein Mann die Devisen gekauft hätte, ohne es mir zu sagen“. Die Diskussionsrunde lobt mein Vertrauen in meinen Mann. Der zweite Fall, der gilt eben als normal in der Schweiz.
Liebe Frau Hildebrand, sie stammen aus einem islamischen Land. Wir haben angenommen, dass Frauen in diesen Ländern von ihren Männern unterdrückt werden und kaum eigene Rechte haben. Diese Meinung müssen wir ändern.
Ich vertrete die These, dass die islamischen Länder keinen wirtschaftlichen Aufschwung erleben werden, wenn ihre Frauen nicht gleichberechtigt mitarbeiten können. Die Schweiz auch nicht.
Bild: Helvetia auf Schweizerfranken-Münze (wikipedia)
Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Mich hat schon der Ausspruch von Herrn Hildebrand genervt, seine Frau sei halt eine starke Persönlichkeit (oder ähnlich). Irgendwie hat mir der Unterton nicht so gefallen.
Nun aber zur Gleichberechtigung: Da müssten auf der Webseite des Seniorwebs auch noch ein paar Kleinigkeiten korrigiert werden; z.B. die männliche Schreibweise "der Autor" eines Blogs, obwohl es sich erwiesenermassen um eine Autorin handelt. Wäre einfach zu korrigieren, hätte aber eine nicht unwichtige Wirkung. Die Sprache ist eine starke Meinungsmacherin und hat einen grossen Einfluss (hoffentlich) auf das Denken.
In diesem Sinne auf viele weitere Beiträge und Gedankenanstösse.
Monika Keller-Müller
kann ich diesem Bericht (fast) voll zustimmen - mindest zu den Themen Frau in der Gesellschaft, Frau im Islam und Stellung in der Familie, vorallem aber dass wir einen fähigen SNB Präsident durch Intrigen verloren haben.
Nur fand ich die Entschuldigungserklärung von Kasha eher süss und die entlockten mir gar eine Träne der Rührung: Sie als stolze, businessgestandene Frau zeigte Herz für ihren gebeutelten Mann - dem sie ohne Absicht soviel Ungemach bescherte.
Finanziell werden die Hildebrand das für sie eher kleine Jahresgehalt von 1 Million leicht verdauen - und Philippe wird mit grösster Warscheinlichkeit einen noch besseren Posten im Weltwährungszirkus bekommen - der Schaden hat das Schweiter Volk mit einem schmerzlichen Verlust - und einem hämischen "Chef" einer einst geachteten Partei.
Du schreibst mir aus dem Herzen, liebe Brigitte! Merci für diese Kolumne.
Deine Wort ins Gehör von gewissen Politikern!
Ich bedaure es sehr, dass Reaktionen "aus dem Volk" bei den Herren & Damen der SVP nur aufgenommen werden, wenn sie im Sinne der eigenen Ideologie sind. Damit verpufft der Unmut aller anderen Stimmberechtigten weitgehend erfolglos, denn bei den nächsten Wahlen ist vieles bereits so weit in den Hintergrund gerückt, dass viele Stimmbürger sich nicht mehr dazu aufraffen, ihrer Enttäuschung oder Empörung mit entsprechender Wahl der Volksvertreter Ausdruck zu geben. Schade, sehr schade, denn wir hätten es in der Hand, andere Parlamentarier auf allen Politebenen zu wählen! Im letzten Herbst regte sich der Widerstand immerhin so weit, dass das angestrebte Ziel der SVP nicht nur NICHT erreicht wurde, sondern die Anzahl der gewählten SVP Vertreter endlich ein bisschen zurückging. Ich bin eine Optimistin und hoffe, dass dies eine neue Bewegung anzeigt, die erstarken wird!
http://www.oph.ch