Hinweise und Diskussionen über altersrelevante Anliegen, Projekte und Initiativen sowie Kooperationen mit lokalen, kantonalen und nationalen Alters-Organisationen.
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meine fragen zum thema:
hat darin unter umständen auch das scheitern seinen platz? Der sisyphos macht es uns nachgerade vor. allerdings finde ich, dass die figur keine metapher fürs altern ist.
Schliesslich gilt im alter, wie überhaupt im leben immer auch das annehmen können, und dann kann es kein scheitern mehr genannt werden.
Dürfen wir also annehmen, dass auch das scheitern zum erfolgreichen altern gehört?
Und dass darüber auch geschrieben und geredet werden darf - auch, wenn es scheinbar nicht zum erfolg passt? Ziehen wir nicht auch aus dem scheitern etwas positives, sogar einen gewinn?
Gehört das scheitern denn nicht überhaupt zum Leben? Oder müssen wir es schamhaft totschweigen?
Answers
Das ganze Leben ist ein einziges Scheitern
Liebe rita amalin surber
Meiner Meinung nach ist die ganze Menschwerdung und damit das Modell homo sapiens gescheitert. Gescheitert, aber noch als Oldtimer in betrieb (mangels eines besseren Typs. Aber den bringen klevere Boiologen bestimmt eines Tages auf den Markt).
Das Schöne am Scheitern des Menschen ist, dass alle scheitern. Ich bin dann nicht so ganz allein. Und natürlich scheitern wir im Alter, jeden Tag ein bisschen mehr:D ie Puste geht aus, das Knie schmerzt, Ich enttäusche meine Frau. Eine wertvolle Vase fällt zu Bruch, weil ich so zittrig bin. usw.
Im Alter ist Scheitern vorprogrammiert und deshalb auch nicht dramatisch. Irgend wann gelingt uns dann der Sprung in das neue Leben, sprich den Tod.
Und wahrscheinlich geht dann alles wieder von vorne an.
Gruss Bernhard
PS: Geniert Dich Dein Scheitern? Schämen wir uns, wenn wir uns daneben benehmen?
Ich nicht. Das legen mir die einen als arrogant aus. Die andern finden irgend ein Tüpfelchen, das noch nicht gescheitert ist. Sarauf soll ich stolz sein.
Stolz hoffe ich dermaleinst sterben zu dürfen im Bewusstsein, ein ganz kleines Lichtlein gewesen zu sein, das man ab und zu leuchten sah.
Und lachen hörte
Scheitern würde ich...
dem nicht eigentlich sagen. Das würde ja bedeuten, dass alles daneben gegangen ist oder geht.Ich sehe das nicht so streng. Es ist einfach so, dass vieles, was man früher mit Links machte, nun mehr Zeit, mehr Mühe, oder mehr Aufmerksamkeit braucht. Und wenn es einmal gar nicht geht, ist das auch nicht tragisch. Es ist ja so vorprogrammiert und es passiert nicht einem einzelnen allein. Es kommen wahrscheinlich alle, die älter werden, an die Reihe.
Abhilfe wäre da wahrscheinlich nur, so einen Punkt nicht zu erreichen.....
Aber ich sehe es auch in einem gewissen Sinne sehr positiv. Nämlich so, dass wir nicht wissen können, wer an unserem sog.Scheitern grossen Gewinn für sich selber dabei erfahren kann. Nämlich wie er den älteren Menschen begegnen soll, was ihm ihre Gebrechlichkeit für Gelegenheiten zum Lernen, zur Geduld etc. bringen kann.
So könnte ich noch unzählige Dinge aufzählen. Das ist gleich, wie mit den Kindern, die mit schweren Behinderungen zur Welt kommen. Sie haben (aus geistiger Sicht gesehen), das schwere Schicksal auf sich genommen, um ihren Angehörigen die Möglichkeit zu einer Entwicklung zu bieten, die sie, ohne diese Erfahrung, nicht machen könnten, für ihr eigenes weiteres Wohl.
Wer natürlich nur die materielle seite des Lebens sieht, der rangiert mich nun sofort bei den Spinnern. Was mir aber nichts ausmacht.
Die beste Art, sich zu wehren, ist sich nicht angleichen. (Marc Aurel)
Scheitern ??
Etna, ich finde, Du hast das sehr gut ausgedrückt - mit den behinderten Kindern z.B.
Noch ein Aspekt ist, dass wir ohne "negative" Erlebnisse keine positiven kennen würden, denn wir leben in einer Welt der Gegensätze. Im Alter machen wir vielleicht öfter körperliche "negative" Erlebnisse durch, aber haben wir nicht dafür die Möglichkeit und die Zeit, innerlich mehr in die Tiefe zu gehen?
Link zu meiner Website
und Sisyphus krempelte die Ärmel hoch ..
Bevor ich das Buch "Zukunft Altern" beschrieben habe, überlegte ich mir, was denn an diesem Buch so anders sein sollte als an andern Büchern über das Alter(n). Mit-Autor Wahl sagte, im Buch würden so wohl auf die Stärken des Alters hingewiesen als auch der Alterungsprozess akzeptiert (was für zwei 55-jährige Autoren wohl etwas leichter ist, als für 90-jährige Leser - bpo).
Das Buch ist sehr dicht geschrieben, auf Vieles konnte ich nicht eingehen. "Du hättest, statt soviel zu schreiben, einfach einen Link auf die Folien setzen können", meinte einer meiner Kollegen - aber wer öffnet und liest dann anschliessend auch noch die 50 Folien? Ich dachte beim Herunterladen selbst, ich hätte wohl wieder einmal einen meiner legendären Staus im Compi. Zudem wurden die Folien in einem über 60-minütigen Referat kommentiert.
Die anschliessende Diskussion über Sisyphus hat mich dann etwas verunsichert. Habe ich da etwas falsch interpretiert? Den Schlüssel hat mir nun Bernhard Schindler geliefert: Die Stärke des Sisyphus war, dass er, nachdem ihm die Götter den Stein um x-sten Mal den Berg hinunterrollen liessen, die Ärmel immer wieder hoch krempelte, um ihn wieder hinauf zu stossen.
Sinnlos? Und mit dem Altern hat das" immer wieder die Ärmel hoch zu krempeln" wohl doch Einiges zu tun.
Scheitern und wieder Anfangen
Ich habe während meiner Berufstätigkeit beides erlebt, ein «klassisches» Scheitern und dann einen neuen Anfang, der mein Leben bereicherte. Dabei hatte ich zweimal Glück. Das Scheitern im vorgerückten Alter hätte mir zwar ermöglicht, mit einer anständigen Invalidenrente ein durchaus angenehmes Leben zu geniessen. Allerdings wäre ich damit kaum zufrieden gewesen, weil eine richtige Herausforderung fehlte.
Ich hatte dann das Glück, in einem völlig anderen Bereich eine neue Tätigkeit anzufangen. Abgesehen davon, dass ich damit ein anständiges Einkommen erzielen konnte, fand ich viel Befriedigung in dem, was ich machte.
Im Nachhinein konnte ich feststellen, dass das Scheitern eigentlich eher ein Glücksfall als eine Katastrophe gewesen war.
Das Bild von Sisyphus passte in dieser Beziehung gar nicht zu dem, was ich erlebte. Was für mich zutrifft, ist die Tatsache, dass ich auch jetzt immer noch Gelegenheit finde, die Ärmel hinaufzukrempeln, um Sinnvolles zu tun.
Sisyphos ist ein Mythos
Die Geschichte von Sisyphos passt doch wunderbar zu deinen eigenen Erlebnissen, Giovanni. Meiner Meinung nach ist die Geschichte ein Mythos, bei den alten Griechen gab es nicht nur den einen guten Gott, sondern eine ganze Reihe listiger, rachesüchtiger, die dem Sisyphos eben kurz vor dem Ziel den Stein aus den Händen nahmen. Nun sagen wir aber, der Weg sei wichtiger als das Ziel - also liegt das Positive bei Sisyphos eben doch im unermüdlichen Ärmel-hoch-krempeln. Und bei uns letztlich auch. Trotzdem uns dann auch einmal jemand den Stein des Lebens aus den Händen nehmen wird, ist es wohl besser, den Mut für einen Neuanfang nicht zu verlieren als die Hände in den Schoss zu legen und das Ende abzuwarten. Allerdings bin ich kein Philosophe ..
Und manchmal hätte ich grosse Lust, einfach die Hände in den Schoss zu legen und nichts zu tun - das kommt im Buch "Zukunft Altern" eher etwas zu kurz.
lust zum nichtstun
wenn ich täglich all die guten ratschläge lesen, hören muss, was wir im alter alles noch tun können sollten, damit...
so fühle ich in mir sehr bald ein gewisses mass an stress. der verstand überprüft: "bist du gut genug? hast du auch alles getan, solltst du nicht noch hier und da und diesem und jenem..."
da kann ich brigitte nur zustimmen, was diese lust zum nichtstun betrifft. denn aus dem nichtstun kann ganz unerwartet etwas entstehen, das sonst leicht den erstickungstod erleidet ob all der muss und solls. das etwas kommt dann nämlich von innen, nicht von aussen. und es ist mein ganz eigenes und ev. massgeschneidertes: meine intuition.
erlaube ich mir selber, nichts zu tun, steigen urplötzlich anregungen, ideen auf, denen ich mit lust folge. so fühle ich mich im gleichgewicht von tun und nichtstun. das vorhaben, das ich dann verwirkliche erfüllt mich mit freude und zufriedenheit.
für die seele wie für den künstler ist dies überhaupt nichts neues.
Moses 2.0
Moses 2.0 ist ein ziemlich kluges Buch, das Andreas Giger geschrieben hat.
Das Thema: Lebensqualität. Wenn man sich vorwiegend an seiner eigenen Lebensqualität orientiert, dann spielen all die gutgemeinten Ratschläge (Ratschläge sind auch Schläge!) plötzlich keine Rolle mehr. Weil eigentlich nur ich weiss, was für mich gut oder auch nicht gut ist. Das ist die Quintessenz von Moses 2.0.
Das Lesen des Buches ist recht vernüglich und vermittelt Lust auf Lebensqualität.
Lust zum Nichtstun
Liebe Rita, endlich mal jemand der sich nicht rechtfertigen muss ! Danke, ich fühle mich bestätigt.Ich habe, wie viele andere Frauen im SW, ein Leben lang gearbeitet. Rundum sehe ich pensionierte Damen welche ihre Zeit weiterhin in alles mögliche investieren. Sie sind vom Morgen bis abends unterwegs und engagiert. Ich hoffe nur dass sie nicht am (noch verbleibenden ) Leben vorbeileben und sich in eine gewollte Betriebssamkeit flüchten. Mein Motto heute ist : Ich muss gar nichts. Ich darf noch. So kann es eben dann passieren wie Du es beschreibst - aus dem sog. Nichts-tun heraus erlebe ich kreative,produktive und sogar sehr arbeitsintensive Momente. Alles ohne Druck. Und ich glaube nicht dass ich mich schämen muss, in diesem Sinne halt eben als egoistisch zu gelten. Es ist mein Leben, das nun im letzten Abschnitt gelebt wird. Ich muss gar nichts ! Aber Dich herzlich grüssen will ich! Ruth mit zwei miauenden Sammetpfoten, die auch Ansprüche haben dürfen.
Vorlieben für:
Katzen,Musik,Florenz,Kochen
Basteln und Einrichten