Lebensfragen - Lebenshilfe

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Mutter (95) droht immer wieder mit Selbstmord

20 Antworten [Letzter Beitrag]
9. Juli 2010 - 9:27
Roberto Binswanger

Was soll man machen, wenn die 95jährige Mutter gegenüber ihren längst erwachsenen  Kindern immer wieder droht, sie werde sich vom Balkon im sechsten Stock stürzen und so das Leben nehmen? Unmöglich ist das nicht, denn die Frau ist rüstig und erstaunlich beweglich und die Brüstung eher tief. Sind solche Drohungen (um die Kinder gefügig zu machen) nicht etwas vom Gemeinsten, was eine Mutter ihren  Kindern antun kann? Wie sollen die Kinder reagieren? Einfach ignorieren oder, wenn es ihnen irgendwann einmal zu viel wird oder sie zu sehr belastet, die Beziehungen zur Mutter einfrieren?

Answers

dummy

Balkonsprung

Kommt ganz drauf an, was die Mutter mit ihrer Drohung den "Kindern" gegenüber erreichen will. Sollen sie sich vermehrt um sie kümmern? Oder hat sie Angst, dass sie in ein Pflegeheim gedrängt wird? Was ja oft der Fall ist.

Ich finde solche Erpressungen absolut gemein, würde ihr mal zusammen mit den andern Kindern den Klartext durchgeben und ihr danach die Konsequenzen überlassen. Wir sind doch zu alt, uns ein solches Benehmen gefallen lassen zu müssen, sogar von einer Mutter.

etna

Eine ganz heikle Entscheidung.....

wie sich die "Kinder" dazu äussern oder benehmen sollen. Das kann nur jeder einzelne für sich selber entscheiden.

Sogar die androhende Mutter muss ein solches Vorgehen für sich alleine entscheiden. Sie weiss am besten, weshalb sie das ihren Nachkommen immer wieder sagt. Es sind ungute Aussagen, für beide Parteien. Den Nachkommen möchte man vielleicht ein böses Gewissen anhängen, sofern.... (siehe Hauptgrund für die Drohung). Aber ein Mensch, ob jung oder alt, der nicht durch eine entsprechende Krankheit genau wiess, was er sagt, ist immer füre seine Aussagen, und noch mehr für seine Taten selbst verantwortlich. Das kann ihm niemand abnehmen.

 Die beste Art, sich zu wehren, ist sich nicht angleichen. (Marc Aurel)

wels

aa

mehr als 5 Jahre wird sie mit diesen Drohungen nicht mehr drohen können. Es geht also bald vorbei und unterdessen die Ohren auf Durchzug stellen. Wer genügend von der Mutter entwöhnt ist lässt sich damit nicht beeindrucken. Wenn sie schon lange droht und nie etwas gemacht hat ist das nicht ernst zu nehmen.

etna

Oh, das würde ich nicht allgemein sagen....

wels! Ich habe einige Menschen gekannt, die ihr Ausderweltscheiden mehr als einmal angekündigt haben und es auch vollzogen.

Der Spruch - wer es sagt tut es nicht - stimmt nur bedingt.

 Die beste Art, sich zu wehren, ist sich nicht angleichen. (Marc Aurel)

dummy

Du hast sicher Recht

Etna, ich erlebte solche Ankündigungen auch, und wenn die Geplagten das Ausderweltscheiden schlussendlich vollziehen, finde ich es eben OK. 

Aelfred

Ernst nehmen

Sicherlich muss man eine solche Aussage immer Ernst nehmen. Die Motivation dahinter ist eine andere Sache.

 Wird es als Nötigung vorgebracht, ist es unhaltbar und müsste auch so kommuniziert werden. Die Konsequenzen, die Beteiligte aus einem solchen Verhalten ziehen, kann nur in deren eigenem Ermessen liegen, vor allem aber was für sie tragbar ist. Meist gibt es da eine Vorgeschichte.

 Steht dahinter Resignation, z. B. die Last an Altersbeschwerden, wäre es wohl eine Frage, inwiefern dieser Mutter Entlastung geboten werden kann. (Was hier aber anscheinend nicht der Fall ist.)

 Keinesfalls sollte man sich an einer solchen Situation aufreiben, und gegebenenfalls aus Selbstschutz mehr auf Distanz gehen. Das Risiko, das es zu einer Umsetzung der Drohung kommt, ist natürlich inhärent. Aber für sein Leben und Sterben ist jedermann selbst verantwortlich, dies kann man auch mit Schuldgefühlen nicht andern aufhalsen.

 Ich selbst würde in einer solchen Situation wohl einen Mittelweg wählen, mit klarer Kommunikation und angemessen verstärkter Distanz.

Hannes Kohler

Und wenn sie's dann täte .....?

Es ist sicher ganz wichtig, dass die 'Kinder' sich einig sind, wie sie alle einzeln, und gemeinsam mit dieser vermeindlichen Schuld umgehen wollen. Würden dann untereinander Schuldzuweisungen passieren, würden einzelne der Hinterbliebenen als 'schwarze Schafe' dastehen....viele Fragen die heute schon besprochen werden sollten und nicht erst wenn 'es' dann passiert wäre.

Rosemary Huber

Balkonsprung

Meine Mutter hat bereits in jungen Jahren, wenn wir nicht gehorchten uns gedroht, dass sie in den Wasserfall, welche ganz in der Nähe war, springt. Als sie ca. 80 Jahre alt war, drohte sie mehrmals, dass sie vom 5 Stock über den Balkon springe. Ich habe sie dann jeweils gefragt, ob ich das Fenster gleich öffnen soll? Daraufhin wollte sie davon nichts mehr wissen und hat sofort das Thema gewechselt und irgendwann hat sie aufgehört zu drohen und blieb bis zu ihrem Tod eine friedliche Frau.

 

Rosemary Huber

Draht

Besucherbuch

Meine Schwiegermutter lag zwei Jahre lang in einem Pflegeheim. Wir, ihre Kinder und deren Lebenspartner, auch viele Bekannte besuchten sie oft. Sobald wir jeweils wieder gehen wollten, klagte sie, wie allein sie immer sei. Deshalb legten wir ein Besucherbuch bereit, in das man sich eintragen konnte. Wenn sie dann wieder über das Alleinsein sprach, konnten wir ihr sagen, dass z. B. heute Morgen ihr jüngster Sohn dagewesen sei und sie im Rollstuhl spazieren geführt habe. Dann erinnerte sie sich wieder, und wir mussten kein Schuldgefühl haben. Es stellte sich am Schluss heraus, dass sie im Schnitt an jeweils drei Tagen zweimal Besuch empfangen hatte.  

Vielleicht könnten die Besucher dieser 95 –Jährigen einmal alle mit ihr zusammenkommen und mit ihr einen Besuchsplan aufstellen und darüber ein Buch führen.  Für die Gesprächleitung wäre vielleicht eine aussenstehende Person anzufragen.

(Das Vorgehen von Rosemary Huber schwebte mir auch vor)

dummy

Fenster gleich öffnen

Sehr mutig von Dir, Rosemary Huber, ich finde Deine Antwort richtig und gut. Wenn sie dann aber tatsächlich gesprungen wäre, frage ich mich, wie es Dir danach zumute gewesen wäre? Ich stelle mir vor, dass Du höchst wahrscheinlich wusstest, dass es eine leere Drohung war, und sie ihre Bemerkung nicht wirklich ernst meinte.

Rosemary Huber

Fenster gleich öffnen

Ja, als ich die Frage stellte, ob ich gleich das Fenster öffnen soll, sah ich es ihr gleich an, dass es eine leere Drohung war, denn sie war eher entsetzt über meine angebotene  "Hilfeleistung". Trotzdem hat sie die Drohung ab und zu wiederholt und der Ausgang war immer derselbe.

Rosemary Huber

ulla

Selbstmordrohung

Ich stimme, mit leisem Vorbhalt, Rosemary zu. Der Mann einer Freundin drohte auch mehrmals, sich vom Balkon (notabene eines Hochhauses) zu stürzen. Nachdem ich jedes Mal meine Freundin trösten und aufrichten musste, gab ich ihr den Rat: "Sag doch das nächste Mal einfach, wenn du mich und das Leben nicht mehr aushalten kannst, dann tue es. Ich werde zwar sehr, sehr traurig sein, doch es ist dein Entscheid". - Dies hat in diesem Fall geholfen. Der Mann war 25 Jahre älter als seine Frau und empfand sich - sehr zu Unrecht - nur noch als Bürde. Er ist dann mit 92 Jahren eines natürlichen Todes gestorben.
wels

aa

Draht

Das mit dem Besucherbuch finde ich eine ganz tolle Idee. Was ich auch so beleidigend finde ist der Spruch "Ich habe ja niemanden mehr" gegenüber Angehörigen. Da weiss man sofort, dass man für diese Alten zur Kategorie "Niemand, nicht existierend" gehört.

Im Besucherbuch trägt man dann ein: "Niemand war hier von 14-17 Uhr".

Sidea

Verantwortung

Ich würde eine solche Aussage auf jeden Fall ernst nehmen, mich davon aber nicht erpressen lassen.

Ernst nehmen heisst für mich in diesem Fall, mit dem Hauzsarzt der Mutter darüber reden. Ev. kann er etwas bewirken oder er schaltet einen Psychiater/Psychologen ein. Wichtig finde ich, dass mit dieser Massnahme der alten Frau signalisiert wird, dass es es einem zwar nicht egal ist wie es ihr geht, man aber auch nicht alle ihre Wünsche erfüllen kann und nicht bereit ist sich erpressen zu lassen. Sie muss (wieder) lernen, die Verantwortung für ihr Wohlergehen selber zu übernehmen, wenn nötig mit fachlicher Hilfe. 

Gruss Sidea

Wer nicht kann, was er will, muss wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. Leonardo da Vinci

 

 

 

Karin Hartmann

Selbstmorddrohung

Ich finde die Antwort von Sidea sehr gut. Auch meine Mutter hat mir mit Selbstmord gedroht als ich sie mit 95 in ein Seniorenheim gebracht habe. Zuerst wollte ich es überhören. Eines Tages aber, als ich sie besuchen wollte  ist mir der Schrecken in die Glieder gefahren. Ambulanzen und Polizei standen um das Haus. Es war tatsächlich eine Frau aus dem Fenster gesprungen. Es war nicht meine Mutter und sie wusste auch nichts davon aber ich habe sofort ihrem Arzt angerufen und ihm erklärt was in meiner Mutter so vor sich geht. Heute bekommt sie ein Mittel gegen Depressionen und sie hat nicht mehr von Selbstmord gesprochen.

Draht

Despotische Grossmutter

Sie gab Geld für den Kauf  einer Eigentumswohnung und das Recht, ein Zimmer davon zu bewohnen. Wenn ihr etwas nicht passte, redete sich wochenlang nicht mehr mit ihrer Tochter. Ein Jahr lang lebte sie dann bei ihren zweiten Tochter, die in dieser Zeit rasch alterte und sich verbrauchte. Die dritte Tochter, meine Schwiegermutter, übernahm sie deshalb "bis auf Weiteres", und weil auch sie sich mit dem harten Umgangston nicht zurechtfand, rief sie den Hausarzt zu Hilfe, der die Dame überzeugen konnte, in ein Altersheim zu gehen. Am Sonntagmorgen gingen meine Schwiegereltern zur Kirche, und als sie heimkamen, stand da ein Stuhl am offenen Fenster, und unten lag sie, bewusstlos. Sie war noch drei Wochen im Spital im Koma, bevor sie starb.  Von Selbstmord hatte sie nie gesprochen.  

Froda

Ansicht einer Mutter!

Habt ihr  schon mal überlegt, warum  die Mütter so reagieren? Mit Sicherheit wollen sie NICHT ihren Kindern schaden. Abgeschoben, nicht mehr gebraucht bekommt man Panik, die negativen Gedanken kreisen im Kopf, nehmen Gestalt an. Ich weiss kein Patentrezept.. aber hinter all den Suizidgedanken und Aussagen steht eine große Einsamkeit, die aber nicht von den Kindern ausgefüllt werden kann, das behaupte ich ausdrücklich.

Eurydike

Sehnsucht nach früher

Die Kinder können nicht wieder klein werden und die alten Zeiten kann man auch nicht zurückrufen....Die alte Dame sehnt sich in frühere Zeiten zurück und kann die jetzige Situation nicht akzeptieren. Eine Vorbereitung auf das Alter könnte von Nutzen sein - eigene Interessen fördern, Einsichten frühzeitig vermitteln. Dass wir länger leben will psychisch erarbeitet werden, denke ich.

CaPolla

Suizidgedanken/Drohungen

Was du, liebe Froda, geschrieben hast, kann ich voll unterstützen. Unter Umständen kann das positive, verständnisvolle Verhalten der Kinder, Ehepartner schon zum besseren Lebensgefühl beitragen, aber wirklich ändern, können sie das jetzt auch nicht mehr. Das ist der Frust eines ganzen Lebens oder es könnte eine Depression dahinterstecken.

Meine Mutter hat seit ich denken kann, mit Selbstmord gedroht. Und man musste sie auch öfters zurückhalten und einmal wäre es auch fast gelungen. Erst viel später, als ich schon lange erwachsen war, wusste ich dass sie unter Depressionen gelitten hat.

Mehr Verständnis für diese Menschen finde ich sehr, sehr nötig. Aber es wird so sein, dass nicht alle das können, das ist eine Gabe. Ich weiss nicht, ob man das erlernen kann.

Das Leben eines Menschen ist das, was seine Gedanken daraus machen. Marc Aurel
Draht

Zweitklässler droht mit Selbstmord

Eben habe ich erfahren, dass in meiner Verwandtschaft ein 8-jähriger Bub immer wieder mit Selbstmord droht. (Und ich erinnere mich, dass ich als noch jüngerer Bub, nachdem mich mein Vater verprügelt hatte und ohne Znacht im Bett lag, zu sterben versuchte. Ich hielt kurz entschlossen den Atem an. - Es gelang nicht ... )  Ich weiss nicht, wie dessen Lehrerin und Eltern damit umgehen, sie scheinen es ernst zu nehmen.