Hinweise und Diskussionen über altersrelevante Anliegen, Projekte und Initiativen sowie Kooperationen mit lokalen, kantonalen und nationalen Alters-Organisationen.
>>> Beachten Sie bitte die Netiquette!
Als ich an meinem Artikel über die 5. Ostschweizer Generationentagung und über die geplante Quartierbelebung für alle Generationen zu Gunsten des längeren Verbleibs der Alten im Quartier schrieb, erzählte mir eine Kollegin, ob ich realisiert hätte, dass der letzte Robinsonspielplatz in unserer Gemeinde mit einem grossen Wohnblock überbaut worden sei.
Dadurch erinnerte ich mich, wie wir Frauen in den 70er Jahren gekämpft haben für lebendige Quartierzentren und für fantasievolle Spielplätze für unsere Kinder. Es gab mit der Zeit zwei Robinsohnspielplätze, die heute beide aufgehoben sind. Der Wunsch nach kleinen Zentren in unserem Aussenquartier, wie sie in Holland selbstverständlich sind, blieb unerfüllt. Die Gemeinde sah keine Notwendigkeit dafür. In den wenigen Läden gab es keine Sitzgelegenheiten, geschweige den eine Möglichkeit, einen Kaffee zu trinken und mit einer Nachbarin zu schwatzen (glücklicherwiese hat das Quartier heute den Avec und den Aldi).
Un nun wird alles anders. Die Gemeinden werden von den Soziologen und Altersplanern praktisch dazu verpflichtet, sich für lebendige Quartiere einzusetzen - nicht wegen der Kinder sondern wegen uns Alten, die über altersübergreifende Beziehungen und damit verbundenen kleine Hilfeleistungen länger im Wohnquartier bleiben sollen. Sehr schön. Völlig einverstanden.
Leicht amüsiert erinnere ich mich aber auch, dass in unserem Wohnquartier mit 21 Kindern in vierzehn Häusern die drei alten Ehepaare zum Problem wurden (ich fand sie sehr alt - sie waren gerade mal frisch pensioniert):
Sie störten sich am Kinderlärm, reklamierten, die Kinder würden ihre Hündchen erschrecken, rund um den Sandkasten sei wieder einmal nicht sauber gewischt, usw. Jedenfalls nahm ich mir vor, im Alter ein bisschen grosszüger mit Kindern umzugehen.
Nun bin ich auch alt und eigentlich ein grosser Fan vom altersgemischten Wohnen. Aber ob das funktioniert für uns Alte ...
Answers
Die Altersplaner und
Die Altersplaner und Soziologen - bhüetis - machen noch kein lebendiges Quartier, das müssen die Bewohner schon selber machen. Warum gründet Ihr nicht einen Seniorenverein, der solche Sachen wie Sitzgelegenheiten, Schwatzecken, Hilfeleistungen usw. selbst in die Hand nimmt?
Beispiel:
http://www.arlesheim.ch/de/soziales/AHE/AHE.php?navanchor=1010021
"Arleser hälfe enand" ist eine private Organisation, die unter der Mitwirkung des Altersvereins Arlesheim gegründet worden ist.
Kurt
Genau so ist es wohl gemeint
Lieber Kurt,
ich denke, dass Arlesheim mit "Aleser hälfe enand" eine sehr gute Lösung getroffen hat für die Pflege von Kontakten und für Hilfeleistungen unter älteren Menschen.
Etwas selber in die Hand nehmen
Liebe Brigitta
Meine Neugier wurde geweckt, als im Seniorweb ein Migros-Kulturprozent-Projekt vorgestellt wurde, das einen Dialog unter den Generationen herbei führen soll, indem in den Gemeinden unter Federführung eines mehrtägigen Semionars Projekte realisiert werden, welche die Einwohner einer Gemeinde einander näher bringen können.
Deshalb habe ich mich gestern mit einer der beiden Leiterinnen in Zofingen getroffen und wir haben ein sehr gutes Gespräch mit einander geführt. Es geht dabei darum, in einer Gemeinde oder einem Gemeindeverband Bedürfnisse vornehmlich älterer Leute zu eruieren und diese nach Möglichkeit innergemeindlich zu erfüllen. Ich habe aufmerksam zugehört und mir bereits einige Notizen gemacht.
So könnte in einem Arlesheim angelehnten Projekt "Köllike hebt zäme" ein Einkaufsdienst für ältere, nicht mehr mobile Hausfrauen angeboten werden, wobei Kaufwillige zusammen nach ihren Wünschen in eine nahe Stadt oder das nächst gelegene Einkauufszentrum geführt werden. Andere Beispiele der Dienstleistungen wären u.a. Steuererklärungen ausfüllen, Briefe an Behörden verfassen, Leidzirkulare erstellen, bei Kondolenzschreiben mitarbeiten.
Natürlich kosten solche Aktionen etwas und natürlich dürfen sie das auch, denn jede Arbeit ist seinen Preis wert. Immerhin könnten solche Dienstleistungen durch die Konsumenten mit Spesenvergütung und einem Trinkgeld abgegolten werden.
Was mir am ganzen Projekt allerdings nicht gefällt, und das habe ich den zuständigen Mitarbeitern des M-Kulturprozents auch geschrieben,ise rechnen mit Seninarkosten von 1400 Fran ken resp. 750 für Senioren und zusätzliche Spesen auf Kosten der Teilnehmer. (Das Seminra soll insgesamt rund 10 Tage dauern)
Hier wieder einmal die mir unverständliche Tendenz, Dienstleistungen, die wir Senioren erbringen wollen noch mit Kosten abgelten zu müssen. Warum übernehmen solche Kosten nicht die Migros oder allenfalls die Gemeinden, welche von solchen Aktionen profitieren?
Ich weiss, ohne Freiwillligenarbeit funktioniert unser Staat längst nicht mehr. Ich bin nicht generell gegen unentgeltliche "Ehrenarbeit", ich bin gegen Ausnutzung der Freiwilligen.
Wenn solche Projekte seriös und nachhaltig gestaltet werden sollen, werden die Freiwilligen in irgend einer Form auch bezahlt (und nicht noch mit Seminarkosten bestraft) werden.
Liebe Grüsse
Bernhard
PS: Bitte lies Prof. Bachmeyers Beitrag über die "Babyboomer im Rentenalter" im redaktionellen Teil von SW.
Lieber Bernhard
Ich verstehe und teile deinen Unwillen darüber, dass Leute jeden Alters, die bereit sind, sich freiwillig für eine ideelle Sache zu engagieren, zuvor noch zur Kasse geben werden.
Dass praktisch jede Aktion mit Kosten verbunden ist, kann kaum aus der Welt geschafft werden. Dass aber die, welche sich freiwillig zur Mitarbeit zur Verfügung stellen, dafür noch bezahlen müssen, ist schlicht unanständig. Nicht die Aktiven sollten zahlen, sondern die Nutzniesser.
Dass nichts kostet, nach Meinung vieler auch nichts wert sei, ist ein verbreitetes Vorurteil. Aber die Umkehrung, dass persönlicher Einsatz kostenbildend sei, scheint mir schon äusserst problematisch. Natürlich gibt es auch Individuen, die, wenn sie zur Mitarbeit ermuntert werden, zuerst fragen, was sie dafür bekämen. Dabei denken sie weniger an ein Geschenk als an eine Banknote.
Spesen und Trinkgeld: Bei
Spesen und Trinkgeld: Bei "Arleser hälfe enand" gibt es einen festen Tarif. Wer Dienstleistungen beanspruchen will, muss überdies Mitglied des Vereins "Ahe" werden. Der Jahresbeitrag beträgt 30 Franken. (http://www.arlesheim.ch/de/soziales/AHE/AHE.php?navanchor=1010021). Mit diesem Geld wurde eine Organisatorin für je 2 Stunden an drei Tagen fest angestellt, die die Einsätze organisiert. Die Dienstleistungen stehen allen Generationen offen.
Die Arleser (die beiden Kirchen plus der Altersverein Arlesheim) haben das ohne Seminare und Migros-Kulturprozent vor zehn Jahren auf die Beine gestellt. In einigen Tagen wird auf der web-site des Seniorenverbandes Nordwestschweiz (www.svnw.ch > autonom Magazin Nr. 2/Sommer) die Geschichte publiziert.
Kurt
Ob die Gemeinde das Kursgeld übernehmen sollte?
Lieber Bernhard,
auch ich bin recht erstaunt über die hohen Kosten, die für Freiwillige anfallen, wenn sie sich für einen Kurs aus dem Migros-Kulturprozent anmelden, damit sie nachher in etwa profimässig arbeiten können. Ob sich die Organisation wünscht, dass die Gemeinden dieses Kursgeld bezahlen? Anders kann ich es mir nicht vorstellen.
Meine Schwester hat übrigens in einem Dorf zusammen mit anderen Frauen und unter Ägide der Pro Senectute eine Nachbarschaftshilfe gegründet, die bereits gut funktioniert (PS bezahlt eine 50%-Angestellte. Bei aller guten Arbeit von Pro Senectute bin ich aber der Meinung, diese Institution sollte sich nicht das Monopol ergattern für alle mit Senioren verbundenen Aktionen). Gut ist, dass die Frauen dadurch zu einem Lokal und zu einer gewissen Infrastruktur kommen. Sie haben sich im übrigen an funktionierenden Nachbarschaftshilfen in Nachbargemeinden orientiert. Die bezahlte Mitarbeiterin hat eher Mühe, sich im Team der aktiven Freiwilligen zurecht zu finden, hält oft Informationen zurück, was die Freiwilligen, die sich recht lustvoll beteiligen, immer wieder frustriert. Ansonsten läuft das Projekt gut, so viel ich weiss.
Der Kurs vom Migros-Kultjurpozent würde mich auch interessieren, ein so hohes Kursgeld würde ich allerdings nicht dafür bezahlen. Auch bin ich kein Babyboomer, ich bin zu alt. Dass es für die jüngeren Pensionierten immer wieder neue, ihren Wünschen angepasste Möglichkeiten für Ausbildung und Einsatz gibt, das finde ich sehr gut.
Mir schwebt eine Art "WIR"-Geld vor
Liebe Brigitte, lieber Giovanni
Eigentlich meine ich nicht, dass Dienstleistungen für Dritte immer mit Geld abgegolten werden sollten. Ich könnte mir ein Gemeinschaftsprojekt vorstellen, das nicht nur aus gebenden und nehmenden Händen besteht, sondern die Fähigkeiten eines jeden Mitglieds beansprucht. Pensionierte können Kinder hüten, mit einem Hund spazieren gehen, als ehemalige Mechaniker einfache Installationen tätigen. Hausfrauen könnten Seniorinnen zum gemeinsamen Einkauf in die nächste Stadt, ins nächste Einkaufszentrum einladen, aktive Rentner könnten bei Nachbarn Rasen mähen usw. Für all diese Tätigkeiten werden Scheine eines besonderen Vereinsgeldes abgegeben. Pro Arbeitsstunde ein Schein. Dieser kann in Zahlung gegeben werden für Fremddienste, dieses Scheingeld kann ich aber auch für eigene Dienstleistungen sammeln. Eine Zentrale verwaltet diese Gelder, gibt auch per Internet angebotene und verlangte Dienstleistungen bekannt.
Und wenn das Altersheim dabei auch noch mitmacht, gelten solche Scheine auch als Zahlung für besondere Dienstleistungen im Altersheim, so dass nicht jedes Schuhebändelbinden auf die Rechnung kommt.
Lieber Kurt: Auch ich meine, dass man für einen solchen Selbsthilfe-Verein einen gebührenden Mitgliederbeitrag verlangen müsste, damit eben solche wertvollen Seminare und Weiterbildungen daraus bezahlt werden.
Ich bin der Ansicht.......
den Anfang all dieser separat zu bezahlenden, kleinen Hilfen haben die Krankenkassen auf dem Gewissen.
Sie haben ein System eingeführt, dass dann schnell von vielen andern Institutionen aufgeschnappt wurde, nämlich das separate Bezahlen jeder einzelnen Dienstleistung. Jedes Pfläschterli, jedes Blutdruckmessen, alles hat einen Tarif erhalten, sogar das Sprechen wird nach ersten 5 Minuten und letzten 5 Minuten separat verrechnet, zu einem Tarif, von dem niemand wirklich weiss, wo er herkommt und was er soll!!
Ich brauchte zwar in meinen jungen Jahren den Arzt fast nie, erinnere mich aber, dass man da einfach in das Wartezimmer sass, wenn der eigene Arzt Sprechstunde hatte und wartete, bis man an die Reihe kam. Da wurde dann vom Arzt alles Nötige unternommen und am Ende, wenn man wieder fit war, erhielt man die Rechung für x Konsultationen (ev. auch Hausbesuche, wenn sie nötig waren), und das alles hatte seinen fixen Tarif. Egal, ob der Druck gemessen wurde oder ein wenig Blut abgezapft wurde für eine Analyse. Das ging bei einem Patienten vielleicht fast eine halbe Stunde, bei einem andern dafür nur 10 Minuten. Konsultation war, wenn ich mich richtig erinnere, unabhängig von der gebrauchten Zeit, und auch das Guten Tag und Adieu sagen kostete nicht extra!
Man kann dies, was ich hier schreibe, als nostalgische Erinnerung einstufen, aber das ganze Arztgehändel mit den Kassen und alles drum und dran verlief nicht so bösartig wie heute, wo jeder einen halben Punkt mehr herausschinden möchte. Nicht zu reden von den "Grosskopfeten", wie der Berner sagen würde, die überhaupt nicht mehr wissen, wo sie aufhören könnten, Kassen und Patienten zu schröpfen.
Nicht immer ist das Neuere das Bessere. Und dieses 1:1 liefern und gegenliefern hat auf alle Gebiete, auch derjenigen der Freiwilligkeit, zugegriffen.
Meine Mama pflegte zu sagen: (was leider ebenfalls nicht mehr stimmt) S'gitt nüt vergäbe, nit emol dr Tod, denn dä koschtet s'Läbe!
Und die Aussichten werden, wenn wir nicht ans Umkehrtürli gelangen, immer spektakulärer, bis wir den berühmten Chips eingebaut bekommen, der Überfällige einfach "abstellt".
Die beste Art, sich zu wehren, ist sich nicht angleichen. (Marc Aurel)