Hier können kurze Erzählungen und Tipps über Eure Reisen veröffentlicht werden.
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„...Deine Beiträge lese ich fast alle Tage einmal, meistens am Abend vor dem Schlafengehen. Ein unbeschreibliches Wohlgefühl erfüllt mich und ich sinke in einen ruhigen Schlaf mit wunderbaren Träumen...“ Diese Rückmeldung hat mich ganz besonders gefreut. Deshalb widme ich diesen Bericht der Person, die mir das geschrieben hat.
Nicht zu hoch sollte es sein, wegen dem Schnee. Weit fahren wollte ich auch nicht. Und mal was Neues, oder fast. Also das Muttner Horn. Da war ich bisher nur im Winter einmal, von Obermutten aus. Diesmal will ich in Stierva starten, über den Feil. Auch da war ich bisher nur im Winter.
Also, auf nach Stierva. Beim Schulhaus kann ich parkieren. Es ist noch ein bisschen kühl, ich ziehe die Jacke an.
Die Karte habe ich daheim schon angeschaut. Auf dem ersten Teil dient der Fahrweg auch den Wanderern. Den will ich nicht nehmen, denn er macht einen Umweg und verläuft zum Teil im Wald. Ich möchte jetzt keinen Wald, ich will auf Wiesen, Weiden und Alpen gehen, Sonne und blauen Himmel über mir und möglichst viel Sicht. Also gehe ich gerade hoch, wie im Winter. Da stellt sich mir zwar hin und wieder ein Zaun in den Weg, aber Zäune sind doch zum drüberklettern da. Das schult Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht. Also, Zäune braucht der Wanderer...
Bald bin ich bei der Maiensässsiedlung Bargung. Die meisten Hütten sind ausgebaut. Hier würde es mir auch gefallen.
Etwas weiter oben weiden wunderschöne schwarze Kühe mit ihren Kälbern. Sie sehen sehr friedlich aus. Trotzdem, hier steige ich nicht über den Zaun, gehe brav aussen rum. Mit einer Mutterkuh, die glaubt ihr Kalb verteidigen zu müssen, will ich keinen Streit.
Weiter oben hat es mehr Bäume, es ist sehr angenehm, nicht mehr ganz so warm. Trotzdem läuft mir der Schweiss in die Augen und ich ziehe meinen „Buff“, einen multifunktionalen Microfaserschlauch, als Schweissband über die Stirn und die Jacke aus. So ist mir wohler. Einer der Wege nach Ziteil, einem Wallfahrtsort, führt auch hier vorbei. Deshalb wohl die Wegkapelle.
Ich überlege was die Figur darstellen soll. Maria, die Mutter Gottes kann es nicht sein, die hätte wohl keine Hunde dabei und auch keine knielange Hose. Laut Legende erschien sie einem holzsuchenden Mädchen, später in Ziteil einem Jungen. Die Figur scheint mir eher ein Mädchen zu sein, aber mit Hosen, im 16. Jahrhundert? Ausserdem müsste in der Kapelle auch eine Marienfigur sein, aber offenbar ist die abhanden gekommen.
Egal, ich gehe weiter. Dann bin ich schon über der Baumgrenze und staune wieder einmal. Schon dreimal hat es Schnee gegeben, hier oben vermutlich recht viel und trotzdem finde ich blühende Blumen. Nicht auf hohen Stengeln, wie im Frühjahr, nein, Schutz suchend, sich am Boden duckend, aber in allerschönster Pracht. Hahnenfuss und Löwenzahn. Nicht viele, aber immer wieder, auf fast 2000 Metern Höhe!
Bald kommt die Kapelle auf der Alp von Stierva in Sicht. Ein sehr einfacher Bau, dem man seine Funktion nicht unbedingt ansieht.
Die Tür steht offen und ich gehe hinein. Zwei Kirchenbänke und dazu eine umlaufende Bank den Wänden entlang. Ein Altar, Kerzen, an den Wänden drei Bilder und ein schmiedeeisernes Kreuz. Der Boden aus Stirnholz, im „Chor“ Natursteinplatten.
Das grosse Bild fasziniert mich. Das Kind kann die Mutter nicht verleugnen, ist ihr wie aus dem Gesicht geschnitten. Aber, was ist das für eine Stadt, über der die beiden schweben? Woher stammt das Bild? Irgendwie scheint es mir nicht in die Bergwelt zu passen, aber ich kenne natürlich auch die Geschichte der Kapelle nicht. Ich nehme mir vor, mich mal kundig zu machen.
Neben der Tür das dritte Bild, zwei Mütter mit Kind. Die Unterschrift „MARIA DELA NEF MARIA HIFF“ ergibt für mich keinen Sinn. Maria dela Nef, das heisst sicher Maria vom Schnee, aber das andere, soll es vielleicht „hilf“ heissen? Maria zum Schnee, das gibt es. Maria hilf, die Bitte. Das könnte sein.
Das spezielle an der Kapelle ist das Glockentürmchen.
Neun Glocken sind es, jede einem anderen Heiligen gewidmet. Am Balken darüber ist jeweils der Name des Heiligen angeschrieben und sein Symbol. Bei der Maria ist eine Schneeflocke, also doch Maria zum Schnee. Dann ist auch das Bild im Kirchlein klar, Rom! Dort hat Maria verfügt, dass man eine Kirche baue, wo sie es schneien lasse.
Alle Heiligen kann ich nicht entziffern aber sicher sind da noch Niklaus von der Flüe, die heilige Dreifaltigkeit, Son Roc, Son Francestg, Bruder Meinrad, Son Fluregn, Son Vendelin
Schade, ich würde gerne die Glocken läuten hören, aber das geht jetzt leider nicht. Ich werde wohl an einem 5. August kommen müssen. Denn wenn die Kapelle Maria zum Schnee geweiht ist, wird dann das Kirchweihfest sein. Oder am Sonntag davor oder danach.
Also gehe ich weiter, rede noch mit einer Frau die ihr Häuschen wintersicher macht. Bei der Gelegenheit erfahre ich auch, dass man gegen Gebühr bis hier fahren darf. Gut zu wissen.
Langsam aber sicher komme ich meinem ersten Ziel, dem Feil, näher. Unterwegs wieder Frühlingsblumen, Enziane. Auf fast 2400 Metern, im Herbst! Ich staune. Kaum ist der Schnee weg, blühen sie. Egal welche Jahreszeit.
Dann bin ich beim Grat, muss aber noch ein Stückchen hoch, bis dort wo er sich verzweigt. Der andere Ast führt zum Muttner Horn. Hier hat es Schnee. Mal mehr, mal weniger, mal trägt er, mal sinke ich bis zum Knie ein. Ich hasse nasse Füsse. Aber zum Glück habe ich heute morgen in letzter Minute noch die Gamaschen eingepackt. Jetzt bin ich froh darüber. Und dann stehe ich auf einer Graterhöhung des Feil. Die Aussicht ist gewaltig. Ich drehe mich um mich selber, einmal, zweimal, dreimal, fotografiere und schaue und esse etwas. Es gäbe ein tolles 360° Panorama. Hier ist es jetzt halt stückchenweise.
Natürlich ist auch das Muttner Horn zu sehen, gleich da drüben.
Vor allem schaue ich. Und freue mich. So langsam kommt die Freude, macht sich in meinem Brustkorb breit und dehnt sich aus und ich habe das Gefühl, ich platze demnächst vor Glück. Die Mundwinkel sind fast bei den Ohren und wenn ich könnte, dann würde ich vielleicht juchzen. Das Atmen fällt mir schwerer, die Freude füllt den ganzen Brustkorb aus, lässt der Lunge kaum Platz...
Nach einer ziemlich ausgiebigen Rast gehe ich weiter. Es geht zuerst etwas runter, dann wieder rauf. Die Freude hat sich in den Kopf zurückgezogen, die Lunge beansprucht den Platz jetzt wieder für sich.
Vorbei am kleinen, schon gefrorenen See. Das heisst, auf der Suche nach dem besten Bild gehe ich natürlich nicht einfach vorbei, ich umrunde ihn, wie ich sowieso immer links und rechts abschweife um auf die eine oder andere Seite hinunterzuschauen.
Aber auch so komme ich auf den Gipfel und schaue wieder mal zurück.
Der Steinmann ist etwas weiter unten, dort, wo man ihn von Obermutten aus sieht.
Ich hätte eigentlich Hunger und Durst. Aber in Obermutten gibt es ein Restaurant und vielleicht auch Kuchen... Ich schaue durch meinen Gucker und glaube Leute auf der Terrasse zu erkennen. Ganz sicher sehe ich eine Fahne.
Also ist geöffnet und Hunger und Durst sollen warten. So langsam müsste ich sowieso vorwärts machen. Ich hatte veranschlagt um zwei in Obermutten zu sein, da bleibt nicht mehr viel Zeit.
Das letzte Mal war ich im Frühling da, mit dem Velo. Da war die Kirche noch eingerüstet, erhielt ein neues Dach. Jetzt steht in neuem Glanze da.
Die Kirche ist ganz aus Holz, auch im inneren schlicht. Einzig die Toggenburger Hausorgel bringt ein bisschen Farbe.
Auf dem Weg ins Restaurant komme ich am Wegweiser vorbei. 3 Std. bis Stierva, steht da. Ich erschrecke ein wenig, habe ich doch mit gut zwei, bis höchstens 2,5 Std. gerechnet. Na ja, etwas schneller werde ich doch sein, hoffe ich. Zuerst aber Kaffee und hoffentlich auch Kuchen! Die Terrasse ist gut besetzt, aber ich finde noch ein freies Plätzchen für mich und beim Kuchen habe ich sogar die Qual der Wahl. Ich geniesse den Kaffee und das feine Gebäck, aber so richtig erholsam ist es nicht. Es hat zu viele Leute, es dünkt mich unruhig und ich will weiter. Letzte Nacht wurde die Zeit wieder zurückgestellt und es wird früh dunkel. Ich möchte nicht gerne in die Nacht kommen, obwohl ich vorsichtshalber noch die Stirnlampe eingepackt habe. Also mache ich mich wieder auf den Weg.
Ich nehme die Direttissima. Wo ein Skilift ist, ist sicher auch ein Runterkommen.
Auch weiter unten nehme ich Abkürzungen wo es geht, auch der eine oder andere Zaun ist zu überwinden und ich sehe wieder, wie schon am Morgen, den Herbst in seinem schönsten Gold.
In einer guten halben Stunde bin ich in Mutten. Es ist ein steiles Dorf. Ganz oben die Kirche, 100 Meter höher als die untersten Häuser. Ich bin froh, bin ich endlich unten. Jetzt gibt es keine grossen Ab- oder Aufstiege mehr. Vor allem ist es nirgends mehr steil und ich komme recht zügig voran.
Von der andern Talseite habe ich einen guten Blick auf Mutten.
Danach bin ich im Wald. Es wird kühler. Ich bin schon den ganzen Tag im T-Shirt und überlege mir, mir etwas überzuziehen. Statt dessen lege ich einen Gang zu, ich möchte einfach spätestens um 5 Uhr in Stierva sein. Ich weiss nicht mehr so recht wie weit es ist und bin zu faul die Karte aus dem Rucksack zu holen. Ausserdem ändert auch die Karte nichts, ich muss einfach laufen, bis ich dort bin. Trotzdem entdecke ich noch Sehenswertes am Weg, wie schöne Baumpilze und interessante Gesteinsformationen.
Und plötzlich taucht Stierva vor mir auf. Viel früher als erwartet. Hab ich's doch geahnt, Wegweiser wissen nicht immer alles.
Noch einmal schaue ich zurück
Obwohl ich ab und zu hier bin, meist bei Klienten, gibt es doch noch einiges, was ich noch nie beachtet habe. So dieses Relief am Gemeindehaus
und den schönen Brunnen
Es war wunderschön heute...
Answers
Obermutten
@Sidea
Ich freue mich immer wieder über Deine tollen Tourenberichte. Am 28.8.2001 war ich auch in Obermutten und habe Fotos für einen kleinen Prospekt für das das Gasthaus Alpenblick gemacht.
Viel hat sich in den 10 Jahren nicht anscheinend nicht verändert.
Sehen die Zimmer heute immer noch so rustikal aus?
Beste Grüsse
Heinz
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Spannend!
Danke, sidea.
Eine spannende Reportage, spritzig erzählt und mit schönen Bildern dokumentiert.
Was mich erstaunt, dass es auf dieser Höhe (2500 Meter über Meer) immer noch eine geschlossene Grasnarbe gibt ... oder irre ich da? Meist gibt es ja in dieser Höhe fast nur noch nackten Fels. Klimabedingt?
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Carpe diem
Danke für die Bilder aus Mutten/Obermutten GR
In diesem alten Holzkirchlein hatte es auch eine Glocke aus Holz, ob das immer noch so ist weiss ich nicht, da müsste man sich mal erkundigen.Die Waldgrenze liegt in dieser Gegend auf ca. 2000 bis 2300 MüM
Mutten liegt auf 1395 M, Obermutten 1836 M, Muttner Höhi 2003 M, darum hat es da auch Gras über den Grat bis ins Val Schons (Schams) und da wird auch Alpwirtschaft betrieben.
Auf der gegenüberliegenden Talseite im Schams da gehen die Alpweiden auch bis auf den Grat, Einshorn 2457 M, und unterhalb des Piz Beverin gar bis auf 2602 MüM.
Das sind gegen Süden ausgerichtete Täler und unterliegen dem Föhn darum ist es dort auch wärmer als anderorts.
Diese Gegend kenne ich schon seit meiner Jugend obwohl ich nicht dort geboren und aufgewachsen bin.
Für mich..
eine Nostalgiewanderung in die Vergangenheit.
Ich bedanke mich sehr für die schönen Aufnahmen und die wunderbaren Texte. Es ist nicht nur eine Wanderbeschreibung, sondern ein gefühlvoller Bericht zu jeder Foto. Ich freue mich auf deine "Skietourenwanderungen".
Gruss und Allegra
Berggeist
Danke
für Eure Rückmeldungen und Euer Lob.
Heinz, ich weiss nicht, wie die Zimmer des Alpenblicks aussehen. Ich habe sowieso den Eindruck es sei geschlossen, habe dort nie etwas gesehen. Ich bin jedenfalls bisher immer nur im Restaurant Post gewesen.
Hans Jörg, ich meine, es ist in etwa so, wie Tim geschrieben hat. Aber wirklich weiss ich es nicht, ist mir auch nie aufgefallen, dass es hier anders ist als anderswo. Oft geht die Grasnarbe bis auf einen Grat. Also kommen da auch nicht ständig Steine und stören die Vegetation. Vielleicht liegt es auch daran?
Tim, ich weiss leider nicht ob da noch eine Holzglocke ist. Früher konnte man noch in das Türmlein steigen (nicht offiziell), das hab ich hin und wieder gemacht und durch die Lamellen rausgelinst. Aber auf die Glocken hab ich nicht geachtet. Jetzt ist der Aufgang verschlossen.
Berggeist, Skitouren werden es wohl nicht sooo viele werden. Ausserdem klappt da nicht immer alles. Stöcke, Felle, Barryfox, Proviant, Jacke, Handschuhe, Sonnenbrille, hab ich alles schon vergessen, oder ich hatte die falschen Schuhe dabei. Je nachdem ist es zwar unangenehm aber es geht irgendwie, oder ich muss nach Hause um das fehlende zu holen. Da wird's dann ev. eine kleinere Tour oder gar keine mehr. Den Vogel habe ich aber letzten Winter abgeschossen, als ich mich in Bivio freute, gar nichts vergessen zu haben. Alles fixfertig zum Start. Dann will ich die Skis aus dem Auto nehmen - vergessen! Ich werde wohl alt... ;-)
Gruss Sidea
Zu akzeptieren, dass etwas anders läuft als ich es mir gedacht habe, bringt innere Freiheit. Daniel Schönbächler
Hallo sidea
. Den Vogel habe ich aber letzten Winter abgeschossen, als ich mich in Bivio freute, gar nichts vergessen zu haben. Alles fixfertig zum Start. Dann will ich die Skis aus dem Auto nehmen - vergessen! Ich werde wohl alt... ;-)
Soo schön gelacht habe ich schon lange nicht mehr. *FREU*
Herzliche Grüsse, Trudy zum Blog