Lebensfragen - Lebenshilfe

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Das verdammte "noch" und die Therapien

9 Antworten [Letzter Beitrag]
6. November 2011 - 12:43
Brigitte Poltera

Im Bericht über das 6. Schärme-Symposium in Sarnen (Bericht von Vreni Casagrande) schreibt Judith Stamm, neben den Clichés über das Alter in den Medien, den Worten wie Altersschwemme, Überalterung usw. störe sie auch das verdammte "noch" wie im "kannst du das noch?"

Mit geht es ähnlich mit dem Brauch, dass von einem gewissen Alter an, vor allem in den Altersheimen, jede Beschäftigung als Therapie etikettiert wird: die Bewegungstherapie, die Beschäftigungstherapie, Singen als Therapie. Kann denn im Alter gar nichts mehr zur Lust und Freude, ja, gar zur Weiterbildung, stattfinden? Und ab welchem Alter nicht mehr?

Vermutlich gelten für mich bald einmal mein Englischkurs und mein Aquarellierkurs als Therapien. Ab welchem Alter könnte ich wohl meine Krankenkasse anfragen, ob sie mir einen Beitrag ans Kursgeld bezahlt?

Judith Stamm in
http://www.seniorweb.ch/type/magazine-story/2011-11-06-6-schaerme-symposium-sarnen

Answers

etna

***

Liebe Brigitte,

da bin ich ganz Deiner Meinung. Ich finde solche Sprüche erniedrigend, denn ich möchte einfach ein Mensch bleiben, ein alter Mensch natürlich, der sich eben noch so beschäftigen und bewegen kann, wie es der Verschleiss seines Körpers oder Geistes  noch zulässt. Ohne dass ein grosses Geschrei genmacht wird darum, ob sich jemand noch bücken, oder ein Bein hochheben kann. Das ist doch beim Altern, wenn man keine spezielle Krnakheit hat, ein ganz normaler Verlauf.Und wer nicht mehr imn Arbeitsprozess steht, hat ja alle Zeit, um gerne gemachte Beschäftigungen zu pflegen, ohne dass man dies Therapien nennen müsste.

Ebensogut könnte man ja ein kleines Kind verächtlich anschauen und "therapieren" das all die Dinge, die es bald lernen wird, noch nicht beherrscht. Das Leben ist doch ein ganz normaler Kreislauf, der individuell mehr oder weniger gut durchlaufen wird. Diskrimination ist da nicht am Platz.

 Die beste Art, sich zu wehren, ist sich nicht angleichen. (Marc Aurel)

yanik

beschäftigung versus therapie

das Wort Therapie ist eindeutig aus medizinischem Fachgebiet. Es ist erst noch ein Fremdwort. Was sind diese doch geliebt!  Es wird wohl zuwenig nachgedacht und zuwenig bewusst mit Worten umgegangen.
Eine Diskriminierung würde ich es jedoch nicht nennen wollen, eher eine traurige Nachlässigkeit.

Monika Eichmann

In Altersheimen geistert die Bezeichnung............

AKTIVIERUNGSTHERAPIE rum. Müssen wir Alten immer noch oder schon therapeutisch aktiviert werden?

iloma

W i r Alten?

Nicht  w i r, Monika, die anderen...!

Man nennt ja fast alles "Therapie" und es fängt ja schon in der Schule an: Bewegungstherapie für ungelenke Kinder oder Sprachtherapie. Wenn man Pech hat, dann gehts das ganze Leben so weiter...  (z.B. Wassertherapie, Schmerztherapie, Rückentherapie undundund....)

Beispiel Altersheim: Wer plötzlich, praktisch von heut' auf morgen nicht mehr aktiv und eigenständig im Leben stehen kann, muss irgendwie halt aktiviert werden, damit die Muskeln und das Hirn nicht verkümmern. Bis jetzt habe ich eher gesehen, dass viel zu wenig in dieser Hinsicht getan wird, als zu viel. Ist es denn besser, wenn man, weil es sonst zu langsam geht, die Menschen schnell in einen Rollstuhl setzt und sie dann für den Rest des Nachmittags im TV-Raum abstellt mit einem Programm, welches sie noch nicht einmal selbst gewählt haben? Dann doch lieber in eine Aktivierungstherapie, welche auf die Person zugeschnitten ist und erst noch ein persönliches Gespräch stattfinden kann.

Bevor es soweit ist, wird halt auch alles Therapie genannt, was einen Heilungsprozess begleiten soll. Für mich hat das Wort eher eine positive Aussage.

 

 

Gruss, iloma

* * *  Flügelt ein kleiner blauer Falter vom Wind geweht, sah ich das Glück mir winken, glitzern, flimmern, vergehn. Hermann Hesse  * * * *

 

wels

aa

Therapie=Krankenkassenmelken, Diese endlose Therapiererei ist ein weiterer Grund der Kostenexplosion. Die sich wie Mäuse vermehrenden neuen Therapieberufe zeigen, dass unser krankes Gesundheitswesen unbeschränkt explodiert. Statt vom Hirnschlag Gelähmte an der Lungenentzündung sterben zu lassen werden sie jahrelang in Betten liegen gelassen mit bekannten Folgen wie riesige Wunden die dann mit Maden (Madentherapeutin, Medizinbiologin, Madenhygienikerin und dahinterstehenden Firmen für Madenzucht, Madenqualitätssicherung etc.) und 20 anderen Therapien (Schlaftherapie, Wachtherapie, Physiotherapie, Rückentherapie, Linkehandtherapie, Rechtehandtherapie...)  behandelt werden. Ich kenne Familien, wo sämtliche Mitglieder im Gesundheitswesen tätig sind. Es wäre an der Zeit, dass die Zahl dieser Therapien endlich gestoppt würde. Dauernd sind auch Inserate neuer medizinischer "Institute" zu lesen. Da steht dann "von den Krankenkassen zugelassen" (also noch eine Dame, die sich von der Krankenkasse ernährt). Zu jedem Ärztehaus gibt es ein Therapiehaus. Statt bei Rückenbechwerden spazieren zu gehen fährt man heute mit dem Auto (=Bewegungstherapie) zu Physiotherapie, zur Rückenschule, zur Wassergymnastik und hockt für den Rest des Tages herum und verwaltet die Rechnungen dieser unnötigen Therapien. 

 

etna

****

Wels, von mir aus gesehen hast Du 150 % recht! Mir sind alle diese Therapeuten schon lange suspekt, umsomehr, dass ich früher auch einiges über mich ergehen liess. Vielleicht bin ich diesbezüglich ein Pechvogel, aber das Resultat war kurzfristig sosolala, und längerfristig gleich null.

Nun weigere ich mich schon lange, solche Insitute auf Anraten des Arztes hin, zu beehren.  Was soll ich alte Tante  z.B. mit Turnübungen anfangen, die nicht einmal jüngere bei Rückenbeschwerden fertig bringen? Und die Schmerzen bleiben mir treu, ob mit oder ohne Schmerzmittel, also kann ich auch diese nur auf den äussersten Notfall beschränken. Alles andere ist nur Profit für die Anbieter. Und mein Magen soll keine "Apotheke" werden !

 Die beste Art, sich zu wehren, ist sich nicht angleichen. (Marc Aurel)

iloma

Turnübungen

Stimmt etna, da hast du Recht..., man muss sich selber spüren und merken was einem guttut. Das was die Ärzte in dieser Richtung von sich geben, ist immer total am Patienten vorbeigedacht. Als ich wegen eines Unfalles auf einer Wanderung lange nicht mehr meine Beine richtig bewegen konnte, oder nur mit Wahnsinnsschmerzen, dann hiess es: Sie müssen sich mehr bewegen und haben mich im Spital zu einer Treppensteig-Therapie eingeteilt. Und das, nachdem ich ihnen auf ihre Fragen hin erzählte, wie lange meine (oft beschwerlichen) Wanderungen jeweils waren und dies mehrmals im Monat. Auch dass ich nie einen Lift benützen würde...also alles das, was ich gefragt wurde. Sie hören nicht zu und schieben dich in die jeweilige Schublade, wo es ihnen gerade passt. Ja es hiess sogar, in ihrem Alter darf es wohl ein bisschen wehtun...

Es gibt sehr viele Scharlatane unter den sog. Therapeuten und da muss man sehr aufpassen, aber ich kann nicht sagen, wie man das anstellt.

Trotzdem, es gibt sicher gute Therapien, man muss nur richtig suchen. Aber für vieles gibt es halt keine Heilung, sondern nur Erleichterung. Und jetzt gehe ich grad wieder hin und lasse mir den Rücken "richten." Ich habe Glück mit dieser Therapeutin, ohne Zweifel. Aber sie hat auch eine sehr gute Ausbildung genossen und bildet sich ständig weiter. Es ist nicht alles nur des Teufels, sondern man muss sehr genau hinsehen und nicht alles glauben, was versprochen wird. Ausserdem, sie sagt, es sei ein schöner Beruf, anstrengend aber sehr befriedigend, weil sie immer sehr dankbare Patienten hat.

Es heisst halt auch hier die Spreu vom Weizen zu trennen! Und wenn die Krankenkassen auf Qualität achten (würden), dann werden dadurch auch noch Arbeitsplätze geschaffen (erhalten).

Gruss, iloma

* * *  Flügelt ein kleiner blauer Falter vom Wind geweht, sah ich das Glück mir winken, glitzern, flimmern, vergehn. Hermann Hesse  * * * *

 

nepomuk

In unserer Alterssiedlung mit

In unserer Alterssiedlung mit Alterswohnungen, Altersheim und Pflegeheim heissen die vielen Aktivitäten, die (freiwillig) angeboten werden: Gruppe. Also die Turngruppe, Gedächtnistrainigsgruppe, Gartengruppe, Handarbeitsgruppe usw. Wir sind sehr dankbar für diese Angebote, die immer freiwillig sind. Wir bezahlen als Bewohner der Wohnungen Fr. 50.- pro Monat, es wird auch viel Kulturelles angeboten, und zwarin vielen Richtungen: Ländlermusik, Lesungen, Jazzkonzerte, klassische Musik -  und vieles andere.

Ich kann nicht verstehen, wie so viel über solche Institutionen gewettert wird. In unserer können wir uns über gar nichts beklagen...

nepomuk

Ida

Alters-Siedlung

Ich glaube der Unterschied liegt im Wort „Siedlung“. Früher gab es „betreute“ Altersheime. Ich stelle mir vor, dass hauptsächlich über diese „Heime“ reklamiert wurde. Ich bin überzeugt, dass in den letzten Jahren viel gelernt und verbessert wurde. Ich denke, dass man in einer Siedlung autonom leben kann und nur dort geholfen wird, wo man es auch selbst für nötig findet.