Dorfplatz

Fröhliches Geplauder über Freuden, Sorgen, (virtuelle und reale) Zusammenkünfte und Erlebnisse.

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Geschichten aus dem nicht ganz normalen Alltag

3 Antworten [Letzter Beitrag]
31. Januar 2012 - 23:37
Sidea

 

Manchmal werden wir aus unserem normalen Trott aufgescheucht, wenn der ganz normale Alltag plötzlich nicht mehr normal ist. Wenn der Alltag sozusagen einen Purzelbaum schlägt. Die Begebenheiten sind im Moment oft ärgerlich, manchmal peinlich oder auch wunderbar herrlich. In jedem Fall aber speziell, oft erfreulich und auch über Peinliches und Ärgerliches kann man hinterher herzlich lachen. Solche Geschichten könnten wir hier sammeln. 

Gruss Sidea

Zu akzeptieren, dass etwas anders läuft als ich es mir gedacht habe, bringt innere Freiheit. Daniel Schönbächler

 

 

 

Answers

Sidea

Alltagspurzelbaum

Ich mache den Anfang mit einem netten Alltagspurzelbaum von heute. 

 

Vogelrettung

Ich bin gerade dabei den Salat für das Mittagessen zu rüsten. Da nehme ich aus dem Augenwinkel Bewegung wahr. Auf der Terrasse ist unser Kater, der Kimi, gerade dabei einen wild flatternden Vogel endgültig in seine Gewalt zu bringen. Sowas mag ich nun gar nicht. Mit Geschrei stürze ich mich in den Finken auf die zum Teil verschneite und vereiste Terrasse. Kimi, etwas verunsichert, schaut kurz auf, wendet sich aber sofort wieder dem immer noch flatternden Vogel zu. Ich stürze mich auf die Katze, rutsche aus, lande auf den Gehwegplatten, erwische den Kater aber doch noch so halbwegs. Er entwindet sich meinem Griff und flieht - ohne Vogel, soviel ich sehen kann. Wo ist denn der? Ich schaue mich um, kontrolliere, ob er nicht irgendwo hockt, wo ihn mein Kater wieder erwischt. Ich sehe nichts. Er ist also weggeflogen, der Vogel.

Ich gehe in die Küche zurück, stelle fest, dass ich mir die Finger aufgeschlagen habe, lecke ausgiebeig meine Blessuren und wende mich danach wieder dem Salat zu.

Plötzlich flattert es neben meinem Kopf. Der Vogel ist in der Küche, hat sich also hierhin gerettet! Er versucht aus dem Fenster zu entkommen, was natürlich nicht geht, weil geschlossen. ヨffnen geht so schnell auch nicht, wegen der diversen Pflanzen auf dem Fensterbrett. Nach einigem herumflattern lässt sich der Vogel endlich hinter einem Kaktus nieder. Vorsichtig, ich will mich ja nicht auch noch stechen, versuche ich den Vogel zu erhaschen. Beim dritten Anlauf gelingt es mir. Jetzt stehe ich da, mit einer handvoll Nichts. Es ist nur ein Vögelchen, klein, wiegt kaum etwas. Einen langen spitzen Schnabel hat es und einen gelben Fleck auf dem Kopf. Mit schwarzen Knopfaugen schaut es mich an. Ziemlich munter, wie mir scheint. Es scheint ihm zu gefallen in der Wärme meiner Hand, wahrscheinlicher ist aber, dass es einfach nur verängstigt ist. Was jetzt? Also irgendwohin muss ich damit. Einfach auf der Terrasse aussetzen will ich es nicht, denn die Gefahr, dass es noch nicht so fit ist und meinem Kater nochmals in die Fänge gerät, ist mir zu gross.

Also im oberen Stock auf den Balkon. Ich hole noch einige Lumpen, mit denen ich es ihm gemütlich machen will, falls er noch nicht so recht flugfähig ist. Einen Meisenknödel lege ich auch dazu, obwohl ich meine, dass Vögel mit so langem, spitzen Schnabel sich nicht dafür interessieren. Ich bin mir aber nicht so ganz sicher und in der Not frisst sogar der Teufel bekanntlich Fliegen. Dann könnte mein vermutlich insektenfressendes Vögelchen es auch mit etwas Meisenknödel probieren. Ich drapiere also meine Lumpen auf dem Balkon, lege den Meisenknödel darauf und setze den Vogel dazu. Der würdigt meine Bemühungen keines Blickes, sondern macht sich gleich auf und davon fliegt ein kleines Tännchen an. Er scheint fit zu sein!

Das Mittagessen hat heute Verspätung und der Kater ist beleidigt.

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Der Vogel, das habe ich mit Hilfe von FB herausgefunden, ist ein Wintergoldhähnchen. Der kleinste Vogel Europas, nur 4 bis 7 Gramm leicht!

Gruss Sidea

Zu akzeptieren, dass etwas anders läuft als ich es mir gedacht habe, bringt innere Freiheit. Daniel Schönbächler

 

 

 

Sidea

Eingesperrt

Noch eine Geschichte, vom letzten Dezember. 

 

Ich bin erst zum zweiten Mal mit userem nigelnagelneuen Auto unterwegs. Also eine nigelnagelneue Occasion natürlich. Zwar so ziemlich das Gleiche wie zuvor, aber ein bisschen um- und angewöhnen muss ich mich schon noch. Es ist endlich Winter geworden nach dem wunderschönen langen Herbst. Saukalt ist es und immer noch dunkel, wie ich vor dem Haus meiner ersten Klientin parke und das Auto abschliesse. Beim Weggehen spüre ich einen Knopf im Schlüssel. Ob das wohl eine Fernverriegelung ist? Ich drücke probeweise ein paar Mal drauf, aber es tut sich nichts. Also offenbar nicht.

Eine dreiviertel Stunde später will ich wieder in mein Auto einsteigen. Ich schliesse auf, aber die Tür lässt sich nicht öffnen. Die Beifahrertür auch nicht. Eingefroren? Aber das Auto haben wir erst seit einer Woche und eigentlich glaube ich nicht, dass unser Garagist im Winter ein Auto ausliefert, ohne die Türdichtungen zu silikonisieren. Hat der Knopf im Schlüssel vielleicht doch einen Zweck? Habe ich damit etwas verstellt? Gibt es da eine Funktion, von der ich noch nichts weiss? Ich probiere mit und ohne Knopf, verriegle und öffne mit dem Schlüssel, es bringt alles nichts, die Türen lassen sich nicht öffnen. Weder links noch rechts, weder vorne noch hinten, auch nicht mit sanfter Gewalt. Mehr Gewalt möchte ich nicht anwenden, ich will ja nichts kaputt machen. Ich sollte aber weiter, die nächste Klientin wartet. Also probiere ich es mit der Heckklappe. Tatsächlich, die lässt sich öffnen. Glück gehabt. Ich krieche in den Kofferraum, winde mich über die Rücksitze und habe den Kopf schon beim Schalthebel, da kommt mir in den Sinn, dass hinten noch offen ist. Also zurück geschlängelt, Heckklappe zuziehen und wieder nach vorne. Das wird unter Beweglichkeitstrainig abgebucht. Zuerst probiere ich, ob von innen was zu machen ist, aber das geht auch nicht. Dann schnappe ich mir das Bordbuch, schaue nach, ob da etwas von irgendwelchen geheimnisvollen Schliessmechanismen steht, werde aber nicht fündig. Allzuviel Zeit habe ich nicht, die nächste Klientin wartet. Also losgefahren. Immerhin, das geht noch. Unterwegs frage ich mich, wie ich wieder raus komme. Tja, vermutlich wieder hinten, es gibt heute wohl noch mehr Bewegungstraining. Lässt sich die Heckklappe eigentlich auch von innen öffnen? Wohl eher nicht... Ich bin eigesperrt. Was jetzt?

Da unsere Garage sowieso am Weg liegt, beschliesse ich, dort vorbei zu fahren. Aber wie komme ich aus dem Auto, wenn ich dort bin? Ohne Gewalt überhaupt nicht. Wie mache ich dann jemanden auf mich aufmerksam? Hupen! Das ist mir zwar peinlich, aber es wird mir vermutlich nichts anderes übrig bleiben.

Ich habe Glück, der Chef höchstpersönlich verabschiedet gerade einen Kunden vor der Werkstatt. Ich winke ihn herbei und will das Fenster öffnen, damit ich ihm mein Missgeschick erzählen kann. Aber auch das Fenster tut keinen Wank. Nun, er als Mechaniker hat keine Skrupel rupft zweimal kräftig an der Tür und offen ist sie. Ich erkläre kurz. Die Sache ist ihm nicht recht, er entschuldigt sich, ja natürlich, Silikon, das hätte er machen müssen. Er könne es aber sofort erledigen, aber zuerst müsse das Auto in der Werkstatt auftauen. Etwa zwei Stunden dauere das insgesamt schon. Das Auto das er normalerweise als Ersatz habe, könne er mir nicht anbieten, das habe er erst gerade verkauft. Wo ich hinmüsse, er könne mich hinfahren. Ich winke ab. Ich habe zwei Klientinnen im Ort, da gönne ich mir etwas Bewegung. Und weil der vierte Klient ausgefallen ist, muss ich nicht mal pressieren.

Es wird ewas später für die beiden Klientinnen, dafür haben sie etwas zu lachen!

Gruss Sidea

Zu akzeptieren, dass etwas anders läuft als ich es mir gedacht habe, bringt innere Freiheit. Daniel Schönbächler

 

 

 

dummy

Na schau Dir das an, sidea!

Habe doch auch schon ein Wintergoldhähnchen vom Kater gerettet!

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Ist nicht der Zaunkönig der kleinste Vogel Europas?