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Hier ein Bericht über den aktuellsten Fall
Kann mir jemand erklären, weshalb es drei Jahre braucht, um einen geständigen Mörder vor Gericht zu bringen ?
Answers
Ich weiss, wo Ihre Kinder zur Schule gehen!
Ein Arzt, der nachts nicht gleich ein harmlos krankes Kind besuchen wollte, tat es dann sofort, als er am Telephon den Betreff-Satz "Ich weiss, ..." gehört hatte.
Dass Richter und Ankläger Hemmungen haben, einen Mordfall aufzuklären, nachdem sie ähnlich bedroht wurden, kann ich verstehen. Wenn es nach den Regeln seines Volkes ginge, müsste der Vater des Opfers sich rächen, worauf der Vater vom Bruder des Mörders erschossen werden müsste, usw.
Wenn der erwiesene Waffennarr behauptet, es sei ein Unfall gewesen, ist das zwar offensichtlich gelogen, aber er und sein Verteidiger dürfen anscheinend lügen und den Prozess raffiniert verzögern.
Die Frage von jipègé ...
... lautet anders. Nicht die Verzögerung des heute begonnenen Prozesses ist Ausgangspunkt.
Er will wissen, warum der Prozess erst heute begonnen hat und nicht schon vor 2 - 2 1/2 Jahren. Wenn wir natürlich Richter und Verteidiger haben, die Angst haben vor Selbstjustiz und fremdem Recht, und dies in unserm eigenen Rechtsraum - wie Draht hier stipuliert - dann ist die lange Untersuchungszeit darin begründet. Dann werden wir uns auch nicht über ein mildes Urteil wegen fahrlässiger Tötung wundern dürfen, und dann werden wir uns auch nicht wundern dürfen, wenn der Mörder noch lange in unserm Land bleiben darf, und, weil niemand einen solchen Mann anstellen will, er auch Sozialhilfe beziehen dürfen wird.
Ich weiss, ich spekuliere. Ich habe weder Belege noch darf ich von diesem Einzelfall auf eine allgemeine Tendenz schliessen.
Ich hoffe, ich irre mich gewaltig. Wetten dass ... ?
Ohren können das Gute hören, Augen das Schöne sehen, wenn das Hirn dies zulässt
Ja, das hoffe ich wahrhaftig auch, Andreas ...!
Eine, nur halbwegs tröstliche Erkläung ist vielleicht die Tatsache, dass bei uns alles immer viel länger dauert als anderswo. Schweizer sind (falls man sie so generalisierend zusammenfassen darf) langsam und gründlich und überlegen lieber dreimal, weil sie eigentlich keine Fehler machen möchten ... was sich allenthalben im politischen wie halt auch im Rechtsystem zeigt.
Nachdem ich Drahts Posting gelesen hatte, suchte ich nach Info auf dem Web und fand seine Aussage leider bestätigt. Aber... kürzlich war ich im Forum für Schweizer Geschichte in Schwyz; dort gibt es eine hochinteressante Dauerausstellung über die Situation hierzulande VOR und zur Zeit der Gründung der Eidgenossenschaft. Da ist von Fehden die Rede und davon, dass die Gründung der Schweiz u.a. erfolgte weil aufgrund der Freiheit (d.h. der Abwesenheit einer Oberherrschaft) eine Art rechtsfreier Raum entstanden war, der seinen Tribut forderte... in Form von geklautem Vieh und Schlimmerem.
Nun sind Fehden, wie ich gerade lese, nicht gleich Blutrache. Aber sie sind die ultimo ratio dieses mittelalterlichen Rechtssystems. Mit anderen Worten: Bilden wir uns nichts darauf ein, dass unsere Vorfahren es schafften sich von Fremdherrschaft zu befreien und daraus dann auch etwas GUTES machten... Das Verdienst von uns heutigen Eidgenossen ist das nicht.
Aber erweisen wir uns als würdig und tun wir auf allen Ebenen (vor allem unserer persönlichen) unser Möglichstes, dass wir selber nicht regredieren in die Auge-für-Auge, Zahn-für-Zahn Denkweise - während wir gleichzeitig, und zwar möglichst pronto, einen gangbaren Weg suchen mit solchen Mitgliedern einer anders gearteten Gesellschaft zu verfahren, wenn die nicht verstehen, dass hier bei uns alles anders ist.
Osez l’autre dans sa différence !
(Philippe Pozzo di Borgo)
ich verstehe zwar nicht, ..
... was meine Frage nach dem Grund einer 3-jährigen Wartezeit auf den Prozessbeginn in einem solch klaren Fall mit mittelalterlichen Fehden und mit der sattsam bekannten Geschichte der Eidgenossenschaft zu tun hat, weigere mich aber generell gegen die vorherrschende Meinung, dass "Schweizer langsam und gründlich", sprich besser sein sollen - langsam ganz bestimmt, gründlich ... das riecht wieder mal stark nach "nous les Suisses, il n'y en a pas comme nous".
Ich verstehe auch Draht's Antwort nicht wirklich, oder besser, ich will es nicht glauben, dass eine solche Verschlepperei aus Angst vor Bedrohungen entstanden ist. Das wären ja Horror-Vorstellungen ...
Ich wiederhole meine Initialfrage : Warum dauert es ganze 3 Jahre, bis der bekennende Mörder in einem solch klaren Fall vor den Richter kommt ?
Jean-Pierre
Vielleicht
"Säuhäfeli - Säudeckeli" ? oder nur möglichst niemandem zu fest auf die Zehen treten. Ich versteh es nämlich auch nicht
Justiz, Prozesse, Gefängnisse und Migration alles ein Debakel!
jipégé schrieb: "Warum dauert es ganze 3 Jahre, bis der bekennende Mörder in einem solch klaren Fall vor den Richter kommt"?
Da gibt es eigentlich nur einfache Antworten Jean-Pierre. Zu wenig Personal durch zu knappe Finanzen. Dadurch stapeln sich die Fälle, hier in Nidau z.B. liegen 400! nicht bearbeitete Dossiers, Bern hat Hilfe versprochen. Es hängt noch Vieles zusammen denn auch die überfüllte Gefängnisse wie in Genf sind ein Problem aber dies weiss man schon seit Jahre! Die Mehrheit der Bevölkerung hat längst das Vertrauen in die Justiz verloren. Es gibt Momentan Prozesse die dauern 6 Jahre. Heerscharen von Anwälte verdienen sich Dämlich dran alles hinaus zu schieben. Man sollte mal Geld freimachen für mehr Personal und nicht immer jammern. Sicherheit kostet Geld und da wir bald Milliarden an die IWF verschenken wollen....ohne uns abstimmen zu lassen? Gruss
Mehr Geld für die Administration
Mit diesem Slogan lassen sich aber keine Wahlen gewinnen, mit "Schlanker Staat - weniger Steuern" aber wohl eher.
>> In dieser Welt gibt es nichts Sichereres als den Tod und die Steuern. (Benjamin Franklin, 17.01.1706 - 17.04.1790, US-Staatsmann, Ökonom und Naturforscher) <<
Es dauert ...
@margret. Danke für Deinen hinweis aus Schwyz. Genau das dachte ich dort auch. Da ist zu lesen, dass bei der "Gründung" der Schweiz , eigentlich noch gar keine Demokratie herrschte. Wenige Familien von Landadeligen aus Schwyz Unterwalden und Uri, teilten sich die Macht, und die "Aemter". Bauern wurden da "nicht berufen". Bauern wurden auch nicht als Offiziere ernannt. Sie blieben "das Fussvolk".
Es wurde gefragt, was die langsame Justiz mit der alten Eidgenossenschaft zu tun habe. Es hat in dem Sinne etwas zu tun, dass hierzulande - wie in alten Zeiten - die "Behandlung" von Missetätern, je nach Gegend, Namen und Stand etwas verschieden gehandhabt wird. Staatsanwälte brauchen m.E. starke Nerven und eine feste Haltung, wenn ein prominentes Mitglied der Gesellschaft angeklagt wird. Kann es doch vorkommen, dass der Staatsanwalt vielleicht an einer Sitzung der Zunft oder der Partei x oder in der Loge, "um etwas Milde" für den guten Freund "ersucht" wird. Arbeiter können keine "Einfluss" entfalten. Prominente jedoch können sich gleich mehrere Anwälte leisten, welche dann versuchen, sogar den Staatanwalt "zu Fall" zubringen.
Aber die einfachste Antwort warum es lange dauert,ist wohl die Menge der Dossiers, welche abgearbeitet werden müssen.
Die Menge der Dossiers
Genau so wird es sein. Die einfacheren Fälle (Verkehrsdelikte), die auch etwas leichter gewinnbringend umgesetzt werden können, werden umgehend bearbeitet.
Berichtigung
Von besser habe ich kein Wort gesagt. Ich meinte "langsam, weil sie gründlich sein möchten". Mich regt die Langsamkeit, mit der es bei uns in gewissen Dingen (nicht) vorwärts geht, nämlich je länger desto mehr auf.
Osez l’autre dans sa différence !
(Philippe Pozzo di Borgo)
CH-Justiz nicht nur Langsam auch noch Unverständlich
ein Beispiel; wieder ein Prozess welcher drei Jahre dauerte obschon die Sachlage eigentlich klar sein sollte. Danach bekommt der Mörder eventuell NUR 8 1/2 Jahre.
http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/02/08/Schweiz/Kriens...
anderes Beispiel aus den USA, da bekommt eine Minderjährige Lebenslang.
http://de.nachrichten.yahoo.com/18-j%C3%A4hrige-in-den-usa-wegen-mordes-...
Komische Rechtsprechung und krasse Gegensätze finde ich, bei uns in der Schweiz kann man also mindestens drei Menschen umbringen bis man Lebenslänglich bekommt und dann vielleicht verwahrt wird?