Leben

Frauenmenschen und Fussball

Frauenmenschen und Fussball

Aber hallo, da geht ja was ab!

Vor der Flimmerkiste im Salon sitzt mein Frauenmensch, schreit, fuchtelt mit den Armen, greift sich manchmal mit erschreckenden Klagelauten an den Kopf, während er gleichzeitig vom Sofa auf den Teppich gleitet, oder er jubelt ohne  mir ersichtlichen Grund, klatscht in die Hände, springt auf und tanzt um mich herum. Ja, was ist denn in den reingefahren? Zum Glück hebt er mich dann immer mal wieder hoch, küsst mich auf die von ihm  bevorzugte Stelle zwischen meinen Ohren und beruhigt mich, indem er versichert, dass ich mich wegen all dieser erschreckenden Laute nicht zu ängstigen brauche. Na gut.

Unsereins möchte ja ein solch riesiges grünes Feld lieber selber spielend durchtoben, von mir aus auch einem Ball nachjagen. Was jedoch meinen Menschen in völlig ungeahnter Weise toben lässt, ist die Beobachtung von ein paar männlichen Menschen, die einem schwarzweissen Ball hinterherjagen. Ich könnte mir ja vorstellen, dass ein Vertreter der männlichen Spezies Mensch von solch urtümlichem Tun entzückt sein könnte – aber eine Frau? Frauen sind doch komplizierter und vielschichtiger, das weiss ich schliesslich aus eigener Erfahrung.

Ich musste mich aus der Flimmerkiste, in der diese Spiele vorgeführt werden, belehren lassen, dass immer mehr Frauenmenschen vom Spiel, das man „Fussball“ nennt, begeistert sind. Sie schwärmen von der ganz gewissen Aesthetik des Spiels – Kraft und Schönheit – hatten wir das nicht schon mal? Na ja, solange es dabei bleibt, kann ich das ja sogar nachvollziehen. Aber woraus sie ihre Spannung beziehen, bleibt mir schleierhaft. Denn meistens spielen ja nicht mal die Vertreter ihrer eigenen Nation, und doch drehen sie beim Zusehen auf und durch. Ein Phänomen!

Und jetzt sprechen sie sogar von einem Wunder. Mein Mensch redete zuerst am Nachmittag des Spiels Schweiz-Spanien davon und war ganz stolz auf die publikumswirksame Formulierung: „Das Wunder von Durban“. Aber nur so lange, bis zu seiner Enttäuschung in den 10-vor-10-Nachrichten des Schweizer Fernsehens dieser bärtige Mensch, der sich Klapproth nennt, das gleiche Wort wiederholte: „Das Wunder von Durban“. Tja, diese Journalisten ticken eben alle ähnlich. Und in der Schweiz musste ja einmal das „Wunder von Bern“ überholt respektive ersetzt werden. Und das 1:0 der Schweiz  gegen den amtierenden Europameister komme ja wirklich fast einem Wunder gleich. Habe ich mir sagen lassen.

Ich weiss nur eines: Solange diese Spiele andauern, komme ich erfreulicherweise rechtzeitig zu meinem Abendspaziergang. Denn nach der Abend-Übertragung muss mein Mensch einfach raus und setzt sich nicht, wie sonst so oft, nochmals bis in alle Nacht hinein vor den Computer.  Und freut sich sogar am Hupkonzert der feierlich und fahnenschwenkend durch die Strassen rollenden Autos. Bei Hochzeiten und im Fussball darf offenbar in der Schweiz auch nach 22 Uhr gehupt werden. Oder sagt man seit neuestem „getrötet“? Vu, Vu, Vuvuzela...

 

Kommentare

Bild des Benutzers Bernhard Schindler

Wie langweilig ist doch ein Menschenleben

Liebe Jura

 

Hast Du Dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie langweilig so ein Menschenleben sein muss? Da hocken sie vor der Glotze, lesen Bücher und Zeitungen, lösen Kreuzworträtsel oder geben Tupperweare-Parties - dabei müssten sie nur einmal die Nase nicht so hoch tragen, sondern wie unsereiner schnüffeln, was da in den letzten vierundzwanzig Stunden alles passiert ist.

Heute früh beim Spaziergang habe ich einen Dachs gerochen, der über die Strasse gesprungen ist. Und einer dieser dummen Marder, die Gummiteile am Auto meines Herrchens anknappern, hat auf die Abtretmatte vor dem Haus geschi..., eine Frechheit, so etwas. Natürlich habe ich ihn heute nacht gehört und geheult und gebellt. Aber mein Herrchen sagt dann immer: Sei ruhig, Miro!

Nachbars Katze hat einen Vogel gefangen. Wenn mein weibliches Herrchen das sieht, ist sie für einige Stunden ganz gegen Katzen. Dann darf ich die dumme Tante von nebenan auch mal anbellen. Sonst aber sind Katzen heilig oder sonst was. Und ich mache immer Zweiten.

Es regnet in Kölliken, was meine Menschen zum Vorwand nehmen, nur kurz mit mir spazieren zu gehen. Dabei ist es doch erst bei Regen und Pflotsch so richtig sauhündig schön. Ich rieche dann nicht mehr nach bravem Hund, sondern nach Dreck und keine Katze merkt, dass ich mich anschleiche.

Wie wenig Verständnis haben doch Menschen für die natürlichen Bedürfnisse ihrer vierbeinigen Genossen!

Liebe Jura, ich muss schliessen. Ich hörte gerade im zweiten Stock, dass im Parterre meine Herrin einen Servalat schält. Da muss ich sofort runter, sonst schmeisst die die Haut in den Mülleimer!

 

Tschüss, Miro