Kultur

36. Jazzfestival Willisau: 25. bis 29. August

36. Jazzfestival Willisau: 25. bis 29. August

Willisau ist stets dem Trend voraus, heisst es in Avantgarde-Jazzkreisen…
Arno und Niklaus Troxler, neuer und alter Festival-Leiter in WillisauArno Troxler (links) hat ab 2010 die Festivalleitung seines Onkels Niklaus Troxler übernommen. Foto zvg.

Nach 35 Jahren als Festivalchef und nach 900 Konzerten trat letztes Jahr Niklaus „Knox“ Troxler (63), Grafiker und Konzertveranstalter von seiner organisatorischen Tätigkeit mit den Jazzkonzerten und dem Festival zurück. Nun bricht die Aera von dessen Neffe Arno Troxler (31), an. Dieser verspricht für seine Premiere am 36. Jazzfestival Willisau ein Programm mit „Jazz von jetzt mit Musikern von heute“; insgesamt wird er 13 Konzerte auf das Festivalgelände bringen; „Jazz bis hin zu Elektronika und experimentellem Rock“. Die meisten „Acts“ sind zum ersten Mal in Willisau, sagt Arno Troxler; „ es wird also spannend.“

Vorerst gilt es aber, Arnos Onkel, dem Grafiker und Jazzfan Niklaus Troxler ein besonderes Kränzchen zu winden. Er war es, der das Städtchen Willisau am Fuss des Napfs zum Pilgerort für Musiker und Jazzfreunde etablierte. Nun tritt Troxler ab, nach mehr als 40 Jahren, „in denen Willisau zum Synonym für Avantgarde und Free Jazz wurde, in welchen weit über 2500 verschiedene Musiker ein- oder mehrmals aufgetreten sind“, wie dies aus Pressemitteilungen hervorgeht. Was 1966 mit der Vermittlung und dem Auftritt der Zürcher Band „Swinghouse Six“ begonnen hatte, wurde dank seiner Pionierarbeit letztendlich zu einem Stück Schweizer Jazzgeschichte. Troxler gründete das Jazzfestival Willisau 1973, das in den Anfängen bereits unter der Agide Free- und Avantgarde Jazz stand und in den weiteren Jahren in dieser Richtung ausgebaut worden ist. Namhafte Musiker wie Chick Corea gastierten in Willisau, Keith Jarret sagte sogar: „One of the best places for music on the world.“, der sich zum Jazz-Mekka entwickelte und zu dem Hunderttausende in den vergangenen Jahren pilgerten. Zudem gelten Niklaus Troxlers selbst kreiierte Festivalplakate als echte Trouvaillen…

Nun kommt also Arno Troxler als neuer Festivalleiter zum Zuge. Er ist aktiver Schlagzeuger und Absolvent der Jazzschule Luzern, war nach der Handelsschule auch Student bei Pierre Favre, Norbert Pfammatter und Fabian Kuratli. Seit sechs Jahren  zeichnet er – nachdem sein Vater diesen Posten 30 Jahren lang am Festival inne hatte - für die Technik verantwortlich. Nun sei es Zeit für einen Generationenwechsel, so Niklaus Troxler, der sich wieder vermehrt seiner Grafikarbeit zuwenden will.Arno Troxler mit Festivalplakat

Arno Troxler mit Willisauer Jazzfestival-Plakat 2010

 

Ein Gespräch mit dem jungen Veranstalter zeigt sich aus diesem Sinne auf:

Seniorweb: Ihr Festival gilt – neben dem Jazzfestival Montreux und Good News mit André Bechir - als eines der wichtigsten in Europa. Wie sehen Sie selbst diese Gruppierung für die Zukunft?

Arno Troxler: Für mich ist es wichtig ein eigenständiges Festival zu veranstalten. Montreux und Good News stehen für etwas anderes und das ist gut so.

Die Liste der früheren Musiker wie der heutigen umfasst ja auch bedeutende Namen aus der New Yorker Jazzszene. Dennoch geben Sie eigentlich mehrheitlich Schweizer Musikern vor den amerikanischen den Vorrang? Wieso?

Für mich ist es wichtig, das einheimische Schaffen zu präsentieren, zumal die Schweizer Szene im Moment sehr aktiv ist und aus diversen sehr guten Bands besteht. Grundsätzlich ist mir jedoch die Herkunft der Musiker nicht wichtig sondern die Musik an sich, diese muss mich überzeugen.

Wird sich das Festival unter Ihrer operativen Leitung zukünftig musikalisch massgeblich verändern?

Ich denke, ich habe mit dem diesjährigen Programm eine Veränderung hineingebracht. Ich konzentriere mich vorerst auf das kommende Festival. Danach werde ich mich mit dem nächsten auseinandersetzen und ein neues Programm zusammenstellen. In welche Richtung dieses gehen wird, weiss ich im Moment noch nicht. Ich lasse mich überraschen.

Nach welchen Kriterien gehen Sie nächstes Jahr bei der Zusammenstellung von Spielpan und Besetzungen vor?

Wie schon erwähnt, lasse ich mich überraschen. Ich werde wieder viele Platten hören, Konzerte besuchen um die Bands für das nächste Festival zu finden.

Sie selber sind – als aktiver Schlagzeuger -  doch stark der Hardrock-, Grunge- und HipHop-Musikszene zugetan. Wie haben Sie Ihre Liebe zum Free und Avantgarde Jazz entdeckt?

Ich bin familiär bedingt mit dem Festival aufgewachsen. Für mich bestand keine Abgrenzung zwischen der Musik die am Festival gespielt wurde und der Musik die ich durch meinen Freundeskreis und die Zeit erlebt habe. Diese Diversifikation ist für mich sehr wichtig und ich möchte diese auch am Festival präsentieren.

Es finden während des Festivals sogar Gratis-Jazzkonzerte für die Bevölkerung Willisaus statt. Wird Ihr Festival subventioniert?

Ein Festival in diesem Rahmen ist ohne Subvention der öffentlichen Hand, der Unterstützung durch Stiftungen und durch private Sponsorengelder gar nicht realisierbar. Die Konzerte im Zelt finden seit jeher statt und sind ein wichtiger Programmpunkt des Festivals. Die Bühne bietet einerseits Platz um jüngeren Musikern eine Plattform zu biete, andererseits können gute Konzerte im lockeren Rahmen bei Speis und Trank genossen werden.

Das Jazzfestival Willisau soll ja – nach Ihren eigenen Angaben -  nicht nur Veranstaltungsort, sondern auch ein gemütlicher, internationaler Treffpunkt für Musikliebhaber sein. Welchen persönlichen Wunsch richten Sie an diese?

Wir haben ein starkes Augenmerk auf die Gestaltung des Geländes gesetzt. Ich hoffe, dass diese Erneuerungen beim Publikum gut ankommen.

Herr Troxler, Seniorweb dankt Ihnen für das Gespräch und wünscht einen vollen Festivalerfolg.

Alle Programminformationen sind unter www.jazzfestivalwillisau.ch aufgelistet.

Standort

Willisau (LU)
Schweiz
Zum Ansehen dieser Karte wird Javascript benötigt.