Freizeit

Tuchfühlung

Tuchfühlung

Man kommt sich wieder näher.

Man spricht plötzlich mit Menschen, die man bis jetzt nur vom flüchtigen Hinsehen oder auch gar nicht kannte. Ein ganz neues Bild der Zusammengehörigkeit ist entstanden. Das Wort „Ständerat“ hat eine neue Bedeutung bekommen.

Früher, viele von Euch werden sich noch erinnern können, früher waren die Kneipen, Pubs und Restaurants voll von fröhlichen, lärmenden Menschen. Sie waren auch voll von Qualm, von beissendem Rauch, den die fröhlichen, lärmenden Menschen in die Luft pafften. Gott sei Dank ist die Zeit der verräucherten Kneipen vorbei. Die Luft in den Lokalen ist wieder rein, man könnte fast sagen, richtig durchsichtig. Und die wenigen Gäste, die sich darin langweilen, können jetzt stundenlang vor ihrer Tasse Kaffee sitzen, ohne eine Spur von Gesundheitsgefährdung.

Auch das Personal freut sich über das neue Klima. Gut, beim Abrechnen am Abend merken sie, dass das Trinkgeld immer weniger wird, aber wer ist schon auf diesen Zustupf angewiesen. Dafür können sie es viel ruhiger nehmen, brauchen sich nicht mit luftverpestenden Jassern herumzuschlagen und können ab und zu nach draussen gehen, um genüsslich eine Zigarette zu rauchen.

Wenn ich jetzt abends bei nasskaltem, unfreundlichem Wetter durch die Stadt bummle, sehe ich vor den Restaurants kleine, runde  Stehtische, um die sich einige Menschen drängen. Es sind Randständige, es sind Raucher. Drinnen dürfen sie nicht, hier draussen können sie. Manchmal gibt es keine Tischchen, dann bilden sie eben Grüppchen. Sie kommen miteinander ins Gespräch, neue Freundschaften entstehen. Das bevormundete Völklein hat eine neue Lobby, fühlt sich nicht mehr allein. Sie gehen miteinander auf Tuchfühlung und reden sich ihren Frust von der Seele.

Da die Luft draussen von den vorbeifahrenden Autos und Lastwagen mit Abgasen geschwängert ist, gehen sie ab und zu ins Lokal zurück, um ihre Lungen mit der sauberen, glasklaren Luft zu erfrischen.

Dass  jetzt einige Wirte über geringere Einnahmen jammern, dürfen wir ruhig ignorieren. Wenn sie nicht fähig sind, ihr Lokal auf 80 Quadratmeter zu verkleinern und eine sündhaft teure Lüftung einzubauen oder ein Fumoir einzurichten, sind sie halt selber schuld.

Ich verkehre sowieso nur noch in Gartenrestaurants und Strassencafés oder bleibe ganz einfach zuhause.

Kommentare

Bild des Benutzers Aelfred

Herrlich diese Glosse

Herrlich diese Glosse Tuchfühlung und auch die nachfolgenden Kommentare dazu. Ich habe mich köstlich amüsiert. Dabei meinte ich, vor lauter Rauchschwaden meines eigenen regulierten Geniessens, es gebe die anderen Raucherinnen und Raucher nicht mehr. Jetzt bin ich aber froh, dass sie vor lauter reinheitsgeschwängerter Luft nicht dahingerafft wurden, denn um den Obolus auf das edle Kraut ist auch die AHV froh. So nimm ich denn nun auf Euch einen genüsslichen Zug von einer  Davidoff

Bild des Benutzers Kanalratte

"Toleranz ?"

Mir wurde einmal gesagt : Es gibt nichst Untolerantes als Nichtraucher

Ich habe den Gesprächspartner dann aufgeklärt, dass es umgekehrt sei. Das soll mir niemals einer bestreiten. Habe selber einen Vater gehabt, der daran an Lungenkrebs starb. Nicht ohne dass für seine Behandlung die Krankenkasse aufkommen musst, an die wir alle anderen auch bezahlen. Ich litt in jüngeren Jahre an starkem Heuschnupfen. Nichtsdestoweniger konnte er es nicht lassen das Zimmer zu vernebeln.

Wenn eine Versicherung wegen Fahrlässigkeit weniger zahlt, sollte das bei den Krankenkasse bei Rauchern auch angewendet werden.

Nach dem Vorbild des Vaters habe ich mit 20 auch geraucht. Vielleicht im ganzen 15 Päckli. Da es mir aber nicht mundete habe ich aufgehört. Meiner Meinung nach rauchen die Jungen nur weil es anscheinend in ist zu rauchen. Rauchen ist auch eine Droge, wie das Drögelen, saufen undsoweiter. Drum war es bitter nötig hier auch mal anzusetzen.

Kanalratte

Bild des Benutzers Bernhard Schindler

Erschüttert am Grab nichtrauchenden Freunde

Einst war er schon ein grosser Schloter

Der jede Wirtschaftsstube voll verpaffte

Dem Trend der Stunde folgend da verbot er

Sich selbst das Rauchen unter andern, was er schaffte.

 

Seither raucht er nur noch alleine

Schmaucht eine Pfeife froh in seinem Raucher-Domizil

Er fürchtet keine Raucherbeine

Und hält von Lungenkrebs halt auch nicht viel.

 

Doch wenn er raucht gerät er nimmer

In Schwefel- co2-Gesundheitsluft

Fabrikschornsteine gibt es nicht in seinem Zimmer

Was schädlich wär, vor seiner Tür verpufft.

 

So wird er alle andern überleben,

die nie an einem Stumpen  zogen

und ihnen seinen Segen geben

wenn ihre Seele vor der seinen weggeflogen.

 

An ihrem Grab, das sie sich selber schufen

Indem sie lebten so gesund, ich wette

Zieht er den Hut, kniet auf den Stufen

Und raucht genüsslich seine letzte Zigarette.

 

Bernhard 25.08.10

Bernhard Schindler Redaktor Seniorweb alt. stv. Chefredaktor Zofinger Tagblatt

Gut gebrüllt Löwe !

Saubere Luft? oder besser: gereinigte Luft? Wo gibt’s die noch. Ich habe dieselben Erfahrungen gemacht wie Peter: in den Nichtraucherabteilen der SBB da stinkt es manchmal jämmerlich! Aber eben, gegen diesen Gestank ist nichts einzuwenden gem. der Lungenliga!

Nun, die Wirte sind zu bedauern: sie haben weniger Umsatz. Raucher sind nun mal die gemütlicheren Menschen, gerne für ein Spielchen bereit, sie konsumieren mehr als die Nichtraucher, sie sind geselliger und gemütlicher, da läuft doch auch mal eine richtige ‚Fuure’!

Aber äbe: die Lungen-Liga wills nicht so haben! Ich geh nur noch an schönen Tagen in eine Beiz mit einem gemütlichen Garten!

Arme Wirte .... 

Warum kompliziert wenn's einfach auch geht :-)

Bild des Benutzers ulla

Man kommt sich wieder näher

Ich habe mich köstlich amüsiert über die Glosse. Und obwohl ich - seinerzeit Grossraucherin - diesem Laster seit zehn Jahren (aus gesundheitlichen Gründen) abgeschworen habe, machte ich dieselbe Beobachtung und mische mich gerne unter diese Grüppchen. Die Diskussionen sind einfach amüsanter, ja spannender und ergeben sich vor allem spontan, quasi wie unter Gleichgesinnten.
Bild des Benutzers Peter Fuchs

Saubere, glasklare Luft?

Früher, als man in den Zügen noch rauchen durfte, habe ich, obwohl damals gerade Nichtraucher, auf dem Weg zur Arbeit immer das Raucherabteil aufgesucht. Weil man dort genau wusste, nach was es roch. Im Nichtraucherabteil vermischten sich am Morgen die Gerüche von teuren und billigen Rasierwassern, Parfums und Duschgels, von Restalkohol und den Knoblauchspaghetti vom Vorabend, von «direkt-aus-dem-Bett-und-ungewaschen-in-die-Kleider-Körpergeruch» und vielem mehr zu einem Duftkonglomerat, das mich jeweils dazu anregte, es mit dem Duft des eigenen, bereits halb verdauten Frühstücks abzurunden.

Genau so ist es heute in den Kneipen und Restaurants. Beim Feierabendbier verströmen die Büezer am Nebentisch entweder den Schweiss ihres Angesichts, in dem sie den ganzen Tag ihre Arbeit verrichteten oder - wenn Sie in der Firma Gelegenheit zum Duschen hatten - den unsäglichen Geruch dieses Duschmittels, das die Frauen angeblich so unwiderstehlich finden. Beim Essen im Restaurant vermischt sich der Duft meines Gerichts und des Weins mit dem reichlich aufgetragenen «Femme Fatale» oder «Chanel No 5» der Dame hinter mir und/oder mit dem Aroma des regennassen Labradors unter dem Nebentisch.

Zudem habe ich gelernt, meine Zeche in der Bahnhofbeiz sofort bei Erhalt des Feierabendbiers zu bezahlen. Zwei mal habe ich das Postauto verpasst, weil der zuständige Kellner oder die Serviertochter nicht erreichbar waren, als ich bezahlen wollte. Das Personal, zu dessen Schutz das Rauchverbot ja angeblich eingeführt wurde, war gerade auf der Terrasse. Am Rauchen...


 

Gott gebe allen, die mich kennen, doppelt so viel wie sie mir gönnen...