Kochbücher sind out, die brauchen wir nicht mehr, die können wir in die Brockenstube oder auf den Flohmarkt bringen. Wir sind modern, wir gehen mit der Zeit. Wobei uns klar ist, dass wir mit der Zeit sowieso alle gehen müssen. Doch bis es soweit ist, zappen wir uns tapfer durch die zigtausend Kochsendungen der über hundert Fernsehstationen, die sich via Kabel in unseren Wohnzimmern breit machen.
Jeder Sender ziert sich heute mit zwei bis zehn eigenen Köchen, respektive Köchinnen. Wobei sich eine Köchin fachgerecht als Koch bezeichnet. Köchinnen sind Hausfrauen, also Amateure, die von den weiblichen Köchen, also den Profis, via Bildschirm in die Kunst der gehobenen Küche eingeführt werden.
Natürlich ist der Fernseh-Auftritt den Star-, Sternen-, Spitzen- und Haubenköchen vorbehalten. Ausnahmsweise darf auch der Besitzer eines Nobel-Gastrotempels mitspielen.
Beim Markus Lanz klopfen sich die Köche gegenseitig auf die Schulter, in der Küchenschlacht spielen sie sich als Dompteure auf und führen ihre Opfer genüsslich vor. Auf Gastro-TV kochen sie rund um die Uhr und auf Vox schnüffeln B-Promis in den Kleiderschränken des Gastgebers, bevor sie die Kochkünste ihrer Mitstreiter bewerten. Der Lafer kocht rechts, links wurstelt der Lichter, mit Lecker sind höchstwahrscheinlich die assistierenden Promis gemeint.
Die Restaurants der Fernsehlieblinge boomen, die Preise passen sich dem Beliebtheitsgrad des Besitzers an. Ob die Gäste wohl merken, dass der Chef gar nicht anwesend ist. Er kocht gerade in einer Fernsehshow.
Es gibt aber auch ausgezeichnete Köche ohne Auszeichnung, die nur für ihre Gäste die herrlichsten Gerichte zaubern. Ganz ohne Kameras und Regisseure, einfach so, in gewöhnlichen Pfannen in gewöhnlichen Küchen. Köche, die ihren Beruf lieben, die für ihre Gäste da sind. Sie kochen in Restaurants, wo das Preis-Leistungsverhältnis noch stimmt. Wo die Einschalt-Quoten keinen Einfluss haben und somit auch keine astronomischen Zahlen auf der Karte stehen.
Auch unser National-Zirkus, Verzeihung, National-Sender hat eine Kochsendung. Benannt nach dem Nudelgarpunkt. Da strahlen die teuren Chromstahl-Küchenmaschinen, da strahlt der Turbosteamer, da strahlt der Superbackofen. Da strahlen auch die Köche und der smarte Sven. Wir strahlen nicht, wie können das Ganze nicht nachkochen, wir sind nicht im Besitz dieser strahlenden Geräte. Schade. Wir müssen uns doch ein Kochbuch der Frau Bossy kaufen.
Ich gucke jeweils amüsiert die tägliche Kochsendung auf VOX um 19h. Da kochen Amateure und können oft nicht anders, als sich so zeigen, wie sie wirklich sind: gefallgeil, boshaft gegen die Konkurrenten, hart im Geben und weich im Nehmen - menschlich eben.
Aber ganz nebenbei kann der Zuschauer ganz tolle neue Ideen in sein eigenes Kochrepertoir einbauen, weil genau gezeigt wird, wie man es macht. So viel zu den Kochsendungen.
Mylzlis Beiträge sind immer unterhaltend zum Lesen, danke.
nepomuk
Diese Kost ist köstlich.
Ich frage mich immer, haben diese Köche zuhause nichts zu tun, dass sie sich in all diesen Sendungen tummeln können. Viele sind ja gleich bei mehreren Sendern zu sehen.
Vielleicht sind ihre Köche ja genau so gut wie sie, oder sogar noch besser.
Ich freue mich schon auf die nächste Glosse
Martin
Martin H. Bader
Viele Köche.....