Freizeit

Bühnenstück mit Waschmittel

Bühnenstück mit Waschmittel

Wohnzimmerfertig frei Haus geliefert.

Vorabend heisst die schöne Tageszeit vor dem eigentlichen Abend. Nicht zu verwechseln mit dem Feierabend. Der ist bekannt für sein Bier. Der Vorabend hingegen steht unter dem Zeichen der Serien, den sogenannten Vorabendserien.

Nun kennt natürlich jeder die Serie des Periodensystems aus der Chemie, oder eine Briefmarken-Serie, vielleicht denkt er auch an eine Schriftenreihe, also an eine Serie von Heften oder Bänden zu einem eingegrenzten Themenfeld. Da diese Serien aber nichts mit dem Vorabend zu tun haben, können wir sie getrost vergessen.

Hier geht es um eine Abfolge von zusammenhängenden filmischen Werken im Fernsehen, folglich um eine Fernsehserie. Serien, die am späten Nachmittag von den Anstalten ausgestrahlt werden.

Wer jetzt bei dem Wort Anstalt sofort an Sigmund Freud denkt, liegt nicht einmal so falsch. Gar zu oft kommt auch mir bei den Insassen der Fernsehanstalten der Spruch vom Sigismund Schlomo in den Sinn: „Der Mensch ist nicht Herr seiner selbst“.

Doch zurück zum Vorabend. Es war in grauer Vorzeit, als es noch nicht so viele Sender gab, da importierten die sogenannten Öffentlich-Rechtlichen Soap Operas, Seifenopern, sogenannte Endlosserien. Wer erinnert sich nicht an Dallas, Denverclan, Cheers, Springfield Story und wie sie alle hiessen.

Es waren Serien mit richtigen Schauspielern, bei Falcon Crest spielte sogar eine Oscar-Preisträgerin die Hauptrolle, Jane Wyman.

Seit 1985 produziert die ARD nach dem Vorbild der britischen Serie Coronation Street die Lindenstrasse. Anfang der neunziger Jahre zogen dann die Privaten nach. Das Grauen begann. Es hatte auch einen Namen, es nannte sich jetzt Telenovela.

Sie schossen wie Pilze aus dem Boden, diese Daily Soaps. Unter uns, GZSZ, Anna und die Liebe und noch viel mehr schlichter, schlecht gemachter Stumpfsinn. Es sind handwerkliche Schlampereien. Auch wenn die RTL-Chefin den Schwachsinn als „High-class für die Daytime“ anpreist, es bleibt eine Zumutung für den mündigen Zuschauer.

Da tummeln sich zweitklassige Laiendarsteller auf dem Set und leiern ihre auswendig gelernten Sätze monoton vor sich hin. Die dürftige Handlung reisst auch keinen vom Hocker. Wenn dann noch der pubertierende Teenager seine Mutter Schlampe nennt, lässt auch der erzieherische Wert zu wünschen übrig.

Der stammelnde Pseudomime ist jetzt plötzlich ein Star. Stars waren für mich die Dietrich, die Garbo, die Magnani oder die Loren, der Bogart, der Brando oder der Chaplin. Wenn ich heute von einem GZSZ-Star lese, sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare.

Freud sagte: „In dem Augenblick, in dem ein Mensch den Sinn und den Wert des Lebens bezweifelt, ist er krank“.

Und Myltz fügt hinzu: „Sollte er aber den Sinn und den Wert dieser Werke bezweifeln, ist er geistig sehr gesund“.

 

Kommentare

Bild des Benutzers ulla

Seifenopern

Lieber Kolumnenschreiber
Wie stets, entbehrt deine Glosse nicht der Wahrheit, doch der sonst so feine Humor, die Ironie vermisse ich. Lassen wir doch allen Seelen oder Gemütern ihr "Geschmäcklein". Ich selbst lese und schaue auch kunterbunt, wobei ich beim Lesen weit anspruchsoller bin und mich oft philosophischen Werken zuwende. - Sollte mir jedoch einmal nach banaler Kost zumute sein, schaue ich mir ganz gern so eine Seifenoper an und amusiere mich köstlich dabei.Ich bin voll üerzeugt, dass ich dadurch nicht dümmer werde!

Im übrigen steht es wohl jedem frei, den Vorabend sinnvoller zu nutzen.

Lieber Kurt

Willst du mir jetzt wirklich meine Krimis von 18 - 19 Uhr vermieesen ? Ja, einversanden: manchmal echt 'an den Haaren' herbeigezogen, aber für mich halt doch die Entspannung pur!

Aber, ich muss nochwas gestehen: ich sehe mir auch die Wiederholung der Serie "Wege zum Glück" an, 'schäm'! Aber diese Annabelle ist so fies, fieser gehts nicht mehr und man hofft von Sendung zur Sendung, dass das schändliche Tun dieser Dame endlich aufgedeckt wird.

Warum kompliziert wenn's einfach auch geht :-)

Seifenopern etc.

@Kurt Myltz

Du hast vollkommen Recht, vollkommener Mist, für den wir auch noch zahlen. Die besten, interessantesten Sendungen kommen spät am Abend, bei denen ich dann regelmässig einschlafe, nicht wegen des Inhalts, sondern weil ich einfach übermüdet bin. Zu diesen Soaps kommen noch die Gerichtssendungen und Talkshows und was sonst noch alles in dieser Richtung. Es sitzen ja nicht nur Senioren vor dem Fernseher, an denen kann man nichts mehr kaputt machen, da sitzen doch alle Generationen, aus welchen Gründen auch immer zu dieser Tageszeit vor dem TV. Ich vermisse gut gemachtes Bildungsfernsehen. Obwohl man ja immer wieder hört, es gäbe zu viele Kochsendungen. Aber die sind mir noch tausendmal lieber, da gehts wenigstens noch ums wirkliche Leben mit Menschen wie du und ich.

Das Leben eines Menschen ist das, was seine Gedanken daraus machen. Marc Aurel
Bild des Benutzers rita amalin surber

„Soaps hat es schon immer gegeben…“

Soaps oder ihre frühen verwandten sind nicht auf den geist ausgerichtet, sondern auf das gemüt. Beim mitleben- und leiden haben wir so ein substitut das uns hilft, an unsere eigenen unbewussten gefühlsinhalte zu rühren.  Das kann hilfreich sein, sagt die Therapeutin Anouk Claes.

Bild des Benutzers immergruen

Welch ein Glück,

dass es noch Seifenhersteller gibt, die von Hand schöpfen.

Diese Soaps, von denen hier die Rede ist, sind mir alle, zum Glück offenbar , unbekannt und so soll es auch bleiben. Auch wenn ich im Ruhestand bin, ist mir die Zeit zu schade, mich solchem Unsinn auszusetzten. Geistige Gesundheit, lieber Kurt, wollen wir uns noch eine Weile erhalten und deshalb ist Deine Glosse sehr förderlich für alle, die sich dem Stumpfsinn schon ergeben haben.

immergruen

http://www.mönchsklause.de

Bild des Benutzers Kurt Myltz

Kleine Ergänzung

 

Groschenromane haben mit Seife nichts zu tun. 

In den dreissiger Jahren gab es in Amerika die ersten Serien-Hörspiele, Endlos-Folgen. 

Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff Seifenoper. Denn die Sponsoren waren vor allem Waschmittelkonzerne, insbesondere die Firma Procter & Gamble, die 1939 allein 22 solcher Radioserien produzierte. Ihren Höhepunkt erreichten die Radio-Seifenopern 1940, als 64 Serien gleichzeitig gesendet wurden. 

Die am längsten laufende Seifenoper war Guiding Light(deutscher Titel: Springfield Story), produziert von Procter & Gamble Productions. Sie begann 1937 bei NBC Radio, wechselte 1947 zu CBS Radio und wurde seit 1952 im CBS-Fernsehen weitergeführt. Aufgrund fallender Einschaltquoten wurde die Serie am 18. September 2009 nach 72 Jahren eingestellt.

 

Quelle: Wikipedia

Bild des Benutzers Bernhard Schindler

Früher gab's Kernseife

Natürlich, die jetzigen "Soaps" sind so ziemlich das Letzte, was es an Fernsehunterhaltung gibt. Sie sind ausgerichtet auf ein nicht mehr werktätiges Publikum, dem man zwischen den einzelnen Teilen Werbung für die ältere Generation einträufeln kann. Übertroffen an Schwachsinn werden sie allenfalls noch von den Heftchen-"Romanen", den Arztgeschichtchen und dem Unfug, den sich Heftchen ausdenken, die sich an die niedrigsten Instinkte ihrer Leser wenden. (Als Alibi haben diese Zeitschriften immer noch ein paar Kreuzworträtsel, damit man nicht verlegen sein muss, wenn man/frau mit so einem Heftchen im Hausgang erwischt wird).

Aber "Soaps" Seifengeschichten hat es schon immer gegeben. Ich denke an die Heimatromane von Ganghofer, an die Illustrierten Heftchen unserer Urgrossmütter, in denen sich kunterbnunt gemischt das damalige Unterhaltungsangebot wiederfindet: Ein bischen Lyrik von Hesse, eine Kurzgeschicte von Anzon Tschechow, eine übersetzte Novelle von Colette und dann viel Ramsch im Trend der Zeit, als der Kaiser noch ein guter Mann war und Ludendorf ein toller General.

Was heute Waschmittel-Opern sind, waren damals die Kernseife-Stückchen. Und wie die wirklichen Kernseifestückchen sind auch die literarischen Seifenwürfel beständiger als das, was heute im Hygienebereich, aber auch in den Zeitschriften auf den Markt kommt.

Aber: ein bisschen Romantik, ein bisschen Burgfräulein und Jägersbursch, ein bisschen Dr. Norden - das gab den tristen Winterabenden unserer Grosseltern unter der flackernden Petrollampe den Hauch von schönen Leben und der weiten Welt.