Wie in jedem normalen, gutbürgerlichen Haushalt, gibt es auch im Vatikan täglich anfallende Schmutzwäsche. Schmutzige Wäsche muss man waschen. Im normalen, gutbürgerlichen Haushalt verrichtet diese Arbeit die tüchtige Hausfrau, manchmal, in Ausnahmefällen, auch der tüchtige Hausmann. In grauer Vorzeit, etwa Mitte des letzten Jahrhunderts, war so ein Waschtag eine richtige Plackerei. Heute stehen uns technisch hochstehende Maschinen, sogenannte Waschmaschinen, zur Verfügung.
Die stehen auch im Vatikan. Natürlich muss der Benedikt seine Unterhosen nicht selber waschen, dafür sind seine Hausnonnen zuständig. Und die haben ganz schön zu tun, all die Chorhemden, Altartischtücher, man kann schon sagen die gesamte Kleruswäsche, wollen porentiefrein gewaschen werden. Einzig die Sonntagstracht des Papstes und die Strampelhosen der Schweizer Gardisten werden chemisch gereinigt.
Das kostet natürlich Geld. Der Zwergstaat ist auf die Spenden, auf die liebevollen Zuwendungen seiner zahlreichen Anhänger angewiesen. Die Schäfchen aller Herren Länder lassen ihren Oberhirten Gott sei Dank nicht im Stich. So steuern weisse, gelbe, rote und schwarze Menschenkinder ihren Obolus für die Haushaltskasse bei, manchmal beteiligen sich auch schwarze Schafe. Es soll auch schon braune Wohltäter gegeben haben.
Damit dieser bunte Geldsegen zu einer homogenen Einheit wird, muss man ihn waschen. Dazu braucht man eine Bank. Selbstverständlich keine gewöhnliche Bank, keine, die in den prachtvollen Gärten des Vatikans steht, auf denen sich der heilige Vater nach getaner Arbeit ausruhen kann, keine im Petersdom, auf der die Pilger auf den Segen Gottes warten. Nein, es braucht eine Bank mit Bankiers, Bankiers, die recht viel von Geld, und dem richtigen Umgang damit, verstehen.
Der Einfachheit halber hat der Benedikt eine eigene Bank, das Istituto per le Opere di Religione, man könnte es auch eine religiöse Waschanstalt nennen. Und dort wird, natürlich im Namen Gottes, auf Teufel komm raus gewaschen. So lange, bis alles Makellos und Blütenrein ist.
Das hat eine lange Tradition, schon Bischof Marcinkus und „seine“ Vatikanbank, die Herren Calvi, Sindona und Konsorten wussten, wie man aus Geld Geld macht. Mit oder ohne dem Segen von Paul VI, man weiss das nicht so genau, wurden Ambrosiano-Aktien von Nassau nach Rom und zurück jongliert. Die P2 unter Licio Gelli und die Banco Ambrosiano spielten schon in den 70er und 80er des letzten Jahrhunderts eine wichtige Rolle in der vatikanischen Finanzwelt. Der Präsident der Bank, Roberto Calvi, wurde 1982 wegen Geldwäsche, Unterschlagung und Beteiligung an einer langen Liste politischer und finanzieller Verbrechen angeklagt, zusammen mit Michele Sindona, Präsident der Franklin National Bank und Erzbischof Marcinkus. Calvi, den man auch den Bankier Gottes nannte, wurde im Juni 82 erhängt unter der Blackfriars Bridge in London aufgefunden.
Heute heisst der Chef der Vatikanbank Ettore Gotti Tedeschi und auch er steht unter Verdacht. Verdacht auf Geldwäscherei. Der weisse Riese hat einen Nachfolger gefunden: Nichts wäscht so weiss wie das Istituto per le Opere di Religione.
Man darf das natürlich nicht zu eng sehen. Religion kostet Geld. Der Vatikan braucht Geld. Sauberes Geld. Es bleibt ihm ja gar nichts anderes übrig, als weiter zu waschen. Waschen in Benedikts Waschsalon.
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Was sagen denn die vielen spendier freudigen Schäfchen dazu? Dass der arme Benedikt ja auch seine Ordnung haben muss? Natürlich braucht er die blütenreinen Gewänder, die Sauberkeit und Frische symbolisieren. Aber diesen Eindruck kann man wohl nach all den Enthüllungen der letzten Monate wohl vergessen. Jetzt allerdings ist es besonders wichtig, sauberes Geld zu haben für eine gesegnete Abfindung all der Opfer, die sich zu Wort gemeldet haben und deren Probleme und Leidensgeschichten man nicht unter einem Berg schmutziger Wäsche verstecken kann.Lieber Kurt! Eine Glosse, die treffender nicht sein kann, meint immergruen
http://www.mönchsklause.de
alles im Namen Gottes .....
Sehr gute Glosse, bavo!
Rosemary Huber
hat ja keine Vorbilder also macht er weiter wie gehabt. Wo kein Kläger, da kein Richter.
Danke für die Glosse.
kornblume
Kurt, Deine neue Glosse ist nicht zu übertreffen!
Vor lauter waschen, haben die in Rom ja stets eine blütenweisse Weste!!!
Deine Donnerstag-Glossen sind mir stets ein grosses Vergnügen. Danke!
Schmutzwäsche waschen
Die haben sicher alle ganz verschrumpfelte Hände
vom vielen Waschen. Im Volksmund heisst das
"Wöschwyberhänd".
Danke für den lustigen (oder auch nicht) Beitrag.
amara
Gib jedem Tag die Chance, der Schönste deines Lebens zu werden. Mark Twain