Konsum

Über Zahlen, Preise und Werte und das Zahlen überwerteter Preise

Über Zahlen, Preise und Werte und das Zahlen überwerteter Preise

Zahlen sind unverdächtig und logisch. 2 x 2 = 4.

Aber darf man Zahlen glauben, wenn sie als „Boni“ daher kommen? Und wo bleiben billigere Lebensmittel als Resultat des schwächelnden Euro?

Eine französische Automarke wirbt zur Zeit mit dem „Euro-Bonus“. Wer ein bestimmtes Auto jetzt kauft, profitiert angeblich von der Währungsschwankung der letzten Monate. Der Bonus beträgt 2000 Franken. Das Auto kostet knapp 40 000. 2000 von 40 000 sind 5 Prozent. Der Euro aber hat sich gegenüber dem Franken in nur einem Jahr um mehr als 12 Prozent abgeschwächt: Noch zu Beginn Mai 2007 gab es 1 Euro für 1.65 Franken, im Oktober 2009 kostete er 1.50, am 23. Mai 2010 1.41, heute ist er (trotz massiver Stützungskäufe durch die Schweizer Bundesbank) noch rund 1.33 Franken wert. Und die Schweizer Bundesbank sitzt auf einem Devisenkonto mehrerer Milliarden abgewerteter Euros. Dass der Schweizer Staat dabei nicht verlumpt ist, verdanken wir den verbliebenen Goldreserven. Denn so wie der Dollar und der Euro in die Tiefe gepurzelt sind, ist der Goldpreis auf Allzeit-Rekordwerte gestiegen!

Zurück zum Auto und zu den Büchern

Ginge es den Autoimporteuren wirklich darum, ihre Schweizer Kundschaft an der Aufwertung des Frankens zu beteiligen, müssten sie ihr 12 Prozent, also deutlich mehr als 2000 Franken, „Euro-Bonus“ anbieten. Genau das bereiten die deutschen Verlage für den kommenden Dezember vor: Die Richtpreise deutscher Bücher in der Schweiz werden 10 bis 12 Prozent sinken. (Dabei verlieren die deutschen Buchverlage gar nichts, denn ihre Richtpreise für die Schweiz waren schon immer horrend zu hoch, was jeder bestätigen kann, der schon einmal ein deutsches Buch ennet der Grenze in Lörrach gekauft hat). Aber bereits geht das Wehklagen durch die schweizerischen Buchhandlungen, mit den neuen Margen - es sind die gleichen wie zu Beginn der Euroschwäche - sei es nicht möglich, ein umfassendes Sortiment aufzubauen und zu unterhalten. Damit macht die Buchhandelsbranche bereits Druck auf das Parlament, das in der Dezembersession darüber entscheidet, ob die vor einigen Jahren abgeschaffte Preisbindung auf Bücher wieder eingeführt werden soll.

Zahlen  sind magisch

Adam Riese ist der Garant dafür, dass Zahlen wirklich und stabil seien. Ein Franken bleibt ein Franken (sagte schon der Schweizer Bundesrat in corpore 1936, kurz bevor er den Franken abwertete, was zu Inflationsängsten führte, die aber unberechtigt waren, konnte doch die Schweizer Exportwirtschaft auf den internationalen Märkten wieder Anteile gewinnen. 1936 war jede Schweizer Banknote noch mit Gold gedeckt, und eine Hunderternote war zu dieser Zeit 120 (Gold)-Franken wert.

Eine drohende Inflation wurde durch den Zweiten Weltkrieg abgewendet, als der Franken zur Fluchtwährung wurde und als neutrale Währung den internationalen Welthandel aufrecht erhielt).

Heute sind wir wiederum in einer ähnlichen Situation: Die wichtigsten Währungen verlieren gegenüber dem Franken an Wert, was der Exportwirtschaft schadet. Ob allerdings wiederum eine Abwertung das Heil wäre, darf bezweifelt werden. Nicht der Franken ist zu hoch bewertet, sondern Euro und Dollar viel zu tief. Dazu haben auf dem alten Kontinent eine versagende Schuldenbremse und in den USA die Liegenschaftenblase und die Verschuldung der einzelnen Bürgerinnen und Bürger geführt. Für die europäische Währung gibt es nur eine Hoffnung, dass nämlich die EU-Staaten wie Griechenland, Portugal, Spanien, aber auch Italien, Frankreich und Deutschland ihre Haushalte wieder in Ordnung bringen. Beim Dollar ist es etwas komplizierter: Dort sind immer noch Verschuldungs- und Spekulationsblasen zu erwarten.

Keine Verbilligung durch schwachen Euro

Die Lebensmittelpreise von Importwaren in der Schweiz haben die Preissenkungen durch den Euro bei Importware kaum zu spüren bekommen. Die gross angekündigten Preissenkungen bei den Grossverteilern sind nur Tropfen auf einen heissen Stein.

Im Nonfood-Bereich ist sogar praktisch gar nichts geschehen. Möbel, in Deutschland gekauft, kommen im heutigen Umrechnungskurs um 10 bis 15 Prozent billiger zu stehen als das gleiche Modell in der Schweiz gekauft.

Es lohnt sich somit wieder, ennet der Grenze zu posten. Allerdings darf der Schweizer Konsument nicht überall die gleiche Qualität erwarten, die er bei seinem Metzger, seinem Gemüsehändler oder in der Non Food-Abteilung mit Fug und Recht verlangen kann.

Reisen ins Ausland sind billiger geworden. Dafür kommen viele Ausländer nicht mehr in die Schweiz, weil für sie die ohnehin teure Ferienregion noch teurer geworden ist.

PS: Wir sind es gewohnt, alles Schlechte im westlichen Ausland den Amerikanern in die Schuhe zu schieben. Dabei wäre festzustellen, dass der kränkelnde Dollar, der heute noch 95 Rappen wert ist, schuld ist daran, dass unsere Energie- und Treibstoffpreise von 1.90 pro Liter Normalbenzin noch im letzten Winter auf augenblicklich rund 1.59 heruntergefahren wurden.

 

Kommentare

Bild des Benutzers Albert Hahn

Stützungskäufe des Euros durch die SN ?

Lieber Bernhard, das stimmt nun wirklich überhaupt nicht, dass die Schweizerische Nationalbank (nicht Bundesbank, wie von dir geschrieben) massive Stützungskäufe in Euros gemacht hat - das Gegenteil ist der Fall! Die SN hat rund 30 Milliarden Euros verkauft und statt dessen in Yen investiert und diesen Posten auf rund 10 % der gesamten Devisenreserven aufgestockt. Nach meiner Einschätzung auf damit etwa ebenfalls 30 Milliarden (umgerechnet). Vielleicht steigt der Wechselkurs des Euros gegenüber dem Schweizer Franken seither fast täglich? Freundlichen Gruss dir aus der Haute-Savoie. Albert 

Bild des Benutzers erizo

Gefälle

 

Es lohnt sich somit wieder, ennet der Grenze zu posten.

wurde hier geschrieben.Beim Kauf lässt man sich die Mehrwertsteuer zurückzahlen und bei der Einfuhr in die Schweiz werden die ab einem bestimmten Betrag zu zahlenden  Gebühren öfter vergessen.Nicht jeder ist  in der Lage,schnell einmal ins Ausland zu huschen und zu posten.

 

Die Abzocker (neu deutsch) sind aber im eigenen Land zu finden da sie immer von den Gegebenheiten profitieren und von den Kursänderungen nichts,oder nur einen kleinen Teil

an den Kunden weitergeben.

Nachtrag:Ich wurde hier falsch verstanden:Ich habe nur beschrieben was ich in dem Hauptbeitrag gelesen habe.Ich persönlich finde es n i c h t gut im Ausland zu posten,erwarte jedoch im eigenen Land nicht über den Tisch gezogen zu werden.Beim Buchkauf habe ich jedoch sehr schlechte Erfahrungen machen müssen.   erizo: MeinName Adresse und weitere Daten sind bei SW deponiert 

Bild des Benutzers Hanspeter Stalder

Es gibt noch andere (Mess-)Werte als das Geld

Ich bin weder mit al41wirth mit erizo einverstanden.

(Vorbemerkungen: Ich hoffe, dass, wie bei der letzten Mitarbeiterzusammenkunft des Seniorweb gewünscht wurde, künftig alle Schreiber mit vollem Namen unterzeichnen.)

1. Bei der Buchpreisbindung wäre nach meiner Meinung zu bedenken, dass wir in den Schweizer Buchläden gut ausgebildete, gut informierende und folglich auch gut verdienende Buchhändler haben. Was man von deutschen Discoutern und meist auch bei Ex Libris nicht geboten bekommt. Dafür bezahle ich gerne etwas mehr. Zudem stimmen die 90% deiner Rechnung nicht.

Weiter kostet eine Fahrt über die Grenze Benzin, Amortisation, Nerven und schadet der Umwelt, was auch kostet. Die eine Fahrt vielleicht nicht sehr, doch das Schnäppchen-Fahren, wie es hier propagiert werden soll.

Und als dritte Anmerkung, für mich die wichtigste: Die Zeit, die mit solchen Fahrten verbraucht wird. Die Zeit ist doch die einzige Ressource, die nie und nimmer ersetzbar ist - sollten wir Alten doch eigentlich wissen. Geld kann eingespart werden (ein Buch statt zwei, 1 Kilo Fleisch statt 2). Nur die Zeit, mit der wir Geld sparen, ist unwiderbringlich weg. Hören wir doch auf, alles mit Geld-«Wert» zu messen. Es gibt so viele andere wirkliche Werte, Messwerte für unser kurzes Leben.

Bild des Benutzers al41wirth

Widerliche Abzocke

Als Bezüger der Rente eines Schweizer Unternehmens, ist mir erizos Vorschlag eigentlich nicht sympathisch!

Und doch: Ein Taschenbuch kostet in Basel 19.90 Franken, in Lörrach 9.95 Euro! Wenn mein Taschenrechner noch einigermassen funktioniert und ich korrekt eingetippt habe, beträgt der Aufschlag des Basler Buchhändlers rund 90 Prozent. Für welche Leistung (die auch der Lörracher Berufskollege  tadellos erbringt) eigentlich?  Ich halte das für Abzocke.  Es ist daher höchste Zeit, die Buchpreis-Bindung abzuschaffen! Oder nur noch bei Ex Libris Lesestoff zu besorgen.

Albert Wirth