Bis jetzt hat der schwache Euro der Schweiz mehr geschadet als genützt. Das könnte geändert werden.
Ohne China wäre wohl der US-Dollar nicht einmal mehr die Hälfte dessen wert, was wir heute dafür bezahlen müssen. Denn die Chinesen haben während vieler Jahre den Dollar dank massiver Käufe an den Börsen gestützt. Mit dem Erfolg, dass die USA nicht bankrott ging, aber zum hohen Preis der nun wohl jahrzehntelangen Abhängigkeit der amerikanischen Währung von ihren „Rettern“.
Die Schweizer Nationalbank hat zur gleichen Zeit versucht, den Niedergang der europäischen Währung Euro zu stoppen. Je stärker der Franken wurde gegenüber dem Euro, desto schwerer hatte es die Schweizer Exportwirtschaft, ihre Produkte in den wichtigsten Exportländern abzusetzen. Gemäss Sonntagspresse haben sich bereits Schweizer Hoteliers entschlossen, den Euro vom Schweizer Franken abzukoppeln: Um ihre Gäste aus Deutschland, Italien und Frankreich wieder zu ködern, wird ihnen ein Wechselkurs von 1.50 Franken zugesichert. 22 Rappen mehr als beispielsweise diese Woche der Euro als Devise gekostet hat.
Nun sitzt die Schweizer Nationalbank also auf einem Eurostock im Wert von 21 Milliarden Schweizer Franken. Geld, das nun den Kantonen und dem Bund fehlen wird, weil die Nationalbank auf längere Frist keine Dividenden mehr ausschütten kann. Nur dank des gleichzeitig im Wert gestiegenen Golddepots der Nationalbank hat diese Rettungsaktion der Volkswirtschaft nicht noch mehr geschadet. Wir können nur hoffen, dass der Euro nach den Hilfsaktionen für Griechenland und Portugal, Irland und Spanien wieder an Wert gewinnt. 1.65 Franken, wie noch vor 2 Jahren, wird die Einheitswährung aber sicher nicht mehr erreichen.
Für Schweizer ist der Euro-Markt unterdessen wesentlich billiger geworden, auch wenn sich Gross- und Detailhandel schwer tun, die Währungsgewinne aus dem Euro an ihre Kunden weiter zu geben. Wenn jetzt ein Schweizer in Deutschland ein Haus kaufen möchte, kauft er es mit seinen Schweizer Franken im Wechsel zum in Euro ausgeschriebenen Preis rund einen Viertel günstiger als vor zwei Jahren. Der Neukauf von europäischen Maschinen sollte jetzt erfolgen. Unternehmen mit prall gefüllter Kriegskasse gehen in Europa auf Einkaufstour.
Der Bundesrat und die Nationalbank sollten überlegen, ob jetzt nicht der Zeitpunkt gekommen wäre, statt verlorenem Geld weitere Fränkli hinterher zu werfen, den Franken zu Investitionen zu verwenden, die für die Schweiz in absehbarer Zeit dringend erforderlich sind. Wir bauen durch unser herrliches Land eine Neat, die aber 2017 nur dann in Betrieb genommen werden kann, wenn die Zufahrt durch die deutsche Rheinebene von Karlsruhe bis Basel und die Geleise zwischen Chiasso/Como bis Milano rechtzeitig fertig werden. Entsprechende Verträge zwischen der Eidgenossenschaft, Italien und Deutschland wurden geschlossen, doch sind im Augenblick beide Vertragspartner nicht willens oder in der Lage, die Verträge termingerecht zu erfüllen. Italien fehlt schlicht das Geld für grössere Bahninvestitionen, in Deutschland ist es der erwachte Bürgerwille, seine Geschicke insbesondere betreffend öffentlichen Verkehr, selber in die Hand zu nehmen. Allein in Offenburg wären gemäss Plänen der Deutschen Bahn 6000 Familien durch zusätzlichen Lärm der zwei noch zu bauenden Geleise betroffen.
Die beiden Zufahrtstrecken, unabdingbar für den Verlad von Transitfrachten von der Strasse auf die Schiene, müssen gebaut werden. Notfalls unter massiver finanzieller Hilfe der Schweiz mindestens in Italien. Unser Land wird auch nicht darum herumkommen, bei den Bevölkerungen von Rheinland-Pfalz bis Baden-Württemberg massives Lobbying zu betreiben. Nicht nur für Offenburg entsteht mehr Lärm. Ohne Konzessionen, ohne Untertunnelung der Städte und Antilärmmassnahmen für die Bewohner der Durchfahrtsstrecken wird aus der Neat nichts. Dieses Lobbying kostet Geld, wohl ebenso viel, wie Italien letztlich einsacken wird, um ihre Anschlüsse rechtzeitig fertig zu stellen.
Die Nationalbank hat 2010 21 Milliarden Verluste gemacht, wobei es sich allerdings nur um Buchwerte handelt. Gleichzeitig hat der Bund einen Überschuss von 3 Milliarden Franken erwirtschaftet. Da sollte es doch möglich sein, einen Teil des Gewinns zusammen mit den zu erwartenden Erlösen, wenn der Euro wieder einmal stärker wird, für die Fertigstellung der Nord-Südachse von Hamburg bis Genua zu investieren. Kommt hinzu, dass eine von der Schweiz mit finanzierte Bautätigkeit am Rhein und am Ticino deutsche und italienische Kaufkraft fördert, was wiederum positiven Einfluss auf die Rettung des Euro ergibt.
Merke: Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not.
Aber was Du in der Not investierst, ist ein Spargroschen für die Zukunft!
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